Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaGehaltsreport - KarriereSPIEGELRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Gehaltsunterschiede Warum man Friseurinnen mit Dax-Vorständen vergleichen sollte

Sie machen die Haare schön - und kriegen dafür wenig, außer mal Wahlkampfbesuch (hier von der hessischen SPD-Abgeordneten Andrea Ypsilanti, l.). Zur Großansicht
DPA

Sie machen die Haare schön - und kriegen dafür wenig, außer mal Wahlkampfbesuch (hier von der hessischen SPD-Abgeordneten Andrea Ypsilanti, l.).

Frauen verdienen deutlich weniger als Männer. Für Henrike Platen ist klar: Ungerechtigkeit beginnt schon zwischen Branchen und Berufen. "Reden Sie über Geld", fordert die Organisatorin des Equal Pay Day.

Zur Person
  • Henrike von Platen ist Unternehmensberaterin und seit 2010 Präsidentin des Frauennetzwerks Business and Professional Women (BPW) Germany e.V., das 2008 erstmals den Equal Pay Day in Deutschland initiierte.
KarriereSPIEGEL: Frau von Platen, warum spricht man nicht über Geld?

Platen: Die einen möchten verhindern, dass sie jemand beneidet, weil sie so viel Geld haben. Andere schämen sich oft dafür, so wenig zu verdienen. Sie wollen nicht sagen, wie wenig ihre Arbeit anscheinend wert ist.

KarriereSPIEGEL: Das große pekuniäre Schweigen ist ein typisch deutsches Phänomen. Anderswo sind die Leute wesentlich offener beim Einkommen.

Platen: In einigen Ländern wird ganz entspannt damit umgegangen. Da erblasst auch nicht der eine vor Neid, weil der andere einen dicken Bonus bekommen hat, sondern strengt sich an, den selbst auch zu bekommen. Deshalb bin ich auch überzeugt davon: Wir müssen dieses Sprach-Tabu endlich brechen. Es ist viel ungewöhnlicher, nicht über Geld zu reden.

KarriereSPIEGEL: Sie organisieren jedes Jahr den Equal Pay Day, um an die Ungleichheit bei den Einkommen von Männern und Frauen zu erinnern. Derzeit verdienen Männer nach Ihren Angaben 22 Prozent mehr als Frauen, eine seit Jahren relativ stabile Zahl. Gleichzeitig haben wir ein Quotengesetz, mehr erwerbstätige Frauen sowie Männer, die Elternzeit nehmen. Warum gleichen sich die Gehälter nicht an?

Platen: Diese Maßnahmen sind relativ jung, bei vielen zeigt sich die Wirkung erst nach Jahren. Gleichzeitig gibt es viele Ursachen für das Gender Pay Gap, und es muss noch viel mehr passieren.

KarriereSPIEGEL: Zum Beispiel?

Fotostrecke

8  Bilder
Gehaltsverhandlungen: Sieben goldene Regeln
Platen: Teilzeitarbeit, Karrierepausen - oft wegen Kindern. Hier verlieren Frauen gehalts- und karrieretechnisch den Anschluss und holen das nie wieder auf. Die Berufswahl: Typische Frauenberufe werden meistens schlecht bezahlt. Oder Minijobs: Würde man diese abschaffen, würde die Lohnlücke um etwa drei Prozentpunkte sinken.

KarriereSPIEGEL: Sie vergleichen den Bruttostundenlohn aller berufstätigen Männer mit dem aller berufstätigen Frauen, branchen- und positionsübergreifend. Wie seriös ist diese Darstellung?

Platen: Die 22 Prozent berechnet für uns das Statistische Bundesamt. Es geht nicht darum, nur einzelne Branchen oder Positionen zu vergleichen, sondern die Einkommen insgesamt.

KarriereSPIEGEL: Sie vergleichen Friseurinnen mit Dax-Chefs.

Platen: Genau das müssen wir auch. Wir müssen diskutieren, wieso so viele Frauen in Teilzeit oder schlechter vergüteten Jobs arbeiten, wieso sie sich für Branchen interessieren, die schlechter bezahlen. Es kann nicht sein, dass Menschen mit dem gleichen Schulabschluss genauso gut ausgebildet sind und ähnlich anstrengende Jobs haben, aber der eine wesentlich mehr bekommt als die andere. Warum verdient ein Müllwerker mehr als eine Krankenschwester? Warum bekommt er eine Zulage für das Heben schwerer Lasten und die Altenpflegerin nicht? Es geht darum, zu diskutieren und nachvollziehbar zu machen, wie Arbeit bewertet wird.

KarriereSPIEGEL: Es ist also nicht nur eine Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, sondern zwischen Berufen - weil der Ingenieur mehr verdient als die Bibliothekarin?

Platen: Absolut. Faire Bezahlung heißt: Gleiche und gleichwertige Arbeit müssen gleich vergütet werden. Und weil die kreativen oder sozialen Branchen mehr Frauen anziehen, trifft auch vor allem sie die schlechtere Bezahlung.

KarriereSPIEGEL: Das Institut der Wirtschaft ermittelte aber ein bereinigtes Gender Pay Gap von zwei Prozent.

Platen: Erstens haben diese Studien eine wesentlich kleinere Datenbasis als die des Statistischen Bundesamtes. Und zweitens kann man die kritischen Faktoren wie Branche, Arbeitszeit, Minijobs oder Karrierepausen natürlich alle rausrechnen. Damit zeigt man, dass man die Ursachen erkannt hat, die Lohnungerechtigkeit ausmachen - aber behoben hat man sie damit nicht! Wir rechnen das bewusst rein. Alles andere hilft uns nicht weiter. Es geht um die gesellschaftliche Situation, dass Frauen so viel schlechter bezahlt werden als Männer. Klar kann man jetzt sagen: Dann sollen sich die Frauen doch für MINT-Berufe interessieren. Aber: Wer pflegt dann? Ist es nicht toll, dass Frauen diese Berufe machen? Sollten sie dafür nicht fair entlohnt werden? Warum wertschätzen wir bestimmte Arbeiten nicht?

KarriereSPIEGEL: Um noch mal zur Friseurin und dem Dax-Chef zurückzukommen…

Platen: Ein sehr gutes Beispiel übrigens: Bei Führungskräften beträgt der Gehaltsunterschied 30 Prozent. Bei Berufseinsteigern ist er wesentlich geringer.

KarriereSPIEGEL: Dann Müllwerker und Krankenschwester: Hier gibt es Tarifverträge. Kann es sein, dass Frauen nicht nur individuell, sondern auch kollektiv schlechter verhandeln?

Platen: Ich möchte weg davon, dass es immer heißt: Frauen verhandeln so schlecht. Das gibt ihnen die Schuld. Das stimmt so nicht - sie verhandeln ja komplett im Dunkeln, die Basis ist nicht bekannt. Und da sind wir wieder bei der Transparenz: Wie soll man gut verhandeln, wenn man nicht weiß, was ein adäquates Gehalt wäre für den Job? Frauen sind dann oft weniger selbstbewusst und steigen zu niedrig ein.

KarriereSPIEGEL: Und die Tarife?

Platen: Die sind über Jahrzehnte gewachsen, so schnell bekommt man hier eine Angleichung nicht hin. Deshalb mein Wunsch, dass die Leute tatsächlich über ihr Gehalt reden. Dass man mal zum Kollegen hingeht und sagt: Ich verdiene soundsoviel brutto - und du? Dann sieht man, ob man ins Gespräch kommt. Nur auf die Statistik zu gucken, bringt wenig. Reden Sie drüber - hier kann jeder anfangen, etwas zu bewegen.

Gehaltsreport 2015

Und so geht's:

  • Die Umfrage richtet sich an Berufstätige aller Branchen, Fachrichtungen und Positionen. Sie beantworten rund 40 Fragen zu Ihrer Gehaltsentwicklung, eventuellen Kürzungen und Perspektiven. Außerdem bitten wir Sie zu statistischen Zwecken um einige Angaben zur Person.
  • Alle Angaben sind streng vertraulich und werden nicht an Dritte weitergegeben. Persönliche Daten (Name, E-Mail-Adresse) werden SSL-verschlüsselt und streng getrennt von den Antworten auf die Gehälterfragen erfasst. Auch die Redaktion des manager magazins und die Mitarbeiter von XING können keine Verbindung herstellen.
  • Nach Abschluss der Aktion senden wir Ihnen auf Wunsch eine individuelle Auswertung als PDF zu, der Sie Ihre persönliche Position im Gehaltsgefüge entnehmen können und die Ihnen als Benchmark innerhalb Ihrer Branche oder Ihres Aufgabenfeldes dienen kann. Diese E-Mail wird automatisiert erstellt, Ihre Daten bleiben vertraulich. Auch die Mitarbeiter von manager magazin und XING haben keine Einsicht in diese E-Mails.

Unter den Teilnehmern werden fünf XING-Premiummitgliedschaften für ein Jahr sowie 10 Jahresabos des manager magazins verlost.

Der Gehaltsreport ist eine Aktion von manager magazin und XING.

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Die Befragung für den Gehaltsreport 2015 ist beendet.
Die Ergebnisse finden Sie in der Ausgabe 6/2015 des manager magazins.

Melden Sie sich bei Fragen per E-Mail an: gehaltsreport@manager-magazin.de
Antworten auf häufige Fragen finden Sie auch in den FAQ.

Auf KarriereSPIEGEL, dem gemeinsamen Portal von SPIEGEL ONLINE und manager magazin, finden Sie zahlreiche Artikel, die sich dem Thema Gehalt aus unterschiedlichen Perspektiven nähern. Darunter Interviews mit Experten, Tipps für Gehaltsverhandlungen oder wissenschaftliche Analysen zur Psychologie des Geldes.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Timo Schöber 06.02.2015
Das Gehalt sollte immer in einem sinnvollen Verhältnis zur Tätigkeit, Verantwortung und Qualifikation stehen. Alles andere ist Mumpitz.
2.
Phil2302 06.02.2015
Diesen Artikel sollte man sich ausdrucken und in goldener Farbe über dem eigenen Bett einrahmen! Ich habe es schon einmal vor Jahren in einer Masterarbeit gelesen und wunderte mich jedes mal, wieso die Medien es nicht korrekt darstellen. Es gibt nämlich gar keinen Unterschied in der Bezahlung von Männern und Frauen. Wenn, wie im Artikel beschrieben wird, entsprechende Faktoren, die niemals verglichen werden dürften, mit hereingerechnet werden, dann ist das nur als Aufmacher in der Emma gut - ansonsten kann man damit nicht ernst genommen werden. Nun zur Frage, wieso der eine mehr verdient als der andere: Auch mir ist es bei manchen Dingen schleierhaft, insbesondere das angesprochene Beispiel mit der Krankenschwester, die meiner Meinung nach völlig unterbezahlt sind. Aber: Dass ein Ingenieur mehr verdient hat seine Berechtigung, schließlich hat er ein bockschweres Studium hinter sich. Eine Friseurlehre zu bestehen kann nahezu jeder, das Studium nicht. Dazu kommt: Jeder hat, wenn er mit 16 oder 18 in die Berufswelt startet, die Chance, sich über Bezahlung in jeweiligen Berufen zu informieren. Damit steht jedem frei, die eigene Gradwanderung zwischen Gehalt und Spaß am Job zu finden. Zusammenfassend finde ich den Standpunkt von Frau von Platen somit falsch. PS: Schön zu sehen, dass einmal jemand erkennt, dass neue Maßnahmen Zeit brauchen, um zu wirken. Wird bei "wir brauchen mehr Professorinnen und Frauen im Vorstand" ja gerne vergessen, dass das nicht in 5 Jahren realisierbar ist. Wenn ich 5 Jahre lang in gleichem Anteil einstelle, kann ich dadurch nicht 40 Jahre Männerüberschuss ausgleichen. Weswegen eine Quotenregelung auch Unsinn ist.
3. Frauen verdienen weniger
Mannheimer011 06.02.2015
weil in erster Linie in den Berufen weniger gezahlt wird und nicht weil sie eine "Frau" sind. Was soll der Quatsch? Habt ihr mal in der Redaktion verglichen?
4. Kreative Frauenarbeit
uventrix 06.02.2015
"Und weil die kreativen oder sozialen Branchen mehr Frauen anziehen, trifft auch vor allem sie die schlechtere Bezahlung." Jetzt mal ausgenommen der sozialen Branchen die tatsächlich viel zu schlecht bezahlt werden unabhängig von Mann und Frau... Wer soll jetzt die Schuld daran haben, dass Frauen sich diese "kreativen" Jobs aussuchen? Das ist eine Hungerlohnbranche wenn man nicht besonders gut ist und das soll man jetzt ändern weil... ja was ... weil kreative Frauenarbeit aufgewertet werden muss? Wie viel Wert ist denn Kreativität? "Sie vergleichen den Bruttostundenlohn aller berufstätigen Männer mit dem aller berufstätigen Frauen, branchen- und positionsübergreifend. Wie seriös ist diese Darstellung?" Diese Darstellung ist so viel Wert wie durchschnittliche kreative Frauenarbeit - sehr wenig. Ist das Vielleicht Teil des Problems? ;) Was wäre jetzt mein Fazit aus dem Artikel? -->Mehr Frauen in die Müllbranche! Und das Problem der Frau Platen ist gelöst, oder?
5. Immer derselbe Wischiwaschi
Esib 06.02.2015
Das typische Geschwätz mit einem Unterschied: Frau Platen bekennt, dass die 22% eben nicht bei gleicher Arbeit sind, sondern nur, wenn man Pik-As mit Aspik vergleicht. Doch anschließend versucht sie wieder, auf ihre ewige Leier von der Gehaltsdifferenz bei gleicher Arbeit zurückzukommen, Zitat aus dem Artikel: ---Zitat--- Faire Bezahlung heißt: Gleiche und gleichwertige Arbeit müssen gleich vergütet werden. ---Zitatende--- Richtig Frau Platen: Gleiche Arbeit muss gleich vergütet werden - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und unterschiedliche Arbeit schon gleich gar nicht - es sei denn, man will kommunistische Gleichmacherei. Hatten wir schon mehrfach, ist immer wieder schief gegangen. Man rudert jetzt langsam zurück, nachdem man Jehrzehntelang dreist und permanent die falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt hat, diese Differenz sei bei gleicher Arbeit, will aber sein Steckenpferd, an dem auch das eigene Gehalt hängt, trotzdem weiterreiten. Ich betrachte diesen "Equal Pay Day" als extrem verlogene Veranstaltung.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Gehaltsreport 2015
  • Wo stehen Sie im Vergleich zu Ihren Kollegen und innerhalb Ihrer Branche? Die Ergebnisse des Gehaltsreports 2015 finden Sie in der Ausgabe 6/2015 des manager magazins.
  • Jetzt direkt zur digitalen Ausgabe
Fotostrecke
Spitzengehälter weltweit: Wie viel (mehr) Geld Chefs verdienen

Fotostrecke
Vorsicht Falle: Die zehn schlimmsten Fehler im Gehaltspoker
Was bedeutet...
...Equal Pay Day?
Corbis

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der laut Statistischem Bundesamt aktuell 22 Prozent in Deutschland beträgt. Umgerechnet ergeben sich daraus 79 Tage, die Frauen zum Jahresanfang umsonst arbeiten müssen: 21,6 Prozent von 365 Tagen = 79 Tage. Der nächste Equal Pay Day findet am 20. März 2015 statt.
...Gender Pay Gap?
Das ist der Fachbegriff für die Bezahlungsunterschiede zwischen Männern und Frauen. Die Angaben dazu klaffen weit auseinander, je nachdem welche Faktoren man wie stark gewichtet oder ganz herausrechnet. Dazu zählen zum Beispiel der Einfluss von Babypausen, von Teilzeitarbeit oder der beruflichen Vorlieben von Frauen und Männern.

Verwandte Themen

Einkommens-Quiz

Social Networks