Flüchtlinge im Schultest Strichmännchen für die Integration

Mit einem Bildungstest will Baden-Württemberg die Kenntnisse von geflüchteten Kindern und Jugendlichen ermitteln. Die Testergebnisse sollen dabei helfen, den Schülern eine bessere Ausbildung zu ermöglichen.

DPA

Mal müssen die Schüler Reihen aus Symbolen logisch ergänzen, mal müssen sie sich mehrere Bilder merken, die später abgefragt werden: An der Kaufmännischen Schule Waiblingen machen acht Flüchtlinge einen bundesweit wohl einzigartigen Bildungstest. Sie werden in einem eigens entwickelten Computerprogramm auf Konzentrationsfähigkeit, Merkfähigkeit, schlussfolgerndes Denken und räumliches Vorstellungsvermögen getestet.

Das Ergebnis des Tests soll es Lehrern erleichtern, jugendliche Flüchtlinge individueller und gezielter zu fördern und die weitere Schulkarriere zu planen, erklärt Susanne Kugler. Sie verantwortet das Projekt im baden-württembergischen Kultusministerium. Langfristiges Ziel: die fremden Menschen "durch Bildung zu integrieren". Dabei kann der Test, wenn er sich bewährt, eine wichtige Rolle spielen: "Wir müssen früh und genau darauf achten, welche Potenziale vorhanden sind, unabhängig von der deutschen Sprache", so Kugler.

Auf den Computerbildschirmen der acht Schüler, die zwischen 18 und 29 Jahre alt sind, erscheinen Strichmännchen und einige Aufgaben. Eine Wissenschaftlerin erklärt sie erst auf Deutsch, dann auf Englisch. Danach übersetzen die Männer, die englisch sprechen, die Aufgaben ins Arabische oder ins Farsi.

"Sinnvolle Ergänzung"

Der Test gehört zu den Maßnahmen, mit denen das Kultusministerium in Baden-Württemberg Flüchtlingen die Integration ins deutsche Bildungssystem erleichtern will. Neben dem Bildungstest - im Fachjargon Potenzialanalyse - wird seit Januar bei der Ankunft von Kindern und Jugendlichen ihre bisherige Schullaufbahn abgefragt.

Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in der Potenzialanalyse eine sinnvolle Ergänzung zu dieser Abfrage. Denn sechs Jahre Schulbesuch bedeuten je nach Herkunftsland etwas anderes, sagt GEW-Geschäftsführer Matthias Schneider. Schneider warnt aber davor, nur auf die Prüfung zu setzen. "In einer Testsituation verhalten sich Kinder anders." Deshalb sei es weiterhin wichtig, die Schüler zu beobachten.

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dpa/kha



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