Frauenquote in Aufsichtsräten "Ich habe schon eine Handvoll Damen in petto"

Die Frauenquote in Aufsichtsräten kommt, aber woher kommen die Frauen? Eine Herausforderung für Headhunter wie Sabine Hansen. Sie erklärt, warum Arbeitgeber aufschreien, die Quote trotzdem Strahlkraft entwickeln wird und gute Schminke auch in der Autobranche hilft.

Die Frauenquote könnte Sabine Hansen viel Arbeit einbringen
Amrop Delta

Die Frauenquote könnte Sabine Hansen viel Arbeit einbringen


Sabine Hansen (Jahrgang 1970) ist seit zwölf Jahren Headhunterin. Als Geschäftsführerin der Personalberatung Amrop Delta berät sie Unternehmen bei der Besetzung von Spitzenpositionen. Sie engagiert sich im Verein "FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte".

KarriereSPIEGEL: Frau Hansen, Sie setzen sich seit Jahren für eine Frauenquote in Aufsichtsräten ein. Nun haben Union und SPD sie in den Koalitionsverhandlungen vereinbart. Aber: Wo sollen all die Frauen herkommen?

Hansen: Ich sehe da gar kein Problem. Bei männlichen Aufsichtsräten greift man gern auf renommierte Wissenschaftler zurück - da haben wir einige Frauen mit großem Potential. Viele Unternehmen werden sich auch verstärkt Ausländerinnen suchen, denn da gibt es viele Kandidatinnen, und man kann gleichzeitig Wissen aus einem Wachstumsmarkt wie Asien ins Unternehmen holen.

KarriereSPIEGEL: Warum brauchen wir Ausländerinnen, gibt es in Deutschland selbst nicht genügend geeignete Kandidatinnen?

Hansen: In Ländern wie Großbritannien oder in Skandinavien gibt es solche Quoten längst, diese Länder haben uns ein paar Jahre voraus, und geeignete Leute konnten sich entwickeln. Bei uns hat der Schwebezustand dafür gesorgt, dass gar nichts passiert ist. Wenn die Unternehmen aber offener sind, finden sich auch in Deutschland viele Kandidatinnen, zum Beispiel Frauen, die ein größeres Familienunternehmen erfolgreich führen. Auch die eignen sich für den Aufsichtsrat. Ich habe schon eine Handvoll Damen in petto, die wären sehr offen dafür, diese Posten zu bekommen.

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Frauenquote: Was spricht dafür, was dagegen?
KarriereSPIEGEL: Warum haben es diese Frauen bisher nicht in die Aufsichtsräte geschafft?

Hansen: Das häufigste Argument war die fehlende Branchenkenntnis: Versteht sie denn etwas von unserem Geschäft? Das wurde oft als Vorwand benutzt. Dass es auch nützen kann, Kenntnisse aus anderen Branchen mit ins Unternehmen zu holen, übersteigt leider bei vielen die Vorstellungskraft. Als Andrea Jung vom Kosmetikkonzern Avon in den Aufsichtsrat von Daimler wechselte, wurde auch gespottet, ob Mercedes-Autos jetzt an der Haustür verkauft werden sollen.

KarriereSPIEGEL: Eigentlich geht es also darum, dass die Männer unter sich bleiben wollen?

Hansen: Es gibt Leute, die in fünf oder sechs Aufsichtsräten sitzen, alle kennen sich. Da wird oft gesagt: Der ist schon in zwei, drei Aufsichtsräten, den nehmen wir auch bei uns dazu. In diese "Old Boys Networks" vorzustoßen, ist manchmal sogar für Männer schwer. Für Frauen ist es noch schwieriger.

KarriereSPIEGEL: Würde eine Frauenquote in Vorständen und auf der Management-Ebene nicht mehr bringen als in Aufsichtsräten?

Hansen: Der Fisch stinkt immer vom Kopf her. Ich glaube, man darf nicht zu viel regulieren. Es muss sich noch viel tun, aber das wird es, denn die Quote wird Strahlkraft haben. Man soll sich aber nicht vorstellen, dass jetzt über Nacht alles anders wird. Das ist nur ein erster wichtiger Schritt.

KarriereSPIEGEL: Dass jetzt alles anders wird, scheint aber die Privatwirtschaft gerade zu befürchten.

Hansen: Ich muss schon sagen: Der Aufschrei der Arbeitgeberverbände überrascht mich. Was sich hier zeigt ist Angst, nicht nur um die Karrieren der Männer, sondern vor Veränderung allgemein. Das System hat sich ja für die, die drinnen sind, gut bewährt.

  • Das Interview führte Maria Huber (Jahrgang 1983), freie Journalistin in Hamburg. Am liebsten schreibt die gebürtige Bayerin über alle Themen rund um Gründung und Selbständigkeit und geht im Web und in sozialen Netzwerken auf die Suche nach Wissenswertem zum Arbeitsmarkt 2.0.

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Seite 1
mm71 21.11.2013
1.
Zitat von sysopAmrop DeltaDie Frauenquote in Aufsichtsräten kommt, aber woher kommen die Frauen? Eine Herausforderung für Headhunter wie Sabine Hansen. Sie erklärt, warum Arbeitgeber aufschreien, die Quote trotzdem Strahlkraft entwickeln wird und gute Schminke auch in der Autobranche hilft. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/frauenquote-in-aufsichtsraeten-eine-chance-fuer-headhunter-a-934539.html
Ich halte der Dame mal zugute, dass sie nicht wirklich Ahnung hat, wovon sie spricht - aber dies Interview zeigt, was uns nun droht. Aufsichtsräte vertreten entweder die Arbeitnehmer- oder die Kapitalseite. Sie werden von diesen entsandt, verteten _deren_ und nur deren Interessen. Sie vertreten nicht die Interessen von Frauen im Allgemeinen, oder gar einer bestimmten Politikrichtung. Ich glaube, so mancher Frau - auch in der Politik - scheint gar nicht klar zu sein, für wen Aufsichtsräte arbeiten. Einigen der zukünftigen ARinnen ebenfalls (noch) nicht - aber das wird kommen, wenn die EIgner plötzlich Zahlen und Ergebnisse fordern. Da hilft dann eine Quote auch nicht mehr... Vermutlich hat man nur die Frühstücks-Aufsichtsräte und Berufsfunktionäre in einigen Konzernen vor Augen, die ohne selbst im Risiko zu stehen meinen, in 4 Meetings im Jahr da das grosse Rad zu drehen. Die Wirklichkeit in 99% aller Unternehmen sieht erheblich anders aus.
ColonelCurt 21.11.2013
2. Aufsichtsrat
Bei der wichtigsten Frage hier hätte Frau Huber nachhaken sollen: Warum Aufsichtsräte? Ich habe nie verstanden, warum das überall so unkritisch übernommen wird. Aufsichtsräte sind im engeren Sinne keine Führungskräfte, sondern Kontrollorgane, die wenig Impact auf die operative Unternehmenswirklichkeit haben, die doch aber durch die Quote beeinflusst werden soll. Die platte Metapher mit dem Fisch, der vom Kopf her stinkt, ist insofern hier unstimmig.
BillyTalent 21.11.2013
3. Mal weiter gedacht...
...bedeutet das doch, dass, um später Frauen über Führungspositionen in Richtung AR zu bekommen, auch mehr Frauen zunächst mal eingestellt werden müssen... Clever, Quote durch die Hintertüre...
laotse8 21.11.2013
4.
Zitat von sysopAmrop DeltaDie Frauenquote in Aufsichtsräten kommt, aber woher kommen die Frauen? Eine Herausforderung für Headhunter wie Sabine Hansen. Sie erklärt, warum Arbeitgeber aufschreien, die Quote trotzdem Strahlkraft entwickeln wird und gute Schminke auch in der Autobranche hilft. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/frauenquote-in-aufsichtsraeten-eine-chance-fuer-headhunter-a-934539.html
Frau Hansen meint, daß genügend qualifizierte, geeignete und fähige Frauen für deutsche Aufsichtsräte bereitstünden. Das ist durchaus möglich. Fakt aber ist, daß die Politik zwischen den Beinen das entscheidende Kriterium festlegt und damit von vorneherien eine Diskriminierung höher qualifizierter, besser geeigneter und fähigerer Männer festlegt. An letzterem stören sich zu Recht Industrie und aufstrebende tüchtige Manager/innen. Abgesehen davon, daß so ein weiterer Schlag ins Gesicht von Frauen mit Kindern geführt wird, indem dem arbeitenden Familienvater alllein geschlechtsbedingt Nachteile auferlegt werden. Aber gewählt ist gewählt ...
winkdon 21.11.2013
5. ...
Zitat von sysopAmrop DeltaDie Frauenquote in Aufsichtsräten kommt, aber woher kommen die Frauen? Eine Herausforderung für Headhunter wie Sabine Hansen. Sie erklärt, warum Arbeitgeber aufschreien, die Quote trotzdem Strahlkraft entwickeln wird und gute Schminke auch in der Autobranche hilft. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/frauenquote-in-aufsichtsraeten-eine-chance-fuer-headhunter-a-934539.html
Frau Hansen wittert da das grosse Geschäft für sich. Schön für sie. Leider schlecht für Deutschland. In Norwegen war die Frauenquote eine Katastrophe, die dazu geführt hat, dass Firmen sich vom Kapitalmarkt zurückziehen mussten. Braucht die Headhunterin nicht zu interessieren. Für den Industriestandort Deutschland wäre so eine Entwicklung aber fatal.
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