Frauen und Karriere "Die #MeToo-Debatte steht für Altlasten"

Sie verdienen weniger, arbeiten häufiger in Teilzeit, landen seltener in Führungspositionen: Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt noch immer benachteiligt. Hier erzählen Frauen und Männer, was sich ändern muss.

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In Deutschland gibt es noch immer keine gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Frauen verdienen auf den gleichen Positionen laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich noch immer sechs Prozent weniger als Männer. Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen ist in Deutschland so groß wie in fast keinem anderen EU-Land. Die Führungsetagen werden von Männern dominiert, während Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten.

Auch die #MeToo-Debatte, die in der Glitzerwelt Hollywoods ihren Anfang nahm, hat längst deutsche Büros erreicht. Und die Diskussion dreht sich nicht mehr nur um sexuelle Übergriffe und Belästigungen, sondern auch um die strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt.

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Die Debatte ist nicht neu und hat bereits Veränderungen mit sich gebracht: So gibt es in großen, börsennotierten Unternehmen eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote. Frauen sollen künftig auch leichter herausfinden können, ob sie weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Das verspricht zumindest das Entgelttransparenzgesetz, das seit Anfang des Jahres gilt.

Allerdings: Die Veränderungen sind behäbig. Die Frauenquote gilt längst nicht für alle Firmen, und das Entgelttransparenzgesetz hat so viele Einschränkungen, dass es als Mogelpackung daherkommt.

Was sich in Zukunft ändern müsste, sollten sie eigentlich am besten wissen: Personaler und Chefs von Start-ups. Sie suchen schließlich die Talente von morgen und gelten als besonders innovativ und reflektiert, wenn es um Sexismus geht. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und Sabbaticals haben sich in dieser privilegierten Branche bereits etabliert.

Hier erzählen Männer und Frauen aus der Gründer- und Kreativbranche, wie die #MeToo-Debatte ihren Job beeinflusst hat und warum die Gleichberechtigung trotz aller Flexibilität im Job häufig endet, wenn das erste Kind unterwegs ist:

insgesamt 43 Beiträge
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moneysac123 08.03.2018
1. Was sind denn bitte 6%?
Wenn die Führungsetagen mit Höchsteinkommen fast ausschließlich aus Männern bestehen (Altlasten), die totale Differenz aber nur 6% beträgt, dann müssen mittlere Einkommen massiv von Frauen dominiert sein. Ohne diese männlichen Topmanager wäre der Unterschied noch geringer. 6% Unterschied können auch statistischer Zufall sein oder zumindest anderweitig erklärbar als mit dem Geschlecht. Ich möchte die Hypothese aufstellen, dass junge Menschen massiv benachteiligt sind, da sie im Schnitt viel weniger verdienen als ältere. Vllt verdienen karriereorientierte Männer auch mehr als familienorientierte. Statistik kann je nach Auswahl der Variablen immer das erklären was man erklären möchte.
alsterherr 08.03.2018
2.
"Männer verhandeln häufig besser, wenn es ums Gehalt geht." Womit zu weiten Teilen der bereinigte Gender pay Gap erklärt wäre. Die Frage an Frauen in hohen Positionen, ob sie lieber ein Team von 10 Frauen oder 10 Männern leiten, wird zu großen Teilen damit zugunsten der Männer beantwortet, daß sie Stutenbissigkeit fürchten und sich Frauen eben untereinander oft nicht grün sind ....
dieter-ploetze 08.03.2018
3. teilzeit und fuehrungspositionen
frauenspezifisch ist die teilzeitarbeit, aber meist aus freien stuecken, zumal wenn kinder da sind. aus aehnlichen gruenden ist das mit weniger fuehrungspositionen so, das sind meist mehr als fulltime jobs. wie geht das mit kindern? dazu kommt ein frauenspezifisches problem, frauen sind im allgemeinen scheinbar weniger karrieresuechtig, jedenfalls in der industrie. im modegeschaeft sind frauen gar nicht so selten in hoeheren positionen. quoten waeren jedenfalls unsinnig, man kann niemand zwingen, irgendwelche positionen auszufuellen. oder richtiger, man kann nicht der quote genuege tun und unter umstaenden weniger qualifizierte in spitzenpositionen bringen.
vox veritas 08.03.2018
4.
Bei den gezeigten Beispielen im Artikel werden ausschließlich Unternehmer / Unternehmen vorgestellt, deren Tätigkeiten sich auf Büroarbeit beziehen. Kann man nicht auch mal Berufe aus dem Handwerk oder Außendienst präsentieren? Mich würde echt interessieren, wie das in diesen Berufen läuft, weil wir in unserer Firma überwiegend Außendienstler haben. Danke
Fa_hh 08.03.2018
5. Frauen vs. männer
Zitat von alsterherr"Männer verhandeln häufig besser, wenn es ums Gehalt geht." Womit zu weiten Teilen der bereinigte Gender pay Gap erklärt wäre. Die Frage an Frauen in hohen Positionen, ob sie lieber ein Team von 10 Frauen oder 10 Männern leiten, wird zu großen Teilen damit zugunsten der Männer beantwortet, daß sie Stutenbissigkeit fürchten und sich Frauen eben untereinander oft nicht grün sind ....
Meine Kunden sind zu 80% Frauen und mein Team besteht aus über 60% Frauen (schwankend). Es gibt Kundinnen die genausogut wie Männer arbeiten und anders herum. Genauso in meinem Team das gleiche. Ich habe auch schon viele Frauen als Boss gehabt und teilweise mit den hier gezeigten Personen sogar in der gleichen Firma. Es gibt meiner Erfahrung nach keinen Leistungsunterschied zwischen Frauen und Männern. Allerdings gehen Männer mit extremen Stress auf der Arbeit (nur meiner Erfahrung nach!) wesentlich besser um als Frauen. Ebenso haben die Frauen untereinander mehr kämpfe als Männer. Männer streiten sich und gehen dann ein Bier trinken. Frauen hassen sich so sehr. Ich habe Kundinnen die Reden nicht mehr miteinander und wir müssen Stille Post spielen. Auch die Frauen in meinem Team reden teilweise über Probleme die sie miteinander haben nicht miteinander. aber es ist kein Weltuntergang. Nebenbei. Die Frauen in meinem Team verdienen mehr als die Männer in meinem Team.
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