Büroalltag Total begeistert bei der Arbeit

Wer begeistert ist von seinem Job, klotzt richtig ran. Trotzdem wissen viele Führungskräfte nicht, wie sie ihren Leuten Laune machen, sagt Managementtrainer Rüdiger Klepsch. Schon wenige Grundregeln helfen weiter.

Konfettiregen: Der wird nicht auf Dauer für Begeisterung sorgen
Corbis

Konfettiregen: Der wird nicht auf Dauer für Begeisterung sorgen


Begeistert arbeiten macht einfach mehr Spaß. Das klingt selbstverständlich, und doch ist Begeisterung auf der Arbeit eher ein Ausnahmezustand. Das ist erstaunlich, denn eigentlich wollen die meisten Arbeitnehmer gerne begeistert sein: Sie wünschen sich eine sinnstiftende Beschäftigung, mit der sie sich identifizieren. Und Unternehmen brauchen begeisterte Mitarbeiter: Die sind kreativer und eher bereit, mal mehr zu leisten, als es unbedingt sein muss.

Die Forschung hat gezeigt, dass Menschen sich nur dann nachhaltig für etwas engagieren, wenn im Gehirn spezielle emotionale Zentren aktiviert werden. Genau das passiert, wenn Begeisterung einsetzt. Der Hirnforscher Gerald Hüther bezeichnet Begeisterung als Dünger für das Gehirn.

Begeisterung hat aber einen Nachteil: Sie kann nicht von außen kommen, man begeistert sich selbst für irgendwas. Führungskräfte können ihre Mitarbeiter also nur zur Begeisterung einladen. Das wird leider oft vergessen.

Ist das, was ich tue, für irgendjemanden wichtig?

Was sollten Teamleiter anbieten, wenn sie nachhaltig begeistern wollen - und nicht bloß kurzfristig aufputschen? Begeisterung und Engagement mit einem stabilen Kern entstehen im gegenseitigen Geben und Nehmen zwischen Organisation und Mitarbeiter. Damit wir uns für etwas begeistern, muss es bedeutsam, wichtig und relevant für uns selbst sein. Je sinnvoller eine Aufgabe erscheint, desto bedeutsamer wird sie für das Handeln des jeweiligen Mitarbeiters. Wenn es ihm dann auch noch möglich ist, mit großer Eigenverantwortung vorzugehen, steigert sich die Begeisterung.

Nun kann Sinn nicht einfach irgendwo beigemischt werden wie eine Zutat. Über den Sinn einer Tätigkeit verständigt man sich, Kommunikation ist also nötig. Dazu muss die kommunikative Führung der Mitarbeiter wertschätzend und persönlich sein. Das klingt einfach, ist aber zum Beispiel über Standardführungstrainings nur bedingt erlernbar.

Um sich selbst inspirieren zu können - und als Führungskraft wiederum andere -, muss man emotional intelligent auf unterschiedliche Mitarbeiter zugehen zu können. Und das setzt einen guten Zugang zu den eigenen Gefühlen und Erlebniswelten voraus.

Besser begeistern als "entgeistern"

So wolkig, wie das auf den ersten Blick erscheinen mag, ist es nicht. Die wichtigste Lektion für Führungskräfte ist: Es geht nicht darum, die Situation zu beherrschen, sondern mit den emotionalen Umständen so umzugehen, dass es den Mitarbeitern möglich wird, sich zu begeistern.

Da hilft es zu wissen, was Mitarbeiter von guter Führung erwarten. Eine Studie der Beratungsgesellschaft DDI von 2011 gibt Aufschluss. Demnach sind diese Punkte in dieser Reihenfolge am wichtigsten:

1. Die Führungskraft nimmt mich angemessen als Menschen wahr.
2. Sie unterstützt mich, ohne mir alles aus der Hand zu nehmen.
3. Sie beteiligt mich an Entscheidungen.
4. Sie hört mir zu.
5. Sie nimmt sich Zeit, um mir den Hintergrund von Entscheidungen zu erklären.
6. Sie ist bemüht, mein Selbstwertgefühl zu stärken.
Auf keinen Fall sollte ein Chef "entgeistern". Entgeisterung entsteht immer dann, wenn ein Mensch zum Objekt gemacht wird.

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Rechtsanwalt_Luxemburg 03.04.2014
1. In meiner Rechtsanwaltskanzlei ist das genau andersherum...
...und zwar wie folgt: 1. Die Führungskraft nimmt mich lediglich als Quelle abrechenbarer Timesheets wahr. 2. Sie unterstützt mich in keiner Hinsicht. 3. Sie beteiligt mich an keinen internen Entscheidungen. 4. Sie hört mir nicht zu und interessiert sich nicht im Geringsten für meinen Input. 5. Sie nimmt sich nie Zeit, um mir den Hintergrund von Entscheidungen zu erklären, sondern stellt mich regelmäßig vor vollendete Tatsachen. 6. Sie ist keineswegs bemüht, mein Selbstwertgefühl zu stärken, sondern ist bemüht, mich als ersetzbares Rädchen im Getriebe darzustellen.
Blankoscheck 03.04.2014
2. Interessant!
Um die 6 Punkte auch nur annähernd in Erwägung zu ziehen, muss es erst einmal eine entsprechend ausgebildete Führungskraft oder TeamLeiter geben. Wir aber leben in der Kultur des Managers (to manage = verwalten) und damit the american way of life. Und da zählen bekanntlich Mitarbeiter gar nichts. Wenn es dir nicht passt, kannst du sofort gehen. Bist du auch gut, musst du trotzdem gehen, wenn wir wieder grad mal wieder Kosten einsparen müssen.
Jack Pot 03.04.2014
3. Willkommen in der Arbeitswelt von Heute!
@Rechtsanwalt_Luxemburg: nach Ihrer Schilderung sind Sie eine Zahlen produzierende Resource. Das sind heute ca. 80% der Humanresourcen (bitte nicht mit "Menschenmaterial" übersetzten!). Die anderen 20%, die sog. "Arbeitnehmer" wollen auch bei der Arbeit noch "Mensch" sein. Sterben aber hoffentlich so langsam aus.
armi-nator 03.04.2014
4. Gar nicht mal so interessant
...dieser putzige Artikel des Ex-Psychotherapeuten Klepsch. Natürlich wäre alles besser, wenn wir bessere "Führungskräfte" hätten, die uns Sinn, Lob, Anerkennung, Empathie usw. geben könnten und würden. Und wenn diese "Führungskräfte" wiederum ihrerseits ebensolche "Führungskräfte" hätten, die ihnen ebendieses Verhalten vorlleben und ermöglichen würden. Undsoweiter. Aber schaut euch doch die jämmerlichen, korrupten und kranken Gestalten in Wirtschaft, Industrie, Politik auf sämtlichen Führungsebenen bis ganz oben an, und dann noch den jährlich um 7 % steigenden Renditedruck. Dieser putzige Artikel aus dem Elfenbeinturm des ex-universitären Ex-Psychotherapeuten Klepsch zeigt nur eins: kein blasser Schimmer von der Realität des Kapitalismus in seiner Endphase. Aber im Elfenbeinturm sitzen und Salär für putzige Artikel und PowerPoint-Bullshit-Bingo abgreifen. Glückwunsch. Würde ich auch gern.
Duke_NewCam 03.04.2014
5. Zu 99% Volltreffer:
Zitat von armi-nator...dieser putzige Artikel des Ex-Psychotherapeuten Klepsch. Natürlich wäre alles besser, wenn wir bessere "Führungskräfte" hätten, die uns Sinn, Lob, Anerkennung, Empathie usw. geben könnten und würden. Und wenn diese "Führungskräfte" wiederum ihrerseits ebensolche "Führungskräfte" hätten, die ihnen ebendieses Verhalten vorlleben und ermöglichen würden. Undsoweiter. Aber schaut euch doch die jämmerlichen, korrupten und kranken Gestalten in Wirtschaft, Industrie, Politik auf sämtlichen Führungsebenen bis ganz oben an, und dann noch den jährlich um 7 % steigenden Renditedruck. Dieser putzige Artikel aus dem Elfenbeinturm des ex-universitären Ex-Psychotherapeuten Klepsch zeigt nur eins: kein blasser Schimmer von der Realität des Kapitalismus in seiner Endphase. Aber im Elfenbeinturm sitzen und Salär für putzige Artikel und PowerPoint-Bullshit-Bingo abgreifen. Glückwunsch. Würde ich auch gern.
Auch mein Glückwunsch, jedoch: 1% Fehlerquote: ".. Kapitalismus in seiner Endphase." Stimmt nicht. Wir sind noch lange nicht auf dem Gipfel. Vergleiche die Geschichte des Feudalismus. Da kommt noch was!
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