Frauen im Beruf "Die Breite unserer Schleimspur bestimmen wir selbst"

Karriere ja, aber nicht zu jedem Preis: "Das sagt kein Mann", so Coach Asgodom
Corbis

Karriere ja, aber nicht zu jedem Preis: "Das sagt kein Mann", so Coach Asgodom

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2. Teil: "Trauen Sie mir das denn zu?" - so ein Satz führt direkt in die Falle


Es braucht ein gutes Selbstbewusstsein, um weiterzukommen. Die Anerkennung kann man sich selbst verschaffen oder sie von außen holen. Nur eins ist der sichere Karrierekiller: übertriebener Perfektionismus. Wer ständig 100 Prozent Leistung bringen will, aber permanent Angst vor Fehlern hat, macht sich wahnsinnig, aber kaum Karriere. Die Lösung? Delegieren, Verantwortung abgeben, zulassen, dass ein anderer die Dinge anders angeht als man selbst. Nur wer den Kontrollzwang hinter sich lässt, ist reif für die Karriere.

Stattdessen sollen Frauen sich die Verhaltensweisen aneignen, die bei männlichen Kollegen erfolgreich sind. Der Büronachbar, der alle Projekte durchsetzen kann, sitzt ständig beim Chef im Büro? "Und warum sitzen Sie da nicht?", fragt Asgodom ihre Klientinnen. Antwort: "Ich will mich nicht anbiedern."

"Die Breite unserer Schleimspur bestimmen wir selbst", sagt der Coach. Und fragt: "Haben Sie heute schon Ihren Chef gelobt?" Man kann die Realität verachten, sich überlegen fühlen, weil man meint, in moralisch höheren Sphären zu schweben als die männlichen Kollegen - nur nützen wird es nichts. Wer aus Prinzip keine "Selbst-PR" betreibt, wie Asgodom es nennt, der sollte auf der anderen Seite nicht jammern und sich als Opfer sehen, wenn er als unentdecktes Talent in der Versenkung verschwindet.

Ein Leben im "Eigentlich-Land"

"Frauen leben im 'Eigentlich-Land'", sagt Asgodom. Eigentlich will ich auch erfolgreich sein. Eigentlich kann das nicht angehen. Eigentlich könnte alles so schön sein, wenn doch nur jemand bemerken würde, was ich hier jeden Tag leiste. Antwort: "Der einzige Mensch, den Sie ändern können, ist derjenige, den Sie heute morgen gewaschen und angezogen haben."

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Wir müssen mal reden. Über Männer und Frauen. Im Beruf treffen sie sich täglich. Weltliteratur, Lebens- und Büroerfahrung zeigen: Das kann Probleme geben. Erste Hilfe leistet, sauber nach Geschlecht getrennt, das Kommunikationsquiz -: was Frauen sagen, wie Männer es deuten und umgekehrt. mehr

In den Seminaren hört Asgodom seit Jahren den Einwand: "Ich bin halt so. Ich will mir treu bleiben, authentisch sein." Karriere ja, aber nicht zu jedem Preis. "Das hören Sie von keinem Mann", sagt Coach Asgodom.

Sie rät Frauen daher, zwischen Rolle und Person zu unterscheiden. Man muss nicht alles, was im Job Sinn macht, auch im Privatleben übernehmen. Es sind vielmehr Hilfsmittel, um in der professionellen Welt zu bestehen, die richtige Sprache zu sprechen - ohne die eigene aufgeben zu müssen.

Wenn der Vorgesetzte eine Beförderung anbietet, ist die Frage "Trauen Sie mir das denn zu?" vielleicht ehrlich, aber nicht unbedingt sinnvoll. "Die Botschaft lautet: 'Ich traue es mir nicht zu.' Das kann der Chef nicht gebrauchen", so Asgodom.

Die Lösung: ein flexibles Führungsdesign

Frauen müssen die Spielregeln lernen, wenn sie mitspielen wollen. "Und dafür müssen sie nicht selbst zum Mann werden." Wichtigste Regel: Netzwerken. Zwar sind Frauen häufig in den privaten Beziehungen für die sozialen Kontakte zuständig, laden Freunde ein, organisieren das Wochenendprogramm. Bei der Arbeit aber tun sie sich laut Asgodom extrem schwer.

Den Kollegen aus dem letzten Job anrufen? Nur, weil er mir etwas bringen könnte? "Für Frauen ist das 'iih-bäh'. Sie finden das berechnend und verwerflich. Sie müssen lernen, strategisch zu denken." Dabei seien gerade sie in privaten Beziehungen durchaus manipulativ, um ihre Ziele zu erreichen.

"Ich möchte den Frauen in den Hintern treten und sie zugleich umarmen." Es ist wieder einer ihrer Kalenderblattsätze. In den Hintern treten, weil sie seit Jahren nicht aus dem Quark kommen und sich kaum etwas bewegt. "Da wirst du bekloppt", sagt Asgodom immer wieder, wenn sie über die beruflichen Chancen von Frauen und deren Scheuklappen spricht.

"Fragen Sie erst gar nicht, ernennen Sie die Frauen einfach"

Deshalb liege die Verantwortung nicht nur beim Einzelnen, sondern auch bei der Organisation. Asgodom ist für die Quote. "Die Quote ist aber nicht mehr als eine Krücke. Sie hilft, auf die Beine zu kommen und laufen zu lernen." Anders gehe es nicht: "Die Verhinderungskräfte sind zu stark."

Zudem braucht es ein neues Führungsdesign, sagt sie. Frauen seien ein ungehobener Schatz. Das klingt gut. Es meint: Nicht nur die Frauen müssen sich an die Spielregeln anpassen, auch die Regeln müssen sich verändern - wenn die Unternehmen nicht die gut qualifizierten Frauen verlieren wollen. Denn die, so zeigt die Erfahrung, sind nicht bereit, für ihre Karriere über Leichen zu gehen. "Frauen denken sich: Wenn der Chefsessel die Luft zum Atmen nimmt, dann bleibt er eben leer." Es geht darum, Führungspositionen so zu gestalten, dass sie attraktiv sind. Die Chefs sollten fragen: "Was brauchen Sie, damit Sie die Stelle annehmen?"

Die männlichen Führungskräfte müssen lernen, sich auf die Sprache der weiblichen Mitarbeiter einzulassen. "Wenn Sie eine Frau befördern wollen, fragen Sie sie dreimal", rät Asgodom Managern. "Beim dritten Mal wird sie ja sagen." Oder noch besser: "Fragen Sie erst gar nicht, ernennen Sie die Frauen einfach."

  • Barbara Hans (Jahrgang 1981) leitet das Panorama-Ressort von SPIEGEL ONLINE. Dort erschien ihr Beitrag zuerst.
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insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
DMenakker 30.12.2011
1.
Zitat von sysopSabine Asgodom gilt als Deutschlands Selbstvermarktungsexpertin. Tausende Frauen hat sie schon gecoacht, Hunderte Firmen analysiert: Wieso machen Frauen so selten Karriere? Weshalb sind sie daran selbst schuld, und warum leben sie im "Eigentlich-Land"? Ein Beratungstermin. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,781209,00.html
Ein dreiviertel Seiten lang eine durchaus seriöse und begründete Kritik an Frauen und was diese ändern müssten, um wirklich weiterzukommen und als Lösung: Jungs, ändert ihr euch doch, und lasst uns mitspielen. Guter Ansatz, aber letztendlich Thema verfehlt. In der Schule würde es ( ist ja ein Mädel, die heult garantiert bei ner 5 ) mit beidseitig zugedrückten Augen ne 4 + geben.
jizzyb 30.12.2011
2. 3. Pro-Frau-Karriere-Artikel diese Woche
Naja, langsam wird es langweilig immer dieselbe Lamentiererei zu hören und immer wieder dieselben - richtigen - Argumente anzuführen. Aber hier noch einmal: 1. Frauen wollen seltener Karriere machen. 2. Frauen sind seltener bereit, sich durchzusetzen. 3. Frauen brauchen Hilfe in Form einer Quote (Ach nee... schon mal an Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes gedacht?). Und vor allem: 4. Das Frauen es nicht schaffen, ist die Schuld der Männer - natürlich.
sosonaja 30.12.2011
3. Wo?
"Frauen sind nett, höflich, fleißig, manchmal niedlich" - verdammt, ich suche das ganze Jahr über nach solchen Frauen, habe aber noch keine einzige gesehen. Bitte verratet mir doch, wo all diese sind, BITTE!!!!!
forumgehts? 30.12.2011
4. Eine
Zitat von sysopSabine Asgodom gilt als Deutschlands Selbstvermarktungsexpertin. Tausende Frauen hat sie schon gecoacht, Hunderte Firmen analysiert: Wieso machen Frauen so selten Karriere? Weshalb sind sie daran selbst schuld, und warum leben sie im "Eigentlich-Land"? Ein Beratungstermin. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,781209,00.html
intelligente Frau kann Sprecherin des Vorstandes werden. Eine kluge Frau kann die Frau des Vorstandssprechers werden. Die Intelligenz setzt sich ein - manchmal unerreichbares - Ziel, die Klugheit prüft Aufwand/Ertrag und holt das Beste heraus.
gummiband 30.12.2011
5.
Zitat von sysopSabine Asgodom gilt als Deutschlands Selbstvermarktungsexpertin. Tausende Frauen hat sie schon gecoacht, Hunderte Firmen analysiert: Wieso machen Frauen so selten Karriere? Weshalb sind sie daran selbst schuld, und warum leben sie im "Eigentlich-Land"? Ein Beratungstermin. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,781209,00.html
Schonmal daran gedacht, dass es auch Männer gibt und gab, die nicht die Spielregeln der Macht-Menschen mit spielen wollen und können? Für diese ändert auch niemand die Regeln. Ich habe auch Zweifel, aber niemand setzt sich für mich ein und schlagt vor, dass man mich 3 mal Fragen solle, ob ich befördert werden will. Ich setzte mich permanent kritisch mit meinem Verhalten und das der anderen auseinander und wäge ab, ob ich dieses oder jenes machen will, um im Beruf weiter zu kommen. Ich trete auch dauernd in irgendwelche Fettnäpfchen. Aber ich lerne. Ich verändere mich, wenn ich das für sinnvoll halte. Ich muss selber sehen wohin ich noch aufsteigen werde. Ich habe keine Lust auf eine 60 Stunden Woche, habe keine Lust auf Dauerstress, habe keine Lust mich trotz großer Widerstände permanent gegenüber anderen "aggressiven" Abteilungsleitern behaupten zu müssen. Wird deswegen für mich der Chef-Posten attraktiver gemacht???? Wir brauche keine netten, höflichen, fleißigen und niedlichen Manager, sondern welche die Entscheidungen treffen können und den Mum und die Fähigkeit haben diese durchzuziehen. Ich fand den Artikel auch gut, bis zu dem Punkt, als gefordert wurde, dass die Regeln geändert müssen, damit Frauen in den Chef-Etagen kommen.
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