Generation Y Die Gewinner des Arbeitsmarkts

Christian O. Bruch

Von Eva Buchhorn und

4. Teil: "Viele Kandidaten haben traumtänzerische Vorstellungen"


Meist wird erst im Team diskutiert, anschließend am Computer gerechnet, dann herrscht ständiger Austausch via Videokonferenz, SMS oder Twitter mit den europäischen Kollegen. Kommunikativ, schlau und vor allem kritisch - hier kann die Generation Y ausspielen, was sie auszeichnet. Sie soll es sogar: "Wenn man aus hierarchischen Gründen den Mund nicht aufmacht und Fehler unbemerkt bleiben, fliegt der Satellit nicht", meint Renk trocken.

Die Antworten der Unternehmen auf die Mixtur aus Leistungsdenken und ausgeprägtem Faible für weiche Faktoren fallen bislang oft noch recht erratisch aus: Manche, wie die BASF, veranstalten Bewerbermessen im Internet oder geben twitterähnliches Micro-Feedback wie einige Softwarefirmen, in den USA gibt es bereits "directors of next generation initiatives", die bei Konflikten vermitteln sollen. "In vielen Firmen fehlt aber eine klare Linie und oft sogar das Begreifen, was diese Generation überhaupt will", bilanziert Generationenexperte Ralf Overbeck, der derzeit viel im Land unterwegs ist, um Unternehmen auf die jugendliche Macht vorzubereiten.

Ein Weltkonzern wie Siemens etwa muss sich daran gewöhnen, dass eine junge Ingenieurin wie Christina Riechers sich nicht nur von der technologischen Exzellenz angezogen fühlt, sondern auch in puncto Frauenförderung genau nachfragt. Immerhin belegt Siemens in der Trendence-Umfrage Platz eins bei den Ingenieurinnen - und Riechers hat schon während ihres Wirtschaftsingenieurstudiums im konzerneigenen Yolante-Netzwerk ("Young Ladies' Network of Technology") das Unternehmen schätzen gelernt. "Sollten irgendwann Kinder kommen, bin ich sicher, dass ich hier bestens unterstützt werde", sagt die Logistikprozessplanerin.

Hohe Ansprüche trotz einiger Defizite

Natürlich will sie bald auch selbst Projekte leiten, "nicht auf einer Stufe stehenbleiben", aber dass der Facebook-Auftritt von Siemens ordentlich war, die Atmosphäre am Standort Nürnberg stimmt und die Firma ihr einen Französischlehrer und Rhetorikkurs spendiert, das hat ihr auch gefallen.

Die Frage ist, ob sich das intensive Werben der Unternehmen um den Nachwuchs auszahlt. "Viele Kandidaten haben traumtänzerische Vorstellungen", meint Alexandra Beisch von der Saphir-Personalberatung der Steinbeis-Hochschule. Sie erinnert sich an eine Episode bei einem Mittelständler, dessen Besitzer von einem jungen Mann im Vorstellungsgespräch spontan aufgefordert wurde, bitte den Firmensitz zu verlegen - das jetzige Gebäude sei nicht schön genug.

Auch abseits schrulliger Anekdoten, so verlautet es aus vielen Personalabteilungen, startet die Generation Y trotz hoher Ansprüche mit einigen Defiziten. Die Unlust etwa, sich intensiv in ein Thema einzuarbeiten - wozu, wenn man schnell bei Wikipedia nachschlagen oder jemanden bei Facebook fragen kann? "Viele lernen nicht für sich, sondern nur für die nächste Prüfung. Das kann zu Oberflächlichkeit verführen", sagt Personalexperte Trost.

Oder die oft beklagte mangelnde Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen - obwohl sie Feedback einfordern, reagieren die an Lob gewöhnten Trophy Kids auf Kritik eher sensibel. Da passiert es schon mal, dass ein Vorgesetzter, der einen Mitarbeiter wegen einer verpassten Deadline zur Rede stellt, die Antwort erhält: "Wieso? Sie haben mich eben nicht rechtzeitig daran erinnert."

Gerade wegen des selbstverständlichen Umgangs mit der Technik, warnt Buchautor Parment, seien soziale Kompetenzen im Alltag bei vielen unterentwickelt. Oder die Frage, wer eigentlich künftig führen soll: Haben die aktuellen Chefs aus der Babyboomer-Generation öfter ein Defizit bei den Soft Skills, fehlen den Ypsilonern häufig Biss und Mut zu unpopulären Maßnahmen. Und schließlich: Weil die Jungen sich schnell langweilen, fürchten viele Personaler einen Anstieg der Fluktuation.

insgesamt 239 Beiträge
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Arion's Voice, 07.06.2011
1. Oh Gloria
Zitat von sysopQualifiziert,*selbstbewusst, extrem anspruchsvoll*-*junge Berufsanfänger ändern Kultur und Alltag in den Unternehmen. Was treibt die Nachwuchskräfte an, was ist ihnen wichtig? Und wo wollen sie am liebsten arbeiten? Ein Blick auf die Generation des schnellen Aufstiegs. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,766883,00.html
Und wieder eine Glorifizierung der Generation Burnout/Sellout. INSM-Artikel?
sagmalwasdazu 07.06.2011
2. Was sie " auszeichnet" ?
Nunja , die Bereitschaft , jegliche Art von Moral , Anstand und Solidarität schlicht über Bord zu werfen . Das Phänomen gibt es bereits seit ca. 15 Jahren . Sie wären bereit , Vater und Mutter(als Generation) die schlimmsten Arbeitsverhältnisse zuzumuten , um ihrer Karriere willen . *Nichts ist ihnen mehr Heilig * , keine Heimatstadt , kein Heimatland ...einfach nichts mehr . Sie sind Söldner der Kapital und Gewinnoptimierung . Vorübergehend das Tool der Kapitalhalter ! Aber nur für eine gewisse Zeit ...! ;-))
shokaku 07.06.2011
3. Wenn nur die dumme Realität nicht wär
Zitat von sysopQualifiziert,*selbstbewusst, extrem anspruchsvoll*-*junge Berufsanfänger ändern Kultur und Alltag in den Unternehmen. Was treibt die Nachwuchskräfte an, was ist ihnen wichtig? Und wo wollen sie am liebsten arbeiten? Ein Blick auf die Generation des schnellen Aufstiegs. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,766883,00.html
Irgendwie will das so gar nicht zu den Berichten aus Spanien und Italien passen.
Arion's Voice, 07.06.2011
4. Bitte "selbstsicher" verwenden - ich zucke immer zusammen
Zitat von sysopQualifiziert,*selbstbewusst, extrem anspruchsvoll*-*junge Berufsanfänger ändern Kultur und Alltag in den Unternehmen. Was treibt die Nachwuchskräfte an, was ist ihnen wichtig? Und wo wollen sie am liebsten arbeiten? Ein Blick auf die Generation des schnellen Aufstiegs. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,766883,00.html
Schön wäre übrigens der Begriff "selbstsicher" statt "selbstbewusst". Umgangssprachlich zwar noch an der Grenze, diese Verwendung, aber im eigentlichen Sinne ist Selbstbewusstsein das, was Menschen und einige Tiere ausmacht: die Erkenntnis der eigenen Persönlichkeit.
Tolstoi-ulm 07.06.2011
5. Dr. h.c.
Zitat von shokakuIrgendwie will das so gar nicht zu den Berichten aus Spanien und Italien passen.
Wenn sie genauer gelesen hätte, trifft dies auf die wirklich begehrten und talentierten Nachwuchskräfte zu. Kann ich so aus persönlicher Erfahrung aber auch bestätigen. Die hier angesprochene Office-Time ist in vielen Unternehmen sowieso ein Kapitalkiller. Wozu Leute Stundenlang im Büro sitzen lassen, wenn sie nichts zu tun haben? Stattdessen so flexibel halten, dass sie, wenn nötig auch kurz um von zu Hause alles erledigen können.
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