Ranking der größten deutschen Unternehmen In diesen Unternehmen gibt es fast (keine) Geschlechtergerechtigkeit

Noch 40 Jahre bis zur Gleichstellung: Der Frauenanteil in deutschen Führungsetagen ändert sich nur sehr langsam. Doch die Unterschiede unter den börsennotierten Unternehmen sind groß, wie die Tops und Flops zeigen.

DPA

In den Führungsgremien von deutschen Unternehmen haben vor allem Männer das Sagen - immer noch: Nur jedes 14. Vorstandsmitglied ist weiblich. Das geht aus einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) und der Technischen Universität München hervor.

Die Macherinnen haben für die Studie unter den hundert nach Börsenwert größten Unternehmen zudem untersucht, wie viele Frauen in den Aufsichtsräten sitzen. Hier ist der Anteil deutlich höher, jeder dritte Platz ist mittlerweile von einer Frau besetzt. "Die Frauenquote in Aufsichtsräten zeigt Wirkung", sagt Studienautorin Nicole Voigt.

Zwar sind die Werte etwas höher als im Vorjahr, der Anteil der Frauen in Führungspositionen verbessere sich aber nur langsam, sagt Rocío Lorenzo, eine der Autorinnen von BCG. "Bei gleichbleibender Geschwindigkeit dauert es noch beinahe neun Jahre bis zu einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis in deutschen Aufsichtsräten, in Vorständen sogar vier Jahrzehnte."

Zu ähnlichen Ergebnissen ist zuletzt die AllBright-Stiftung gekommen. Demnach haben Deutsche Dax-Unternehmen so wenige weibliche Vorstände wie kaum ein anderes Industrieland.

Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Die Studie wurde von der internationale Managementberatung Boston Consulting Group (BCG) finanziert und in Kooperation mit der Technische Universität München (TUM) durchgeführt. Die komplette Studie soll erst im März publiziert werden. Auszüge aus der Studie liegen dem SPIEGEL unter dem Titel "Diversity Champions: BCG Gender Diversity Index 2018" bereits vor.
Wie wurden die Daten erhoben?
Für die Untersuchung wurden die Unternehmen berücksichtigt, die zum Stichtag 30. Juni 2018 in einem der wichtigsten Indizes (DAX, MDAX, SDAX, TecDAX) gelistet wurden und die benötigten Daten zur Berechnung des Indexes veröffentlichen. Der entwickelte Index setzt sich zusammen aus dem Anteil an Männern und Frauen in Vorstand und Aufsichtsrat des jeweiligen Unternehmens zum Stichtag, sowie der Verteilung der Vergütung in den beiden Gremien nach Ausweis des letzten vollständigen Jahresberichts. Diese vier Faktoren gehen jeweils zu einem Viertel in die Gesamtwertung ein.
Was war das Ziel der Untersuchung?
Mit der Studie sollte die Verteilung der Geschlechter in Vorstand und Aufsichtsrat der untersuchten Unternehmen sowie die Vergütung der Mitglieder in beiden Gremien dargestellt werden.

In der aktuellen Studie wurden zudem die Gehälter der Aufsichtsräte und Vorstandsvorsitzenden erhoben und mit denen der weiblichen Mitglieder verglichen. Auch hier zeigt sich ein Ungleichgewicht. In beiden Gremien erhalten Frauen nur rund 80 Prozent des Männergehalts.

Anhand der Ergebnisse der vier Werte - Frauenanteil in Vorstand und Aufsichtsrat sowie der jeweiligen Bezahlung - haben die Studienautorinnen die untersuchten Unternehmen in eine Rangliste gebracht.

Ranking zu Gleichberechtigung in Führungsgremien

Diese Unternehmen schneiden am besten bzw. am schlechtesten ab

Platz 2018 Unternehmen Platz 2017 Index 2018
1 AarealBank AG 5 80,44
2 Telefonica Deutschland Holding - 79,47
3 Grenke AG 4 75,08
4 Henkel AG & Co. KGaA 1 74,43
5 KWS Saat SE 6 74,00
6 Evonik Industries AG 3 73,91
7 Deutsche Lufthansa AG 10 72,31
8 Merck KGaA 8 72,25
9 Deutsche Börse AG 9 69,71
10 Fraport AG 18 69,09
11 Deutsche Telekom AG 13 67,65
12 Fuchs Petrolub SE 16 66,83
13 Deutsche Bank AG 12 65,97
14 Hamburger Hafen und Logistik AG 2 65,52
15 Siemens AG 15 64,75
16 Munich Re 14 64,61
17 BMW AG 17 64,16
18 Allianz SE 19 64,03
19 ProSiebenSat.1 Media SE 28 61,26
20 BASF SE 21 60,05
81 E.ON SE 80 32,00
82 Thyssenkrupp AG 68 31,92
83 Xing SE - 31,48
84 Aixtron SE - 31,22
85 Rheinmetall AG 74 31,19
86 Uniper SE - 30,60
87 Krones AG 47 30,25
88 Lanxess AG 79 30,14
89 Cancom SE - 29,89
90 Zalando SE - 28,76
91 LEG Immobilien AG 87 28,58
92 Takkt AG 90 27,50
93 Software AG 89 26,05
94 Pfeiffer Vacuum Technology AG - 20,83
95 Ströer SE & Co. KGaA 94 18,36
96 TLG Immobilien AG - 13,29
97 Deutsche Wohnen AG 98 8,33
98 Delivery Hero AG - 0
98 Nemetschek SE 98 0
98 United Internet AG 98 0

Quelle: BCG Gender Diversity Index 2018;
Je höher der Wert, desto geringer ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern

Je höher der Wert, den ein Unternehmen erhält, umso geringer ist der jeweilige Unterschied zwischen den Geschlechtern. 100 Punkte besagen demnach, dass Gleichberechtigung erreicht ist. Null Punkte gibt es hingegen, wenn Vorstand und Aufsichtsrat nur von einem Geschlecht besetzt sind.

"Einige Unternehmen verzeichnen große Fortschritte, wenn es um die Vielfalt in Vorständen und Aufsichtsräten geht", sagt Mitautorin Rocío Lorenzo - die volle Punktzahl erreicht aber keines der untersuchten Unternehmen. Auch ist die Ranking-Spitze dünn: Nur acht von 100 Unternehmen erreichen mehr als 70 Punkte.

Die Tabelle wird vom Kreditinstitut Aareal Bank mit 80 Punkten angeführt, gefolgt vom Mobilfunkanbieter Telefónica und dem Finanzdienstleister Grenke. Sie sind jeweils nicht im Deutschen Aktienindex vertreten. Erst auf Platz vier findet sich mit dem Konsumgüterhersteller Henkel ein DAX-Konzern.

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Unternehmensranking: Die Top 5 und Flop 5

Am Tabellenende stehen mit jeweils null Punkten die Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen AG, der Lieferdienst Delivery Hero AG, die Softwareingenieure von Nemetschek SE sowie der Internetprovider United Internet AG.

Die Schlusslichter zeigen, dass Geschlechtergerechtigkeit nichts mit dem Alter des Unternehmens zu tun hat, schreiben die Autorinnen: "Die Behauptung, dass gerade junge Unternehmen in Sachen Diversität besonders aufgeschlossen und fortschrittlich sind, lässt sich nicht verifizieren."

sun

insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
Alias iacta sunt 21.12.2018
1. In die hier beanstandeten Positionen kommen nur Superellbogen,
Höchstleistungsffähige und Leute , deren Eltern extrem gute Beziehungen zu den Entscheidern haben. Da ist es egal. ob jemand Frau , Mann oder d ist. Schauen wir mal die Mädchennachnamen der hochpositionierten Vorstände genauer an.
RalfHenrichs 21.12.2018
2. Wen interessiert das?
Selbst bei Befolgung profitiert davon nur ein oder zwei Frauen pro Unternehmen.Relevant wäre das erst, wenn man wirklich glaubt, dass Frauen in Führungspositionen eine bessere Unternehmenspolitik oder Geschlechterpolitik durchsetzen würden. Aber das ist Quatsch. Da kommt es auf die Person und nicht auf das Geschlecht an.
freizeitverkaeufer 21.12.2018
3. Tja, wenn die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel steht...
...dann schleimt man sich bei den Frauen ein. Das gilt für Regierungen offenbar genauso wie für Nachrichtenmagazine......
radioactiveman80 21.12.2018
4. Interessanterweise...
...wird nur für die klimatisierten Führungsetagen nach sog. Gerechtigkeit geschrien. Bislang waren 100% aller in Afghanistan gefallenen Bundeswehrsoldaten männlich. Habe auch noch nie von verstorbenen Tunnelbaufachfrauen gehört. Auch und gerade Führungsetagen sollten mit geeigneten Personen besetzt werden. Es gilt die Eignung und nur die Eignung, nicht das Geschlecht. Wer’s drauf hat ist drin, wer’s nicht draufhat ist raus. DAS ist Gerechtigkeit. Die smarten Mädels schaffen das auch ohne Quotengeschrei, das ist nur was für VerliererInnen.
gtx4100 21.12.2018
5. Gleichheitsfeindlicher Artikel
Was hat den ein xy Anteil von Frauen mit Gelechtergerechtigkeit zu tun? Nichts! Da gibt es Berufe, da gibt es fast keine Frauen, wenn da 50% in Führung wäre, dann würden Frauen total bevorteilt. Da wollen einfach ein paar faule Frauen per Quote Karriere machen... Widerlich! Gleichheitsfeindlich!
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