Studie Frauen streben seltener in Spitzenjobs

Frauen bekommen weniger oft einen Job in den Führungsetagen deutscher Firmen. Aber sie bewerben sich auch seltener darauf. Forscher nennen dafür drei Gründe.

Frau erklärt eine Grafik in einem Berliner Büro (Symbolbild)
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Frau erklärt eine Grafik in einem Berliner Büro (Symbolbild)


Frauen stellen zwar 45 Prozent der Beschäftigten - aber nur rund 29 Prozent der Führungskräfte. Sie sind an der Spitze deutscher Unternehmen also deutlich unterrepräsentiert, wie eine Auswertung des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) am Montag noch einmal bestätigte.

Interessant ist allerdings, dass die Autoren auch die Bewerbungen von Frauen auf Spitzenjobs betrachtet haben. Hier liege der Frauenanteil bei 31,5 Prozent und entspreche somit fast ihrem Anteil an den Führungspositionen, heißt es in dem Bericht. In mehr als vier von zehn Unternehmen wird laut IW gerade einmal jede zehnte Bewerbung um eine leitende Funktion von einer Frau eingereicht.

Die Auswertung verdeutlicht, was Personaler schon länger beklagen: Frauen streben seltener in die obersten Etagen von Unternehmen. Diese Zurückhaltung liegt laut IW unter anderem an fehlenden Strukturen zur Kinderbetreuung und mangelnden Teilzeitmöglichkeiten für Führungskräfte. Werde dies in Betrieben angeboten, steige auch der weibliche Anteil in der Führungsetage.

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Ein weiteres Hemmnis für den Aufstieg: Frauen schätzten ihre Erfolgschancen im Wettbewerb um Führungspositionen tendenziell geringer ein als Männer.

Die Auswertung stützt sich auf eine Befragung von Personalverantwortlichen und Geschäftsführern aus dem Frühjahr vergangenen Jahres. Für die Analysen standen laut IW Antworten aus 1058 Unternehmen jeglicher Größe zur Verfügung. Weit überwiegend beteiligten sich Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten.

lov/dpa

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markus_wienken 30.04.2018
1.
hm...wer seine Erfolgschancen im Wettbewerb geringer als Männer einschätzt hat dann sicherlich auch andere Defizite später im Job als Führungsposition. Da ist dann nämlich Schluss mit kuscheln und man muss sich gegen andere Personen und auch viele fachliche Widrigkeiten durchsetzen. Mangelndes Selbstvertrauen ist da fehl am Platz.
JungUndFrei 30.04.2018
2.
Mich würde darüber hinaus interessieren wie viele Frauen unabhängig von den genannten Hemmnissen eine Führungsposition möchten. Natürlich im Vergleich zu Männern, wenn ich aus meinem persönlichen Umfeld schließen müsste, würde ich bei Männern 50% mehr vermuten.
dasfred 30.04.2018
3. Also alles halb so wild
Wenn Frauen sich bewerben haben sie auch die gleichen Chancen wie Männer. Dieser Artikel relativiert so einige Berichte der letzten Zeit. Es sind nicht die bösen Männer, die die Frau aus der Führung drängen, es sind die Frauen, die an diesen Jobs nur begrenztes Interesse zeigen. Dabei ist aber die Kinderbetreuung nur ein Aspekt. Der Anteil an Frauen, die den Beruf soweit in den Vordergrund stellen, dass die Karriere allem anderen vorgezogen wird, ist relativ klein. Frauen sind eher geneigt, den Beruf auszuüben um das Privatleben zu finanzieren. Frauen bringt die Arbeit an sich seltener Erfüllung als Männern.
zweiter 30.04.2018
4. Schuld sind natürlich wieder mal die Anderen ...
.... "Teilzeit" für Führungskräfte: Morgens rudert die Teilzeit CEO der Frühschicht nach links, mittags die der Spätschicht nach rechts - Dienstreisen gibt es wegen der Kleinkinderbetreuuung nicht mehr, dumm nur, wenn die Geschäftspartnerin auch ein Frau mit den selben Ansprüchen ist, da wird Frau sich nie zum Geschäft machen treffen. Ich kann diese herbeigeschriebene Diskriminierung nicht mehr hören! Belastbares gibt es zu dem "Problem" im Medizinerberuf und - Überraschung ! - dort bekennen sich die Frauen dazu im Schnitt ganz andere Prioritäten zu haben, als die Männer: Freizeit statt Kariere, Familie statt Einkommen. Warum soll das in den anderen Jobs überall ausgerechnet anders sein?
AufzweiNeue 30.04.2018
5. Hauptgründe sind fehlende Kinderbetreuungs- und Teilzeitmöglichkeiten?
Wer macht sich hier eigentlich lächerlich? Teilzeit-Unternehmensführer, also bitte! Man kann auch mit einem Teelöffel einen Tunnel graben, aber sowas macht man doch nur, wenn absolut keine andere Lösung zur Verfügung steht. Der dritte Grund ist der realistische, bei Eins und Zwei seid Ihr oder die Forscher auf Frauen hereingefallen, die nicht Farbe bekennen wollten. Wichtigster Gesichtspunkt allerdings: 31,5 % aller Bewerbungen auf Spitzenposten kommen von Frauen, ca. 29% dieser Spitzenposten sind von Frauen besetzt. Das ist eine Erfolgsquote von 92% und damit ganz klar Positiv-Diskriminierung (nix dran auszusetzen, ich selber habe mich noch nie auf Positionen im oberen Management beworben, also beschäftigt mich dieser Kampfbrummerhaufen auch nicht).
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