Frauen in Führungsjobs Aufsichtsräte top, Vorstände Flop

In Aufsichtsräten sieht es mit der Gleichberechtigung von Frauen deutlich besser aus als in Vorständen. Das liegt an der gesetzlichen Quote, sagt die Regierung - und kündigt an, nach der Wahl nachlegen zu wollen.

Männliche und ein weibliches Vorstandsmitglied auf einer Hauptversammlung (Symbolbild)
DPA

Männliche und ein weibliches Vorstandsmitglied auf einer Hauptversammlung (Symbolbild)


Rund zwei Jahre ist es her, dass die Regierung eine gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte einführte und Firmen zudem ermahnte, ihren Frauenanteil auch in anderen Führungsjobs zu erhöhen. Nun haben das Familien- und Justizministerium - wieder einmal - Bilanz gezogen.

Der Frauenanteil sei in Führungspositionen leicht gestiegen, heißt es in dem gemeinsamen Bericht, der am Mittwoch das Bundeskabinett passierte. Danach stieg der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten der betroffenen Unternehmen von 25 auf 27,3 Prozent. In den Vorstandsetagen bestehe allerdings noch "deutlicher Verbesserungsbedarf".

Das lange umstrittene Gesetz war im Mai 2015 in Kraft getreten. Es verpflichtet rund 100 börsennotierte, mitbestimmungspflichtige Großunternehmen seit Anfang 2016 zu einer festen Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten.

Für die wichtigeren Vorstandsposten gibt es allerdings keine Quote - und der Frauenanteil in den Vorständen liegt gerade einmal bei 6,1 Prozent. Die frühere Familienministerin Manuela Schwesig hatte deswegen bereits im März damit gedroht, auch eine Quote für Vorstände einzuführen.

Die amtierende Familienministerin Katarina Barley wiederholte nun die Pläne. Sie gebe der Wirtschaft "noch ein Jahr Zeit, die Sache selbst zu regeln", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Sonst werde ihr Haus gesetzgeberisch eingreifen.

"Ich hätte kein Problem mit einer verpflichtenden Frauenquote auch für Unternehmensvorstände", sagte Barley. "Wir konnten jahrzehntelang beobachten, dass Selbstverpflichtungen nicht funktionieren."

Allerdings ist unklar, ob die SPD-Politikerin in einer neuen Regierung nach der Bundestagswahl noch für das Familienressort zuständig sein wird.

lov/dpa

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