Wahlversprechen Die Mär von der Frauenförderung

Selten waren sich Politiker vor einer Bundestagswahl so einig: Frauen und Familien gehören gefördert. Aber meinen sie es auch ernst? Die vergangenen vier Jahre lassen daran zweifeln.

Ausgebremst von der gläsernen Decke?
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Ausgebremst von der gläsernen Decke?

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Wo steht Deutschland: bei der Integration von Flüchtlingen, dem Umweltschutz, der sozialen Gerechtigkeit? Wir wollen es herausfinden - und berichten in sieben Themenwochen über Deutschland im Wahljahr 2017.
Einen Überblick finden Sie hier.

Familienpolitik ist eines der populärsten Themen im Wahlkampf. Mittlerweile versprechen alle großen Parteien, die Nachteile von Frauen auf dem Arbeitsmarkt anzugehen. Klar, schließlich geht es um Millionen potenzielle Wählerstimmen. Aber wo stehen Frauen eigentlich in der deutschen Arbeitswelt?

"Gerade Frauen sind oft in Teilzeit beschäftigt, obwohl sie gerne in größerem Umfang arbeiten würden. Wir wollen Frauen und Männern nach einer Erziehungs- oder Pflegephase die Rückkehr in Vollzeit mithilfe eines Rechtsanspruchs ermöglichen." So steht es im Wahlprogramm der CDU/CSU - aus dem Jahr 2013.

Auch die SPD war damals in den Wahlkampf gezogen mit dem Versprechen: "Wir werden den Rechtsanspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit um ein Rückkehrrecht zur alten Arbeitszeit ergänzen."

Ein entsprechendes Gesetz gibt es bis heute nicht.

Union und SPD konnten sich nicht einigen, ab welcher Betriebsgröße der Anspruch gelten soll. Ende Mai hieß es dann von Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU), dass sich das Kabinett vor der Bundestagswahl nicht mehr mit der Vorlage von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) befassen werde. Und so versprechen jetzt beide Parteien einfach erneut in ihren Wahlprogrammen, Arbeitnehmern die Rückkehr von Teilzeit auf Vollzeit zu ermöglichen.

Zum Klassiker hat es auch der Satz geschafft: "Wir wollen, dass Männer und Frauen gleiches Geld für gleiche Arbeit bekommen." Konnte man 2013 in den Wahlprogrammen von Union und SPD lesen, steht jetzt wieder drin.

Ist das Land in den vergangenen vier Jahren in Sachen Frauen- und Familienförderung überhaupt weitergekommen? Die Große Koalition verweist in diesem Zusammenhang vor allem auf zwei Neuerungen:

1. Die Frauenquote. Sie gilt seit dem 1. Januar 2016 - allerdings nur für die Aufsichtsräte von 108 Unternehmen. Diese erfüllen die Quote von 30 Prozent mittlerweile. Auf Vorstandsebene beträgt der Frauenanteil in den Firmen aber weiterhin nur sechs Prozent. Und bei der Zielgröße für einen Frauenanteil in Vorstand und Führungsebene, die die Firmen selbst festlegen müssen, gaben 70 Prozent der Unternehmen an: "null Frauen".

2. Das Entgelttransparenzgesetz. Beschäftigte haben seit dem 6. Juli 2017 ein Recht zu erfahren, wie Kollegen mit ähnlichen Tätigkeiten bezahlt werden. Davon sollen vor allem Frauen profitieren. Doch das neue Gesetz gilt nur für Betriebe mit mindestens 200 Angestellten, in denen mindestens sechs Menschen des jeweils anderen Geschlechts einen ähnlichen Job haben wie der Antragsteller. Und das trifft nur auf weniger als die Hälfte aller berufstätigen Frauen zu. Und selbst die, die tatsächlich einen Auskunftsanspruch haben, erfahren höchstens das Durchschnittsgehalt aller Kollegen mit vergleichbarer Tätigkeit. Daraus dann eine Diskriminierung abzuleiten, die vor Gericht eingeklagt werden kann, dürfte schwierig werden. Der Begriff "Papiertiger" ist also für dieses Gesetz ziemlich passend.

Manuela Schwesig (SPD) muss man zugute halten, dass sie als Familienministerin viele Themen in die Öffentlichkeit gebracht hat, über die bis dahin kaum jemand hatte reden wollen. Aber praktische Auswirkungen auf die Arbeitswelt hatte das bisher wenig:

  • In den Führungsetagen großer Konzerne dominieren weiterhin Männer

Trotz Frauenquote steigt die Zahl der Top-Managerinnen nur langsam. In den 200 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands sind lediglich acht Prozent der Vorstände weiblich, in den Aufsichtsräten liegt der Frauenanteil immerhin bei knapp 23 Prozent. Wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher, wird es laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung noch mehr als 60 Jahre dauern, bis in den Vorständen der Top-200-Unternehmen gleich viele Männer und Frauen sitzen - und 18 Jahre, bis das Geschlechterverhältnis in den Aufsichtsräten ausgeglichen ist.

  • Frauen tragen so wenig zum Haushaltseinkommen bei wie in keinem anderen OECD-Land

In den vergangenen 15 Jahren ist die Zahl erwerbstätiger Frauen in Deutschland kontinuierlich gestiegen. Trotzdem wird in deutschen Familien im Schnitt mehr als 75 Prozent des Einkommens von Männern erwirtschaftet. Das liegt zum einen daran, dass fast vier von zehn erwerbstätigen Frauen in Teilzeit arbeiten. Betrachtet man nur erwerbstätige Frauen mit Kindern, verdient sogar über die Hälfte ihr Geld in Teilzeit - vielfach nicht freiwillig, sondern weil starre Öffnungszeiten von Schulen und Kitas sie dazu zwingen. Mittlerweile spricht sich sogar die Union für eine Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern aus. Derzeit ist die Nachmittagsbetreuung für Kinder allerdings so mangelhaft, dass sie für viele Eltern gar keine Alternative ist.

Aber auch Frauen, die Vollzeit arbeiten, verdienen deutlich weniger als vollzeitbeschäftigte Männer - zum Beispiel, weil sie Jobs haben, die per se schlechter bezahlt werden oder weil sie keine Führungsverantwortung tragen. Aber selbst bei gleicher Qualifikation und vergleichbarer Tätigkeit verdienen Frauen sechs Prozent weniger als Männer.

  • Frauen leisten bei der Betreuung von kleinen Kindern doppelt so viel wie Männer

Putzen, kochen, Kinder ins Bett bringen oder Angehörige pflegen - im Fachjargon wird dies "unbezahlte Sorgearbeit" genannt. Und laut Gleichstellungsbericht der Bundesregierung verbringen Frauen damit jeden Tag 1,5 Stunden mehr als Männer. Die unbezahlte Mehrarbeit rächt sich für Frauen im Alter: Sie erhalten deutlich weniger Rente.

Die Berliner Soziologin Michaela Kreyenfeld von der Hertie School of Governance bewertet die Familienpolitik der vergangenen Jahre trotzdem positiv: "In den Achtziger- und Neunzigerjahren ist in Deutschland bei der Kinderbetreuung gar nichts passiert, jetzt wird die Situation mit jedem Jahr ein bisschen besser." Das Gesetz über Elterngeld und Elternzeit aus dem Jahr 2007 habe schon viel zum Guten verändert, "nun muss man vor allem bei den Männern ansetzen". Dass Elternzeit für Männer von vielen sofort als "Wickelvolontariat" verschrien wurde, darauf könne die Politik wenig Einfluss nehmen. "Es sind sehr dicke Bretter, die da gebohrt werden müssen."

Frauenförderung als Business Case

Ähnlich sieht es auch Wirtschaftsforscherin Christiane Funken. "Kultureller Wandel kann nur schwer mit Vorgaben vorangetrieben werden", sagt sie. In deutschen Firmen habe sich im Laufe der Zeit eine eigene, männerdominierte Kultur gebildet, die "nicht nur stabil, sondern regelrecht verkrustet" sei. Diese Kruste könne nur durch einen grundlegenden Wandel innerhalb der Unternehmen selbst aufgebrochen werden. Die Chancen dafür stünden aber nicht schlecht: Schließlich haben Studien gezeigt, dass es sich für Firmen wirtschaftlich lohnt, Frauen zu fördern.

"Die adäquate Anstellung von Frauen ist im Grunde ein Business Case", sagt Funken. In Zeiten von Digitalisierung und Fachkräftemangel könnten es sich viele Unternehmen gar nicht mehr leisten, auf den Input von Frauen zu verzichten.

Also erledigt sich das Problem von ganz allein, ohne Zutun der Politiker? Ganz so einfach sei es dann doch nicht, sagt Funken. "Niemand gibt gern Macht ab." Um den Wandel bis in die Entscheidungszentren zu bringen, müsse die Politik die Wirtschaft mehr fordern, mehr Druck machen. Die Frauenquote und das Entgelttransparenzgesetz seien Schritte in die richtige Richtung, aber "Gesetze nützen nicht, wenn es kein Controlling gibt". Mit anderen Worten: Sanktionen müssen her.

Die Studien, die Funken zum Thema Frauenförderung geleitet hat, zeigen aber auch: "Bei den Lebens- und Berufsentwürfen junger Menschen gibt es kaum noch Unterschiede mehr zwischen den Geschlechtern."

Männer und Frauen wollen einen sinnstiftenden Job, in dem sie sich wertgeschätzt fühlen - und der ihnen genug Freiraum lässt, ihre Kinder aufwachsen zu sehen. Das bedeutet: "Männer wollen weniger arbeiten, Frauen mehr." Jetzt muss man sie nur noch lassen.

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clint east wood 28.08.2017
1. Wenn Männer über gleiche Chancen, Gleichberechtigung, Ungleichheit der
... Geschlechter schreiben, dann geht das -..... nicht nur bei Frauen .... direkt in die Schublade: Gruppenlobbyismus, wenn nicht sogar Chauvinismus. Wenn Frauen darüber schreiben (und die weitweitweit überwiegende Mehrheit der Schreibenden sind Schreiberinnen - dann ist die Wahrnehmung anders: Das wird wohlwollender zur Kenntnis genommen, als ginge es noch um den Kampf für die Rechte einer armen unterdrückten Gruppe. Jede Gleichstellungsbeauftrage (und sie heißen tatsächlich Gleichstellungsbeauftrage), die mal darauf aufmerksam macht, das Frauen auch Privilegien genießen und Männer starken Benachteiligungen unterliegen, handelt sich sofort beinharten Widerstand der fast ausnahmlos weiblichen Kolleginnen ein - bis hin zum Mobbing. Denn die sind durch die Bank in der feministischen Nische sozialisiert (Beispiel: Kreis Osnabrück....) Denn die Gleichstellungsbeauftragten der Republick verstehen sich vor allem als eines: Frauenbeauftragte. Männer kommen da nur als Gegner vor. Wo etwa ist denn die Frau, die einmal unmissverständlich klar macht, dass im öffentlichen Dienst mehr Männer eingestellt werden müssen (Beispiel: NRW), weil Frauen dort ganze Bereiche dominieren? Wo wäre die Frau, die es beklagt, dass viel zu wenige Frauen - Mülltonnen schleppen? Soll bitte niemand auf die Idee kommen, dafür wären Frauen zu schwach..... Wo wäre die Frau, die verlangt, dass mehr Frauen die Abwasserkanalisation reinigen? Wenn das als "Männerarbeit" betrachtet wird, dann fordert da keine der Damen eine Quote wie bei den Flugkapitänene.... Gibt's tatsächlich eine Verfahrensvorgabe für polizeiliche Vorgehensweise im Falle familiärer Gewalt, die die (keineswegs so seltenen) Fälle wahrnimmt und entsprechende Handlungen verlangt, in denen es die Frau ist, die Gewalt ausübt, schlägt - nicht nur bei Kinderns, sondern auch den Partner? Nein, gibt es nicht. Es wird ohne weitere Ermittlung davon ausgegangen, das der Mann die Gewalt ausübt und ER wird der Wohnung verwiesen... Wenn Frauen über Benachteilungen nach Geschlecht schreiben, dann ist das in den allermeisten Fällen keineswegs Ausdruck von Kampf für die Unterdrückten und Entrechteten, sondern nur eine besonders wohlgelittene Form von Lobbyismus. Gemeine Frage: Sollten nicht die Hälfte aller Gleichstellungsbeauftragten Männer sein? Wenn nicht, warum nicht? Weil nur Frauen Gleichstellung durchsetzen können? Für wen? Warum sollten Männer bei einer Problem mit Benachteiligung Vertrauen in eine Frau haben? Mehr Vertrauen, als eine Frau in einen (gleichstellungsbeauftragten) Mann?
clint east wood 28.08.2017
2. Die Rechnung zur Benachteiligung der Frauen bei Familienarbeit ....
... in der Rente wird von den darüber schreibenden Frauen gerne aufgemacht. Zitat: Die unbezahlte Mehrarbeit rächt sich für Frauen im Alter: Sie erhalten deutlich weniger Rente.... ... Was die Frauen dazu merkwürdigerweise nie erwähnen: Es ist im wesentlichen die achsotolle Berufsarbeit der Männer, die nicht nur die Familie finanziell mit dem notwendigen ausstattet - sondern auch die Männer früher sterben lässt. Effekt: Die Frauen erhalten eine sehr viel höhere Witwenrente als die Männer beim Tod der Frau als Witwerrente erhalten. Völlig ohne eigene Beitragsleistung. Auch beim Rentenausgleich im Falle einer Scheidung kann niemand mehr behaupten, die Familienarbeit sei "unbezahlt". Das kann man jetzt richt oder falsch, ausreichend oder als ungenügend bezeichnen. Es fällt nur auf: Es wird von FRAUEN in der Diskussion darüber niemals erwähnt. Da habenn die schreibenden Damen einen gewollt blinden Fleck. Und DAS macht deutlich, um was es eigentlich geht: Um Lobbyismus für die eigene Gruppe.... Und der beginnt schon bei der Aussage: "... im Durchschnitt 1,5 Stunden mehr als Männer..." Ein Schelm, wer einmal nachforscht, wer diesen Wert denn wie festgestellt hat: richtig: Frauenforscherinnen.... Und es sind Frauen, die festlegen, was dabei als "Familienarbeit" gezählt wird... Wenn Mutti die Tochter mit zum Yoga-Kurs nimmt - dann ist das selbstverständlich : Familienarbeit. Wenn Vati mit Sohn (oder sogar Tochter ;-)) die Winterreifen auf das Automobil montiert - dann hat selbstverständlich mit Familienarbeit nichts aber auch gar nichts zu tun....
freigeistiger 28.08.2017
3. Frage
Da Frauen weniger berufstätig sind und auch viel weniger verdienen, wie bezahlen sie dann ihren Anteil an dem Haus, den Lebenshaltungskosten, den Autos, den Urlaub, den Kosten für die Kinder und den Kosten der Frau? Dass von einem Mann anzunehmen ist unter Würde und der Selbstbestimmtheit einer Frau. @1 clint east wood: Guter Beitrag
Suplo 28.08.2017
4. Schöne Zusammenfassung der Frauenförderungswahlversprechen
Der Rest ist einseitig aus Frauensicht geschrieben - auch werden nur die Ansichten von anderen Frauen zitiert. Dann bitte auch für solche Artikel eine Quote. :-)
sincere 29.08.2017
5. Familie = Mutter und Kind.
Ich höre immer das Wort Familie zu der auch die Väter dazugehören aber für Väter wird nichts getan. Familie ist hier nur ein Begriff für Frauen, dessen Rechte nich mehr gestärkt werden sollen, mehr nicht.
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