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Frauen und Karriere "Die Quote gegen den Feigenblatt-Effekt"

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Corbis

Bedecke deine Blöße: Sind die bisherigen Fortschritte für Frauen nur Feigenblätter?

Frauen haben heute bessere Chancen im Beruf als vor wenigen Jahren. Monika Schulz-Strelow von "Frauen in die Aufsichtsräte" fürchtet aber Stillstand, denn viele Chefs fragen nun: "Was wollt Ihr noch, wir haben doch eine Frau im Vorstand?" Im Interview verrät sie, wann Förderung für alle Seiten etwas bringt.

Frage: Frau Schulz-Strelow, 2011 beriefen 25 Firmen aus Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax erstmals eine Frau in den Vorstand oder auf der Kapitalseite in den Aufsichtsrat. Plötzlich wollen alle Unternehmen mehr Ladys. Erleben wir endlich die Trendwende in der Sache der Frauen?

Schulz-Strelow: Es stimmt, im vergangenen Jahr hat sich Einiges bewegt, und auch im laufenden Jahr wird es weiter Schub in dem Thema geben. Es ist allerdings bitter, dass die meisten Unternehmen erst auf den Druck von Politik und Öffentlichkeit reagierten und nicht aus eigenem Antrieb frauenfreundlicher handeln. Und die Fortschritte reichen auch längst nicht aus.

Frage: Sie plädieren nach wie vor für eine Quote?

Schulz-Strelow: Eins ist doch ganz klar: Ohne die Debatte um eine Quote hätte es die aktuelle Entwicklung nie gegeben. Und jetzt muss aus einer Debatte Normalität werden. Eine oder zwei Frauen in den Spitzengremien sind eine schöne Sache - aber nur, wenn sie auch als Vorbild für viele weitere Frauen in den Ebenen darunter dienen. Nicht wenige Firmen aber lehnen sich jetzt schon zurück, nach dem Motto: "Was wollt Ihr denn, wir haben doch eine Frau im Vorstand?". Nur der Druck einer Quote kann diesem Feigenblatt-Effekt entgegenwirken.

Frage: Sie selbst haben sich immer dafür eingesetzt, Frauen zuerst in Spitzenpositionen zu bringen.

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Wer Frauen fördert: Die Steckbriefe der Dax-Konzerne
Schulz-Strelow: Diese Strategie halte ich auch nach wie vor für sinnvoll. Sie war aber immer als erster Schritt gedacht. Leider haben viele Firmen noch immer nicht erkannt, dass mehr Frauen in Führungspositionen nicht nur gut fürs Image sind, sondern auch tatsächlich Mehrwert schaffen. Zahlreiche Studien belegen die größere Effizienz gemischter Teams. Auch als Konsumenten werden Frauen immer wichtiger - da wäre es sicher klug, auf Entwicklerseite zu wissen, was die Kundinnen wirklich wollen.

Frage: Immerhin bemühen sich viele Unternehmen. Mentoring, Netzwerke, Trainings - flächendeckend wurden Frauenförderprogramme auf den Weg gebracht.

Schulz-Strelow: Das freut mich auch sehr. Allerdings bringen solche Programme nur etwas, wenn ihr Erfolg auch definiert und gemessen wird. Einfach nur drauflosfördern ist nicht genug.

Frage: Sondern?

Schulz-Strelow: Ein Frauenförderprogramm ist dann erfolgreich, wenn am Ende nicht nur Förderung steht, sondern auch eine Be-Förderung. Schließlich befördern sich Männer auch gegenseitig.

Frage: Ist dieser Fokus auf die nächsten Stufen der Karriereleiter nicht sehr eng?

Schulz-Strelow: Überhaupt nicht. Was in der Führungsspitze passiert, prägt das Unternehmen. Wichtig ist, dass es mess- und sichtbar Fortschritte gibt. Aber natürlich wird die Wirtschaft mittelfristig andere Themen angehen müssen, wenn die Unternehmen attraktiver für Frauen sein wollen: flexible Arbeitszeiten, Abschied von der Präsenzkultur, Jobsharing auch in Führungspositionen. Ich setze meine Hoffnung da auf die jungen männlichen Führungskräfte, die schon ein ganz anderes Verständnis von Arbeitsorganisation haben als die Älteren.

Frage: Und dann wird alles besser?

Schulz-Strelow: Nicht alles, aber vieles. Es ist doch absehbar, dass Unternehmen, um Krisen besser bewältigen zu können, künftig flexibler werden müssen, kommunikativer und innovativer. Die "Generation Y", die seit einigen Jahren in den Firmen einsteigt, treibt diese Entwicklung bereits. Letzten Endes ist das Frauenthema die aktuelle Speerspitze in diesem Veränderungsprozess, der gerade erst begonnen hat.

Wer Frauen fördert: Die Steckbriefe der Dax-Konzerne

  • Das Interview führte Klaus Werle, Redakteur beim manager magazin. Auf dessen Online-Portal erschien der Text zuerst.

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1. Nur Unterlegene und Inkompetente müssen gefördert werden
WaFe 06.03.2012
Zitat von sysopFrauen haben heute bessere Chancen im Beruf als vor wenigen Jahren. Monika Schulz-Strelow von "Frauen in die Aufsichtsräte" fürchtet aber Stillstand, denn viele Chefs fragen nun: "Was wollt Ihr noch, wir haben doch eine Frau im Vorstand?" Im Interview verrät sie, wann Förderung für alle Seiten etwas bringt. Frauen und Karriere: "Die Quote gegen den Feigenblatt-Effekt" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/0,1518,818033,00.html)
Eine Analyse von 800.000 Unternehmen in der BRD ergab, dass 80% der Unternehmen von Männern, 14% von Frauen und 6% von Männern und Frauen geführt werden. In den gemeinsam geführten Unternehmen liegt der Jahresumsatz im Schnitt bei rund 7,9 Mio. Euro mit durchschnittlich 51 Mitarbeitern. Betriebe mit rein männlicher Führungsriege erzielen im Schnitt 7,4 Mio. Euro Umsatz im Jahr, mit allerdings nur durchschnittlich 43 Mitarbeitern. Das ist der höchste Pro-Kopf-Umsatz. Unternehmen, die allein von Frauen geführt werden, haben durchschnittlich 16 Beschäftigten und einem jährlichen Umsatz von knapp 1,9 Mio. Euro. Die erfolgreichen Gründer unserer Zeit sind weiterhin männlich. Am Verstand kann es nicht liegen. An der Bildung auch nicht. Nach feministischer Sichtweise können Frauen sowieso alles genauso gut wie Männer, wenn nicht besser, so dass der Befund der fehlenden weiblichen Gründer erklärungsbedürftig ist. Es gibt die Ausnahmen, Modedesignerin Jil Sander, Liliane Bettencourt, Gründerin von L’Oréal und Anita Roddick, bewundernswerte Karrieren, aber doch Ausnahmen. Es waren eben doch die Männer, die den Takt der globalen Wirtschaft verändert haben. Von der Industrialisierung im 19. Jahrhundert über die IT-Revolution bis zur New Economy und Zuckerbergs Milchbubis. «Frauen haben seit bestimmt zwanzig Jahren die Chance, sich unter die Goldgräber zu mischen. Dass wir das nicht tun, hat zuallererst mit uns zu tun. Mit unserem Naturell, unseren Wünschen, Neigungen und Prioritäten bei der Lebensplanung.», Bettina Weiguny Frauen in der Wirtschaft (http://www.wikimannia.org/Frauen_in_der_Wirtschaft) "Quoten befördern Menschen, die das durch Leistung nicht verdient haben, nach oben und hemmen jene, die ihren Aufstieg durch Leistung verdienen könnten und wollten, wenn sie denn adäquat belohnt würden. So wird die Leistungselite einer Gesellschaft immer mehr verdünnt durch inkompetente Quotenbeförderte, es wird immer weniger Wohlstand erarbeitet, es steht damit immer weniger zur Umverteilung zur Verfügung, die Unzufriedenheit der Dümmeren, die immer mehr werden, steigt, denn ihre von den Linken geschürten Erwartungen werden zwangsläufig enttäuscht." Quelle: WGvdL-Forum: Zwei Seiten derselben Medaille, Jack Black am 13. Dezember 2011, Quote Quotenbeförderte fördern Quoten. "Letztlich dient die Frauenquote dem männlichen Konkurrenzkampf, denn damit können ernsthafte männliche Mitbewerber weggebissen und durch vollkommen ungefährliche und unfähige Quotentanten ersetzt werden - die sich dann aber in ihrer lächerlichen weiblichen Hybris (von wegen 'Augenhöhe') richtig gut finden." - Wolfgang A. Gogolin
2. Gutes Bild
My2Cents 06.03.2012
Endlich mal ein Foto von einem älteren Paar; und nicht immer nur das junge Kraut. Schön! Chapeau
3.
-Aki- 06.03.2012
Zitat von sysopFrauen und Karriere: "Die Quote gegen den Feigenblatt-Effekt" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/0,1518,818033,00.html)
Noch vor 2 Jahren habe ich gedacht: ¨Eine Quote bringt nichts. Die Besten sollen´s machen, egal ob Mann oder Frau.¨ Heute sehe ich die Sache anders und bin 100% fuer die Quote. Primaer gehts dabei gar nicht um Frauen, sondern diese Quote ist ein moeglicher Weg um wieder etwas Vernunft im Managment walten zu lassen. Sobald die erste Generation Frauen ihre neue ¨Macht¨ ausuebt, werden sie einen anderen Typus Mitarbeiter (Be-)foerdern. Einen Typ der derzeit aufgrund der Testosteron-Auslese keine Chance hat - obwohl wahrscheinlich intellektuell und sozial dem Typ Durchsetz-und-Ausnutzmacho weit ueberlegen. Die Forderung nach einer Frauenquote ist also meinerseits eine Forderung nach einem neuen Managementstil.
4. Elite == Durchsetzungsfaehig?
-Aki- 06.03.2012
Zitat von WaFe"Quoten befördern Menschen, die das durch Leistung nicht verdient haben, nach oben und hemmen jene, die ihren Aufstieg durch Leistung verdienen könnten und wollten, wenn sie denn adäquat belohnt würden. So wird die Leistungselite einer Gesellschaft immer mehr verdünnt durch inkompetente Quotenbeförderte, es wird immer weniger Wohlstand erarbeitet, es steht damit immer weniger zur Umverteilung zur Verfügung, die Unzufriedenheit der Dümmeren, die immer mehr werden, steigt, denn ihre von den Linken geschürten Erwartungen werden zwangsläufig enttäuscht." Quelle: WGvdL-Forum: Zwei Seiten derselben Medaille, Jack Black am 13. Dezember 2011, Quote
Die Behauptung, dass sich die leistungsfaehigsten durchsetzen ist zu kurz gegriffen. Das stimmt nur wenn man ´leistungsfaehig´ gleich ´durchsetzungsfaehig´ setzt. Und am durchsetzungsfaehigsten ist derjenige, der die meiste Energie, die meisten Resourcen in jede Aktion steckt, die seine Macht und Einfluss sichern bzw. ausbauen. Mitbewerber, die z.B. langfristige Strategien/Visionen verfolgen bzw. Resourcen in Empathie stecken, haben somit in diesem ´Spiel´ schlechtere Karten. Wirklich Durchsetzungsfaehig sind letztlich ruecksichtslose Egomanen - auch wenn sie im Management gelernt haben staendig zu grinsen.
5.
schorsch_999 06.03.2012
Zitat von sysop...Aber natürlich wird die Wirtschaft mittelfristig andere Themen angehen müssen, wenn die Unternehmen attraktiver für Frauen sein wollen: flexible Arbeitszeiten, Abschied von der Präsenzkultur, Jobsharing auch in Führungspositionen. Frauen und Karriere: "Die Quote gegen den Feigenblatt-Effekt" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/0,1518,818033,00.html)
Ich finde interessant, dass in einem Bereich in dem unter 70 Wochenstunden zu arbeiten gerne mal als "Freizeitfixiert" umschrieben wird: - Flexibel gearbeitet wird (suche dir aus wie Du Deine 10h - 12h in Deinen Tag packst) - man nicht mehr immer gleich anwesend ist und jetzt das beste: - den Job den man sich mühsamst (gerne auch mal mit dem Ellenbogen) erarbeitet hat, mit einem anderen "teilt"... Mich wundert dass diese weltfremden, realitätsfernen (und man überzeuge mich bitte gerne eines besseren) Forderungen von irgend jemand ernst genommen werden?
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