Wegen G20 10.000 Hamburger kriegen "Gipfel-frei"

In China bekamen Angestellte rund um den letzten G20-Gipfel sieben Tage frei. Wie steht's in Hamburg? Einige Firmen verdonnern ihre Leute zu Überstundenabbau oder Homeoffice - andere gewähren bezahlten Sonderurlaub.

Halle der Lufthansa Technik AG in Hamburg
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Halle der Lufthansa Technik AG in Hamburg


Der Nivea-Hersteller Beiersdorf preschte schon im April vor und verkündete, dass rund 2500 Mitarbeiter am G20-Freitag von zu Hause arbeiten können - oder von wo sie wollen, Hauptsache nicht aus der Zentrale. Ausgenommen seien nur die 700 Mitarbeiter in der Produktion.

Das ist nicht so großzügig, wie es klingt, zumindest nicht im Vergleich zu anderen Hamburger Firmen und erst recht nicht zu anderen Städten.

Beim letzten G20-Treffen vor zwei Jahren im chinesischen Hangzhou hatte die Stadt für Beamte und Angestellte sieben Tage Sonderurlaub ausgerufen, die Schulferien verlängert und sogar Reisegutscheine verteilt. Etwa ein Drittel der neun Millionen Einwohner sollen die Stadt damals verlassen haben.

In Hamburg schenken einige Firmen ihren Mitarbeitern wegen des G20-Gipfels "nur" einen Tag bezahlten Sonderurlaub. Dazu gehören Lufthansa Technik mit mehr als 7000 Mitarbeitern, der Verlag Gruner + Jahr mit rund 2000 Beschäftigten und die Hamburg Messe und Congress GmbH mit 300 Angestellten - von denen aber rund 30 während des Gipfels in den Messehallen arbeiten müssen. Auch die SPIEGEL-Gruppe gibt allen 1100 Mitarbeitern einen Tag frei - wer in die G20-Berichterstattung eingebunden ist, darf den Sonderurlaub zu einem späteren Zeitpunkt nehmen.

Unternehmenszentrale der Beiersdorf AG
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Unternehmenszentrale der Beiersdorf AG

Einen regulären Urlaubstag nehmen oder Überstunden abbauen müssen die knapp 200 Mitarbeiter der Handwerkskammer. Das Haus in der Innenstadt bleibt am Freitag geschlossen. Auch das Büro der Unternehmensberatung McKinsey in der Hafencity ist zu - von den Beratern wird aber erwartet, dass sie am Freitag von zu Hause aus oder in einem McKinsey-Büro in einer anderen Stadt arbeiten.

Beim Handelskonzern Otto können die rund 8500 Beschäftigten in Hamburg selbst entscheiden, ob sie ins Büro kommen wollen oder von zu Hause aus arbeiten.

Eine Gattin hat sich angekündigt

Während es bei den großen Firmen eher um die Anfahrtswege geht, sorgen sich viele Läden und Geldhäuser um Übergriffe während der zahlreichen geplanten Demos. Karstadt und mehrere Bekleidungsgeschäfte in der Mönckebergstraße haben ihre Schaufensterfronten mit Holzwänden gesichert. Aus dem Kaufhaus heißt es aber, die Türen blieben trotzdem bis 18.30 Uhr geöffnet. Das Alsterhaus will erst um 20 Uhr schließen.

Die Karstadt-Schaufenster sind geschützt, die Mitarbeiter müssen arbeiten.
Spiegel Online

Die Karstadt-Schaufenster sind geschützt, die Mitarbeiter müssen arbeiten.

Bei einem renommierten Lampengeschäft in der City hat sich sogar hoher Besuch angekündigt: Die Ehefrau eines Präsidenten will offenbar dort vorbeischauen, Sicherheitsleute sollen den Laden schon inspiziert haben.

Von 1010 Geschäften in der Hamburger Innenstadt wollen am Freitag und Samstag deutlich mehr als 900 regulär öffnen. "Wir erwarten keinen Umsatz, aber es geht um das Signal nach außen: Wer einkaufen möchte, ist jederzeit willkommen", sagt Brigitte Engler vom City Management Hamburg. Außerdem seien ja auch noch Touristen in der Stadt.

Auf die setzt auch das Miniaturwunderland in der Hafencity und öffnet am Freitag und Samstag bis 21 und 22 Uhr. In der Modelleisenbahn-Ausstellung ist unter anderem Hamburg nachgebaut - und dort wird schon fleißig demonstriert, mit winzigen Plakaten. Mehr als 5000 Menschen haben über die Homepage Vorschläge für Mini-Demoplakate eingereicht, die kleinen Modellmännchen in die Hände gedrückt wurden.

Lieber nicht im Anzug zum Job

Ganz regulär soll der Betrieb am Freitag in der Handelskammer laufen. Auch im Hamburger Rathaus, bei der Hamburger Hafen und Logistik AG sowie dem Flugzeugbauer Airbus heißt es: "Wir arbeiten ganz normal." Die Commerzbank rät ihren Mitarbeitern allerdings, ausnahmsweise nicht im Anzug zur Arbeit zu kommen, um nicht zur Zielscheibe von Kapitalismuskritikern zu werden.

Verlagsgebäude von Gruner + Jahr
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Verlagsgebäude von Gruner + Jahr

An der Universität Hamburg sollen die Lehrveranstaltungen wie üblich stattfinden. Allerdings wirbt das Präsidium dafür, am 6. und 7. Juli Anwesenheitspflichten aufzuheben und möglichst keine Prüfungen anzusetzen, "um zu vermeiden, dass für Betroffene Nachteile entstehen". Außerdem bleiben einige Mensen und Bibliotheken geschlossen - und die Schaugewächshäuser im Park Planten und Blomen.

Und dann gibt es auch noch die Firmen, die sich noch gar keine Gedanken gemacht haben, ob und wie ihre Mitarbeiter am Freitag ins Büro kommen: In einer Softwarefirma in der Hafencity war der G20-Gipfel bislang noch gar kein Thema.

lov/vet/fok/ler



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