Kommunalunternehmen Frauen besetzen nur knapp jeden fünften Chefposten

In den Vorständen deutscher Dax-Konzerne sitzen nur wenige Frauen. Kaum besser sieht es in Stadtwerken, Krankenhäusern und anderen kommunalen Firmen aus - mit einigen wenigen Ausnahmen.

Frauen besetzen in Krankenhäusern selten Chefposten (Symbolbild)
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Frauen besetzen in Krankenhäusern selten Chefposten (Symbolbild)


Frauen besetzen in kommunalen Unternehmen größerer deutscher Städte häufiger Top-Positionen als in börsennotierten Firmen. Das hat eine Untersuchung der Zeppelin Universität Friedrichshafen ergeben.

Demnach liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte zum Beispiel in kommunalen Krankenhäusern oder Stadtwerken im Schnitt bei 18 Prozent. Zum Vergleich: Bei 160 börsennotierten Firmen sind nach einer Studie des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY im Schnitt 7,8 Prozent aller Posten in der Chefetage mit Managerinnen besetzt.

Zwischen den einzelnen Kommunen gibt es allerdings große Unterschiede. "Einige Städte liefern positive Beispiele und bekommen es hin, andere nicht. Das hängt auch stark vom politischen Willen und der Tatkraft der Stadtspitze ab", sagte Studienleiter Ulf Papenfuß.

Sein Team wertete 1529 öffentliche Unternehmen in 69 Städten aus. Berücksichtigt wurden alle Unternehmen mit einem unmittelbaren oder mittelbaren Beteiligungsanteil der Stadt von mindestens 50 Prozent. Die Daten wurden im April und Mai erhoben.

Die Forscher verglichen Stadtstaaten, Landeshauptstädte und die vier größten Kommunen je Bundesland. Allerdings sitzen in manchen Städte einzelne Managerinnen in mehreren Führungsgremien. In einigen Kommunen sind zudem deutlich weniger Top-Posten zu besetzen als in anderen.

Insgesamt gibt es laut Studie ein deutliches Gefälle zwischen Ost und West. Die östlichen Bundesländer (ohne Berlin) kommen zusammengerechnet auf einen Frauenanteil von 22,5 Prozent im Vorstand, der Geschäftsleitung oder Geschäftsführung kommunaler Unternehmen. In den westlichen Bundesländern ohne die Stadtstaaten Hamburg und Bremen sind es 13,5 Prozent.

"Eine Rolle dürften die unterschiedlichen Erwerbsbiografien spielen. Ebenso die Vereinbarkeit von Beruf und Familie", sagte Papenfuß.

Besonders häufig sind Top-Managerinnen in den Bereichen Kultur, Gesundheit und Soziales sowie in Krankenhäusern zu finden. Deutlich geringer ist ihr Anteil zum Beispiel bei Stadtwerken oder im Bereich Verkehr, öffentlicher Personennahverkehr und Transport.

"Insgesamt zeigen die Zahlen, dass etwas getan werden muss, wenn man das politische Ziel ernst nimmt, Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern", sagte Papenfuß. Er schlägt unter anderem vor, kommunale Unternehmen zu verpflichten, im jährlichen Lagebericht über den Anteil von Frauen auf verschiedenen Führungsebenen zu informieren - und Zielgrößen zu benennen.

lov/dpa

insgesamt 39 Beiträge
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HeinzOtto 13.07.2018
1. Drama drama drama
In Schulen und Kindergärten ist es anders herum. Frauen und Männer sind nun mal verschieden. Es gibt heute genügend Möglichkeiten fehlende Gleichberechtigung anzuzeigen, also kann ich mir nicht vorstellen, dass Frauen immer noch bewusst ausgesperrt werden. Bei komplett gleicher Qualifikation soll halt gelost werden. Alles andere wäre eine Bevorzugung eines Geschlechts, egal welches.
mucschwabe 13.07.2018
2.
Nach meiner Wahrnehmung wollen viele Frauen gar nicht Karriere machen bzw. dann die Kindererziehung dem Mann überlassen. Wäre ja die logische Folge. Die Frau wird GF und der Mann arbeitet halbtags und kümmert sich um die Kinder. Ich kenne keine einzige Familie, bei der das so ist. Viele Frauen würden niemals die Kinder den Männern überlassen und viele wollen verständlicherweise den Knochenjob als Geschäftsführer auch gar nicht. Das bedeutet nämlich auch Stress und viel Arbeit. Wenn eine Frau es wirklich will, dann schafft sie es auch ohne Quote. Wie gesagt, das ist meine Wahrnehmung.
Pixopax 13.07.2018
3. Was das immer soll?
Immer wieder kommen diese Meldungen. Was soll das? Jeder weiß, dass Frau und Mann nicht gleich sind, sondern zuweilen höchst unterschiedlich veranlagt sind. Es sind nun mal weniger Frauen gewillt einen solchen Posten anzustreben als Männer. Der Job "da oben" ist nicht leicht, ich kenne Leute die im oberen Management arbeiten, man hat keine Freizeit mehr, ist viel unterwegs, selten zuhause. Das mit Quoten regeln zu wollen führt nur dazu, dass nicht die Besten den Job bekommen.
Le Commissaire 13.07.2018
4.
Wie viele Frauen wollen den überhaupt entsprechende Chefposten besetzen? In meinem Umfeld hält sich das Streben nach Jobs im Topmanagement extrem in Grenzen. Dafür wird ausgiebig Elternzeit genommen, gerne auch mal drei Jahre. Es ist halt eine Frage der Prioritäten. Das fängt schon bei der Studienwahl an, mit Romanistik sind die Chancen, in einem DAX-Vorstand zu landen, eben nicht so gut wie mit Maschinenbau.
passiflore 13.07.2018
5. Es gibt oft gar keine Frauen
Ich verstehe nicht, wieso man Frauenanteile an Stellen erzwingen will, wo schlichtweg keine Frauen vorhanden sind. Gerade sind in unserer Region die Absolventen diverser Schulen verabschiedet worden. An den Berufsbildungszentren gibt es drei Zweige: Kaufmännisch, Technisch, Soziales. Hier mal die Resultate: Kaufmännisch: 18 Mädchen, 12 Jungen, Soziales: 20 Mädchen, 5 Jungen, Technik: 20 Jungen, kein Mädchen. So, und wer soll sich dann wohl bei den Stadtwerken für die Energieversorgung und die Müllverbrennung interessieren? Die Mädchen aus dem Sozialzweig??? Meine Güte, warum sehen diese ganzen Ideologen nicht mal ein, dass Mädchen einfach lieber Haare schneiden als Hinterachsen zusammenzukloppen. Und daran sind keine "gesellschaftlichen Strukturen" schuld. Die Mädchen wollen es einfach nicht. Beim Girls' Day kann man in den Werken der Industrieunternehmen auf die Mädchen einquatschen wie man will, es interessiert sie einfach nicht - so die Erfahrung der Ausbilder, die sich redlich Mühe geben. Natürlich gibt es Ausnahmen, etwa Mädchen, die auf dem Bauernhof schon mal am Traktor geschraubt haben oder sich mit den großen Brüdern für Autos interessieren. Alles, was bei dieser krampfhaften Suche herauskommt, ist, dass zwanghaft eine Frau eingestellt wird, die am Ende keine Ahnung hat. Lasst es doch einfach so, wie es ist. Jede/r soll das machen, was ihm /ihr liegt. Immer diese Zwangsbeglückungen, das ist grauenhaft.
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