Deutsche Unternehmen Frauenquote? Da lassen wir uns Zeit

Mehr Frauen in Führungspositionen - viele deutsche Firmen ducken sich und ignorieren die gesetzliche Vorgabe, klare Ziele zur Frauenförderung zu vereinbaren. Mehr als die Hälfte hat noch immer keinen konkreten Plan.

Ab Januar gilt die Frauenquote in Aufsichtsräten: Doch noch tut sich nicht viel
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Ab Januar gilt die Frauenquote in Aufsichtsräten: Doch noch tut sich nicht viel


Viele deutsche Unternehmen tun so, als gäbe es das neue Gesetz zur Frauenquote gar nicht. Das ist das Ergebnis einer Befragung durch den Verein Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar).

Danach hat mehr als die Hälfte aller befragten Unternehmen (54 Prozent), die sich laut Gesetz selbst ein Ziel für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat und Vorstand geben müssten, bisher noch keine entsprechende Zielgröße formuliert. Und: Sie planen dies auch nicht in näherer Zukunft.

Erst ein knappes Viertel (24 Prozent) der Unternehmen hat sich den Angaben zufolge bereits ein konkretes Ziel gesteckt. Rund ein Fünftel (21 Prozent) gab an, man habe zwar bislang keine Zielgröße beschlossen, die Einführung sei aber demnächst vorgesehen.

Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen war am 1. Mai in Kraft getreten. Es sieht für Neubesetzungen in den Aufsichtsräten ab Januar 2016 eine feste Frauenquote von 30 Prozent vor. Betroffen sind 100 Großunternehmen. Gibt es nicht genügend Frauen im Aufsichtsrat, bleibt der zu besetzende Stuhl leer.

Bisher keine Sanktionen

Mehr als 4000 weitere Unternehmen müssen sich selbst im kommenden September ein eigenes Ziel für die Erhöhung des Frauenanteils geben. Nach einem Jahr soll erstmals überprüft werden, ob sie das selbst gesteckte Ziel erreicht haben. Diese Firmen müssen ihre Zielgrößen und den tatsächlichen Frauenanteil auch im Geschäftsbericht veröffentlichen. Sanktionen sind hier aber bislang nicht vorgesehen.

Was das Fidar-Stimmungsbarometer ebenfalls ergab: 51 Prozent der Vorstände und Unternehmenschefs lehnen die im Gesetz festgeschriebenen Regelungen zum Frauenanteil grundsätzlich ab. Zustimmend äußerten sich immerhin 42 Prozent der Befragten, 7 Prozent waren unentschieden. Allerdings: Die befragten weiblichen Vorstände stimmten der gesetzlichen Regelung mehrheitlich zu.

Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) will Betriebe, die sich einfach wegducken, nicht so einfach davonkommen lassen. "Ich erwarte von den Unternehmen, dass sie sich an das Gesetz halten, ihre Spielräume nutzen und mehr Frauen in die Führungsetagen holen", betonte Schwesig.

Außerdem steht die Drohung im Raum, in einer Gesetzesnovelle auch für die Gruppe der rund 4000 Unternehmen eine starre Quote zu verankern. Mit der Union war das allerdings bislang nicht zu machen.

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Frauenquote: Was spricht dafür, was dagegen?

dpa-AFX/ sid

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insgesamt 67 Beiträge
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kw16 09.07.2015
1. Wenn wir von einer Männer-Qute sprechen würden,
könnte man sich so langsam entspannen. Aber es ist so bequem sich unterzuordnen ... Neulich eine Frau. Kommen Sie später wieder bis mein Mann da war, das abzuklären. Ich: Ein Anruf und sie haben es selbst abgeklärt. Es war die Frau von Chef ... Alles was wir tun, tun wir freiwillig, inklusive dem Überstreifen einer Burka.
Hornet63 09.07.2015
2. Frauenquote ? Nein danke.
Hoffentlich wird diese gesetzliche Unsinnsvorgabe noch möglichst lange ausgesessen. Vielleicht kehrt dann irgendwann mal wieder der gesunde Menschenverstand ein.
großwolke 09.07.2015
3.
Die Probleme von morgen kann man auch morgen noch lösen... Mal rein technisch argumentiert: So eine Regelung ist relativ schnell zu beschließen. Wenn also absehbar wird, dass ein Aufsichtsratsmandat zu vergeben ist, und es aus irgendeinem Grund nicht sinnvoll erscheint, dieses unbesetzt zu lassen, ist der entsprechende Beschluss schnell gefasst. Schließlich geht es dabei nur um symbolische Aktionen zur Befriedigung einer rein symbolischen Politik. Und solange keine Sanktionen im Spiel sind, gibt es schließlich auch gar keinen Grund, in hektische Betriebsamkeit auszubrechen.
alterzwickscher 09.07.2015
4. wieder ein Randthema...
Wir brauchen eine "Mütterquote" in den Firmen, also bevorzugten Kündigungsschutz, mehr Urlaubstage usf. für Mütter, nicht eine völlig nachrangige Frauenquote um verdienten Partei-Kader-Frauen einen hochdotierten Posten zu sichern..
Sarrazin+ 09.07.2015
5. Thema für Linke und Grüne
braucht niemand.
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