Bloggen als Beruf Geld verdienen im Netz? Ja, klappt!

Nach dem Gehalt fragt man nicht. Warum eigentlich? Einige Blogger veröffentlichen jeden Monat ihre Einnahmen - und ihr Minus auf dem Konto. Peer Wandiger sammelt die Zahlen. Und kann gut davon leben.

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Der Mai endete für Florian Blümm mit einem Minus. 810 Euro hatte er ausgegeben, für Essen, Trinken, Fliegen und Übernachten - und nur 77 Euro verdient. 52 Euro mit dem Verkauf von Fotos, 11 Euro über Links von seinem Blog auf die Webseite von Amazon und 14 Euro hatten ihm Freunde gespendet. Was am Monatsende auf seinem Konto übrig bleibt, kann man online nachlesen, jeden Monat. Blümm, 34, gibt gern Einblick in seine Finanzen. Seinen Job als Softwareentwickler hat er 2011 gekündigt, seither ist er als digitaler Nomade unterwegs und lässt andere daran teilhaben, wie weit er mit wie viel Geld kommt.

Fragen nach dem Gehalt sind in Deutschland sogar unter Freunden häufig tabu. Dabei gibt es für viele Menschen kaum ein interessanteres Thema. Gibt man bei Google die Schlagworte "Geld verdienen" ein, schlägt die Suchmaschine sofort die Ergänzungen "im Internet", "online" und "mit Facebook" vor. Auch Peer Wandiger hat diese Wortkombination gegoogelt. Acht Jahre ist das jetzt her, damals wagte der Webentwickler gerade den Schritt in die Selbstständigkeit. Mittlerweile ist sein Blog bei der Stichwortsuche "Geld verdienen im Internet" der erste von mehr als vier Millionen Treffern.

Jeden Monat veröffentlicht er hier die Einnahmen von zehn bis 20 Bloggern. Manche melden sich bei ihm, um in die Liste aufgenommen zu werden, andere Auskunftswillige googelt er. Einige sind schon seit Jahren dabei, so wie Florian Blümm. Er hatte sich 2011 eine Auszeit für eine Weltreise genommen, und als er nach 14 Monaten zurückkam, wollte er "einfach nur wieder weg". Als Softwareentwickler kann man überall arbeiten, dachte er - und zog wieder los. Doch die Jobs, die er auf Online-Projektbörsen ergatterte, waren mies bezahlt, die Internetverbindung oft wacklig.

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Digitale Nomadin: Arbeiten kann man überall
Ein ganzes Jahr verging in dem Rhythmus Reisen - Arbeitspause - Reisen. "Aber ich war weder Reisender noch digitaler Nomade", sagt Blümm. "Andere Reisende lagen am Strand, ich saß im Hostel am Laptop. Andere digitale Nomaden arbeiteten konzentriert To-do-Listen ab, ich saß nach einem langen Reisetag im Gemeinschaftsraum." Eine neue Geschäftsidee musste her: Geld verdienen mit Bloggen.

Mit seinen 77 Euro landet Blümm in der Einkommensliste von Peer Wandiger im Mai auf Platz 16 von 17. Spitzenreiter des Monats ist Adrian Anger, der auf seinem Blog wie Wandiger Tipps zum Geldverdienen im Netz gibt. Allein mit bezahlten Artikeln und verkauften Backlinks hat Anger im Mai 506 Euro eingenommen. 1000 US-Dollar gab es für die Vermittlung von zwei Usern, die sich bei einer Aktienplattform angemeldet haben. Insgesamt kommt er so auf Einnahmen in Höhe von 1650,33 Euro.

"Es gibt Blogger, die weit mehr verdienen", sagt Wandiger. "Die reden aber nicht so gern darüber, zumindest in Deutschland." In seiner Einnahmenliste der englischsprachigen Blogs kommen einige umgerechnet auf mehr als 50.000 Euro im Monat. "Aber auf Englisch erreicht man natürlich auch viel mehr Leute." In Deutschland seien vor allem Schnäppchen-Blogs eine lukrative Einnahmequelle.

Wandiger selbst war einer der ersten deutschen Blogger, der seine Einnahmen und Ausgaben öffentlich ins Netz gestellt hat. "Wenn man übers Geldverdienen schreibt, liegt das nahe", sagt er. "Man kann ja schlecht anderen erzählen, wie das funktioniert, wenn es bei einem selbst nicht klappt."

Wie man im Internet Geld verdient

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Das meiste Geld bekommt er für erfolgreiche Produktempfehlungen, im Fachsprech Affiliated Marketing: Wird jemand durch seinen Blog auf ein Produkt aufmerksam und kauft es, kriegt Wandiger eine Provision. Seine zweitwichtigste Einnahmequelle: Pay-per-Click-Werbung. Hier wird jeder Klick eines Lesers auf eine Werbefläche belohnt. Von Firmen gesponserte Artikel runden die monatlichen Einnahmen auf.

Wandiger kommt so auf ein solides Angestelltengehalt, die genauen Zahlen hält er mittlerweile geheim. "Zum einen tut sich da nicht mehr viel, zum anderen ruft das auch Neider auf den Plan, da habe ich keine Lust mehr drauf", sagt er. Sein Tipp für alle Neueinsteiger: Bloß nicht auf den schnellen Reichtum hoffen. "Bis man mit Bloggen ein Vollzeiteinkommen erzielt, dauert es locker drei bis vier Jahre."

Auf seiner monatlichen Einnahmenliste hat er viele Namen kommen und gehen sehen. "Ohne Durchhaltevermögen schafft man es nicht", sagt er. Auch für ihn sei die erste Zeit als Existenzgründer hart gewesen, erst nach einem halben Jahr habe sein Blog überhaupt Geld abgeworfen. "Und der Markt wird immer enger."

In Zeiten, in denen von der Bonsaipflege bis zur Verhütung zu jedem erdenklichen Thema gebloggt wird, ist es schon schwierig, überhaupt noch eine zündende Idee für einen Blog zu finden. Und die allein reicht noch nicht: "Wenn man damit Geld verdienen will, sollte man im Vorfeld recherchieren, welche Klickpreise ähnliche Blogs mit Werbung erzielen", sagt Wandiger.

Florian Blümm arbeitet im Moment an einem Buch übers günstige Reisen. "Ob dieser Weg finanziell aufgeht, wird sich zeigen", sagt er. Seinen alten Traum hat er immer noch: durch die Welt ziehen und dabei Geld verdienen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
alfred.e.baumann 28.07.2014
1. Wasser predigen....
---Zitat--- Wandiger kommt so auf ein solides Angestelltengehalt, die genauen Zahlen hält er mittlerweile geheim. "Zum einen tut sich da nicht mehr viel, zum anderen ruft das auch Neider auf den Plan, da habe ich keine Lust mehr drauf", sagt er ---Zitatende--- ...und Wein trinken. Er posaunt die Verdienste anderer heraus, behält seinen eigenen Verdienst aber für sich. Ist natürlich sein gutes Recht (mache ich ja auch nicht anders) Aber einen seltsamen Beigeschmack hat das schon irgendwie...
Hokuspokus 28.07.2014
2. Das Problem hierbei ist...
..daß, wenn man seine Einkünfte und Blogs veröffentlicht, sofort andere versuchen die Präsenz zu kopieren und somit einen Teil des Geldstroms für sich abzuzweigen. Das Internet ist da gnadenlos. Es dauert nur Stunden und die eigene Arbeit ist ruiniert. Ich komme mit Blogs auf ein mittleres Angestellteneinkommen, aber es gibt da immer saisonale und thematische Schwankungen. Als Angestellter in der IT Branche war es wesentlich mehr, allerdings nicht so schön von zuhause aus, bei freier Zeiteinteilung und gleichzeitiger Kinderbetreuung. Gedauert hat es mehrere Jahre Aufbauzeit und wie lange das so läuft weiß kein Mensch. Erste Regel zum Geldverdienen mit Blogs ist aber: Erzähle keinem wie viel dabei rum kommt und wie du es machst! Bloggen und Geldverdienen funktioniert nur nach dem Prinzip: Ein Gentlemen genießt und schweigt.
Wololooo 28.07.2014
3.
Das Geld im Internet derzeit liegt bei youtube. Blöderweise ist das Publikum aber meist minderjährig, weswegen man in DE dort meist nur mit albernem Quatsch erfolgreich werden kann.
george.dashwood 28.07.2014
4. Who cares?
Man muss wohl ein gesundes Selbstbewusstsein besitzen um zu glauben, daß seine alltäglichen Belanglosigkeiten andere Menschen interessieren.
z_beeblebrox 28.07.2014
5.
---Zitat von SPON--- Spitzenreiter des Monats ist Adrian Anger ... insgesamt kommt er so auf Einnahmen in Höhe von 1650,33 Euro. ---Zitatende--- Wow! Was für ein gewaltiges Einkommen - davon noch Miete zahlen, Sozialversicherungen etc. pp. ff. Er lebt dann von wem? Traurig, einfach nur traurig. ---Zitat von SPON--- Es gibt Blogger, die weit mehr verdienen", sagt Wandiger. "Die reden aber nicht so gern darüber, zumindest in Deutschland." In seiner Einnahmenliste der englischsprachigen Blogs kommen einige umgerechnet auf mehr als 50.000 Euro im Monat. ---Zitatende--- Ja, das glaube ich unbesehen ;) Genau solche Stories: "mehr als 50.000 Euro im Monat" werden kolportiert, um sich selber wichtig zu machen und andere zu verleiten ... An den Großverdiener mit seinen mal 1650,33 Euro / Monat glaube ich eher als an diese Superverdiener á la "mehr als 50.000 Euro im Monat". Selbst gut vernetzte, seriöse Journalisten - vor allem die vielen Freien - können froh sein, wenn sie mit dem Verdienst einigermaßen über die Runden kommen. In der Regel leben sie daheim bei den Eltern oder von ihren Ehepartnern. Die Zeiten, in denen man noch gutes Geld verdienen konnte, sind seit Ende 2008 vorbei.
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