Studie zu Aufstiegschancen Mehr Feedback hilft Frauen bei der Karriere

Frauen messen sich ungern im Job - und machen auch deshalb seltener Karriere. Forscher haben nun herausgefunden, was gegen diesen Unterschied zwischen den Geschlechtern helfen kann.

Bewerber im Wettbewerb (Symbolbild)
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Bewerber im Wettbewerb (Symbolbild)

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    Alexandra Baier, 26, gehört zu einem Forscherteam an der Universität Innsbruck, das ein Experiment mit 360 Studenten und Studentinnen aus verschiedenen Fachbereichen durchgeführt hat. Die Wirtschaftswissenschaftler wollten herausfinden, was Frauen dazu bringen könnte, häufiger in den Wettbewerb einzutreten. Die Studie wurde von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.

SPIEGEL ONLINE: Sie sagen, dass Frauen weniger wettbewerbsfreudig seien als Männer. Wie kommen Sie darauf?

Baier: Unsere Probanden mussten in mehreren Runden Aufgaben lösen. Sie sollten drei Minuten lang Zahlen addieren oder Wörter aus Buchstaben bilden. Sie konnten selbst wählen, ob sie lieber 50 Cent für jede richtige Lösung bekommen wollten, oder ob sie gegen fünf andere Probanden antreten wollten. Die beiden besten erhielten je korrekt gelöster Aufgabe 1,50 Euro, die anderen vier gingen leer aus. Mehr als jeder zweite Mann entscheid sich für die Turniervariante - aber nur jede vierte Frau.

SPIEGEL ONLINE: Woran liegt das?

Baier: Männer neigen eher zu übersteigertem Selbstbewusstsein. So rechneten unsere männlichen Teilnehmer vor den Versuchen öfter damit, zu den Turniersiegern zu gehören. Frauen unterschätzen ihre Fähigkeiten hingegen häufiger und schrecken vor Wettbewerbssituationen zurück. Das bräuchten sie jedoch nicht. Zwischen den Leistungen der männlichen und weiblichen Teilnehmer gab es in unseren Tests keine Unterschiede.

SPIEGEL ONLINE: Wie können Frauen dazu ermuntert werden, sich dem Wettbewerb zu stellen?

Baier: Man sollte ihnen klarmachen, wo sie stehen. Ein Drittel unserer Probanden bekam nach der ersten Runde nur Feedback zu den eigenen Leistungen. Ein weiteres Drittel erfuhr, wie die anderen - anonymisierten - Gruppenmitglieder abgeschnitten hatten. Das verbliebene Drittel kannte zudem noch das Geschlecht der Konkurrenten. Danach sollten alle entscheiden, ob sie erneut gegen Wettbewerber antreten oder lieber 50 Cent für jede richtige Aufgabe kassieren wollten. In den letzten beiden Gruppen entschieden sich deutlich mehr Frauen für das Turnier, nämlich etwa 37 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Und die Männer?

Baier: Sie konnten sich selbst besser einschätzen, wenn sie Feedback über das Geschlecht der Konkurrenten bekamen. Danach wählten sie die Turniervariante deutlich seltener - und zwar etwa genauso oft wie die weiblichen Teilnehmer.

SPIEGEL ONLINE: Im Arbeitsleben schafft es aber doch vor allem Neid und Missgunst, wenn Chefs ihre Mitarbeiter offen untereinander vergleichen.

Baier: Das ist natürlich schwierig, auch wegen des Datenschutzes und vor allem, wenn in höheren Führungsebenen nur noch wenige Bewerber gegeneinander konkurrieren. Es geht jedoch allgemein nicht darum, Kollegen gegeneinander auszuspielen oder als Chef seinen weiblichen Mitarbeitern zu sagen, dass auch sie fähig sind. Es geht um neutrale Information für alle. Man könnte zum Beispiel im Auswahlverfahren offenlegen, wie viel Berufserfahrung und welchen Bildungsabschluss die Berufseinsteiger eines Unternehmens durchschnittlich haben. Oder man könnte transparent machen, wie viel andere Mitarbeiter verdienen, so wie es das Lohntransparenzgesetz fördern soll.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist es so wichtig, dass Frauen in Wettkämpfe eintreten?

Baier: Sobald man sich auf eine Stelle bewirbt oder über ein höheres Gehalt oder eine Beförderung verhandelt, gerät man in eine Wettbewerbssituation. Dafür braucht man Mut und Selbstvertrauen. 2017 wurden nicht einmal fünf Prozent der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt von einer Frau geführt. Die Politik versucht über Quoten, daran etwas zu ändern. Doch unser Experiment hat gezeigt, dass man Frauen auch fördern kann, wenn man sie besser darüber informiert, wo sie stehen und was von ihnen erwartet wird.

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 15.03.2018
1. Es gibt also mindestens einen Unterschied
und zwar einen sehr gravierenden, aber man möchte mir jeden Tag einreden, dass es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt? Wie sieht das aus, wenn Manager mit anderen Firmen verhandeln müssen, gibt es dann einen Unterschied in der Qualität der Abschlüsse zwischen Männern und Frauen? Warum müssen Frauen eigentlich immer gefördert werden und Männer nicht? Wer trägt nun die Schuld daran, dass Frauen sich weniger zutrauen? Ich höre schon Frau Stokowski, welche die Schuld mal wieder bei anderen Männern sucht und nicht etwa in der Biologie.
skylarkin 15.03.2018
2.
Einerseits werden Unterschiede im Erfolg und in der Bezahlung im Beruf, sowie der Berufswahl der Diskriminierung zugeschrieben und nicht geschlechtsspezifischen Eigenschaften und Interessen andererseits werden hier gerade 'typisch' weibliche also geschlechtsspezifische Unterschiede als Ursachen für Unterschiede gesehen. Es ist, gelinde gesagt, irrlitierend wie häufig gegensätzlich argumentiert wird um Benachteiligungen zu begründen.
m82arcel 15.03.2018
3.
Der entscheidende Satz ist dieser: "Es geht um neutrale Information für alle." Würde man solche Themen nicht immer darauf reduzieren, dass damit Frauen geholfen werden soll, wäre die Unterstützung und Akzeptanz viel größer. Der Versuch hat ja gezeigt, dass eben auch fast die Hälfte der Männer das Risiko scheut. Entsprechende Artikel klingen in den letzten Jahren jedoch häufig danach, als würde man als Mann automatisch zum Manager. Da fragt sich natürlich jeder Mann, der sich auf unteren Gehaltsebenen befindet, warum rein nach Geschlecht gefördert werden soll.
freiheitimherzen 15.03.2018
4. Soso ...
... und Frauen werden ungerecht behandelt. Sieht eher so aus als versuchten Feministinnen sich einen ungerechtfertigten Vorteil zu verschaffen. Bei Bewerbungen mag es ja möglich sein Transparenz herzustellen. Wenn man im Arbeitsleben Entscheidungen treffen muß, ist das oft genug nicht möglich. Und die „Strategie Hasenfuߓ hilft da auch nicht weiter. Außerdem sagt es überhaupt nichts darüber aus, ob die Frauen dadurch glücklicher werden. Ich behaupte weiterhin, daß der Großteil der Menschen glücklicher ist, wenn sie archetypischen Mustern folgen. Und da gehen Männer immer noch lieber auf die Jagd und Frauen kümmern sich lieber um die Feuerstelle. Die Wahrscheinlichkeit damit glücklich zu werden ist wesentlich höher als bei einer umgekehrten Rollenverteilung. Notabene: Wenn eine Frau Karriere machen WILL, dann soll sie das bitte gerne machen. Da spricht nichts dagegen. Nur mit dem Zwang dazu von Seiten linker Träumer sollte wir endlich aufräumen. Viele Grüße
egghead7 15.03.2018
5.
Zitat von m82arcelDer entscheidende Satz ist dieser: "Es geht um neutrale Information für alle." Würde man solche Themen nicht immer darauf reduzieren, dass damit Frauen geholfen werden soll, wäre die Unterstützung und Akzeptanz viel größer. Der Versuch hat ja gezeigt, dass eben auch fast die Hälfte der Männer das Risiko scheut. Entsprechende Artikel klingen in den letzten Jahren jedoch häufig danach, als würde man als Mann automatisch zum Manager. Da fragt sich natürlich jeder Mann, der sich auf unteren Gehaltsebenen befindet, warum rein nach Geschlecht gefördert werden soll.
Finde Ihren Beitrag hilfreich und konstruktiv (was hier in diesen Foren selten genug der Fall ist).Insgesamt macht eine weniger auf Konkurrenz und Kampf ausgerichtete Arbeitswelt Sinn (und natürlich nicht nur da!) - unterm Strich werden dadurch meiner Beobachtung nach zu viele gute Leute sowie deren wirklich gute Arbeitsbeiträge und Ideen untergebuttert. Zusammenarbeit um der Sache willen - und das braucht Offenheit, Transparenz, Respekt - bringt eine Firma (und natürlich auch eine Gesellschaft) voran. Machtkämpfe und Intrigen, und das sich-konzentrieren auf den eigenen Vorteil wirken sich unglaublich zerstörerisch aus auf den Output und die Kreativität einer Firma, und gerade auch auf die Motivation der guten, aber weniger egoistischen Mitarbeiter aus (meist besteht da ein direkter Zusammenhang, denn wenn man sich für die Sache begeistert, wenn man gute Arbeit leistet, ist man i.d.R. weniger aggressiv oder schleimerisch, auf den persönlichen Vorteil bedacht, unterwegs).
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