Gehaltsvergleich Wo Beamte am meisten Geld bekommen

Typisch Föderalismus: Ein Beamter derselben Besoldungsstufe verdient am Wannsee 5700 Euro weniger als am Chiemsee. Ein neuer Report zeigt, wie groß die Unterschiede sind.

DPA

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Wer Beamter werden möchte und die freie Wahl hat, sollte entweder nach Bayern gehen oder beim Bund anheuern - denn dort gibt es die höchsten Gehälter. Das geht aus dem aktuellen Besoldungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor.

Demnach liegt das Jahresgehalt für Beamte der Gehaltsstufe A13 im Durchschnitt bei 59.793 Euro pro Jahr. Bei den Ländern gibt es zwei Ausreißer: Bayern ist das Bundesland, das am besten bezahlt (62.736 Euro), Berlin zahlt am schlechtesten (57.061 Euro). Wer Beamter bei einer Bundesbehörde ist, verdient deutlich mehr (63.974 Euro).

So viel verdienen Beamte in Bund und Ländern nach Besoldungsgruppe A13
DGB

So viel verdienen Beamte in Bund und Ländern nach Besoldungsgruppe A13

Woran liegt das? Länder und Bund können in Deutschland die Besoldung ihrer Beamten frei festsetzen. "Damit sind Beamtengehälter für jeden Finanzminister auch immer eine Manövriermasse, wenn er sparen muss", erklärt Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Dagegen gibt es keinen zwingenden Zusammenhang mit den Preisniveaus der Länder. Zum Beispiel verdienen Hamburger Beamte eher durchschnittlich, leben aber in einer Gegend mit sehr hohen Lebenshaltungskosten. Zwar zahlen einige Länder Ballungsraumzulagen, etwa für Beamte in München. Den großen Abstand Bayerns, wo die große Mehrheit jenseits solcher Ballungsräume arbeitet, erklärt das aber nicht.

Gewerkschaften können für Beamte keine Tarifverträge abschließen. Die Staatsdiener müssen sich darauf verlassen, dass ihre Dienstherren die Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst auf sie übertragen. Das gilt auch für die gerade abgeschlossene Tarifrunde für die Angestellten im Landesdienst, deren Gehälter rückwirkend zum 1. Januar um zwei Prozent und 2018 um weitere 2,35 Prozent steigen.

So viel verdienen Beamte in Bund und Ländern nach Besoldungsgruppe A7
DGB

So viel verdienen Beamte in Bund und Ländern nach Besoldungsgruppe A7

Berlin ist das beste Beispiel, wie Sparzwang und Beamtensold oft zusammenhängen: Das Land ist seit Langem überschuldet und hatte deshalb die Beamtengehälter ab 2004 eingefroren. Außerdem wurden auch weitere Leistungen für Beamte gekürzt, etwa die Beihilfen zur Krankenversicherung.

Allerdings bleibe das Sparen nicht ohne Folgen, warnt Brenke: "Irgendwann schlägt sich das in der Produktivität der Verwaltung nieder. Wir erleben schon jetzt, dass Behörden bei der Qualifikation von Beamten Probleme haben."

Ein Report des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) kam im vergangenen November zu dem Schluss, dass bundesweit 110.000 Stellen im öffentlichen Dienst fehlen und jährlich rund 115.000 Stellen aus Altersgründen nachbesetzt werden müssen. Diese Zahlen umfassen allerdings den gesamten öffentlichen Dienst, nicht nur Beamte.

So viel verdienen Beamte in Bund und Ländern nach Besoldungsgruppe A9
DGB

So viel verdienen Beamte in Bund und Ländern nach Besoldungsgruppe A9

Gerade in Berlin ist der Konkurrenzdruck hoch: Ohne Umzug können viele Beamte auch für das Land Brandenburg arbeiten, oder sie bemühen sich gleich um Stellen in Bundesbehörden, von denen viele in Berlin sitzen. Deshalb hat das Land längst die Kehrtwende begonnen - inzwischen ist Berlin wieder Mitglied der Tarifgemeinschaft der Länder.

Weil das Land nach wie vor große Probleme hat, etwa genügend Lehrer anzuwerben, steigen die Gehälter seit ein paar Jahren wieder. Zuletzt lagen die Steigerungsraten sogar über den Tarifabschlüssen der Angestellten im öffentlichen Dienst.

Bis das Land zu den anderen aufschließt, wird es aber noch ein paar Jahre dauern. Und mit den Angeboten für Bundesbeamte wird Berlin auch auf lange Sicht nicht gleichziehen können: Die Versorgung der Beamten macht in den Haushalten aller Länder einen viel größeren Anteil aus. Außerdem muss sich der Bund um bestimmte Berufsgruppen gar nicht kümmern, für die die Länder viel Geld ausgeben: Es gibt zum Beispiel keine Bundeslehrer oder kaum Bundesprofessoren.

Die Grafiken zeigen die Vergleichsgehälter für die Besoldungsgruppen A13, A7 und A9. Die Eingruppierung jedes Beamten orientiert sich an der Aufgabe und der Verantwortung in seiner Position. Mit diesen drei Gruppen werden Beispiele aus dem mittleren, gehobenen und höheren Dienst gezeigt. Den DGB-Berechnungen liegen das Grundgehalt in der Endstufe, allgemeine Stellen- und Strukturzulagen sowie Sonderzahlungen zugrunde.

Mit Material von dpa


Korrekturhinweis: Ursprünglich hieß es in diesem Text, es gebe gar keine Bundesprofessoren. Das ist falsch, auch wenn es nur sehr wenige gibt, etwa an Bundeswehrhochschulen.

insgesamt 128 Beiträge
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MKAchter 27.02.2017
1. Vergleich
Der Wannsee-Chiemsee-Vergleich klingt zwar ganz nett. Man sollte allerdings auch nicht vergessen, dass das Leben, also insbesondere das Wohnen, im Raum Berlin einiges preisgünstiger ist als im Raum München.
Hollowmen 27.02.2017
2. ...
Und in Hof an der Saale ist es auch wesentlich günstiger zu leben als am Prenzlauer Berg. Das kann das Kriterium also nicht sein und wird innerhalb Bayerns auch durh Ballungsraumzuschläger (versucht) auszugleichen.
Fxxx 27.02.2017
3. Überbezahlt sind viele Beamte!
In meinen Augen sind viele der Beamten überbezahlt. Die Angabe der Bruttobesoldung hier ist irreführend. Was am Ende netto rauskommt ist entscheidend. Ein Beamter spart sich Sozialabgaben wie Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung und er und seine Kinder werden gesundheitlich von der Beihilfe versorgt. Wo sich der normale Arbeitnehmer seine Berufsunfähigkeit und mäßige Rente absichern muss kann sich der Beamte auf den Steuerzahler verlassen. Alles in allem verdienen netto selbst einfache Beamte soviel wie gut bezahlte Fachkräfte, ohne viel leisten zu müssen. Da macht es keinen großen Unterschied, ob es regional ca. 2000€ Unterschied gibt.
Rooo 27.02.2017
4. Bayern ist aber nicht gleich München
Bayern ist aber nicht gleich München. Sie bekommen als bayerischer Landesbeamter genau so viel in Hof und viel günstiger geht es nicht mehr in Deutschland. Bundesbeamte sind nur dann besonders bevorteilt, wenn die Behörde irgendwo ist, wo die Löhne niedrig sind. Meist sind die aber in den Großstädten und Ballungsräumen. Lehrer und normale Verwaltungsbeamte dagegen gibt es auch massig in der Fläche.
niska 27.02.2017
5.
Die Lebenshaltungskosten am Chiemsee sind auch um einiges höher als die in Berlin. Wäre schlimm, wenn bei der Besoldung nicht darauf reagiert würde.
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