Sicherheitsbedenken Geschäftsreisende verschmähen Billigflieger

Geschäftsreisen in Luxusausstattung? Das war einmal, heute wird gespart. Viele Unternehmen buchen lieber Billigflieger statt Business Class. Doch laut einer neuen Studie sind Discount-Airlines bei Geschäftsreisenden verpönt - auch, weil sie sich bei ihnen nicht sicher fühlen.

Not eines Handlungsreisenden: Er mag's komfortabel, der Chef günstig
Corbis

Not eines Handlungsreisenden: Er mag's komfortabel, der Chef günstig


Geschäftsreise, das klingt nach Ledersitz und Alukoffer, nach schnellem Boarding und extrafreundlichem Personal. Aber so luxuriös sind längst nicht alle Geschäftsreisenden unterwegs. In Zeiten schrumpfender Reisebudgets schicken Unternehmen ihre Mitarbeiter schon mal im Billigflieger los - zum Leidwesen der Reisenden, wie eine Studie des Deutschen Reiseverbands (DRV) ergeben hat.

Von 220 befragten Geschäftsreisenden sagten 195, sie seien schon einmal mit einer Low-Cost-Airline geflogen - und 66 gaben an, ein mulmiges Gefühl gehabt zu haben, was den technischen Zustand der Maschine oder die Sicherheit an Bord betraf. Bei Linienfluggesellschaften fühlten sich nur 20 Prozent der Befragten unwohl. Überhaupt schenken Geschäftsreisende offenbar teureren Anbietern mehr Vertrauen: 88 Prozent der Befragten trauten eher Linienfluggesellschaften Sicherheit zu, bei Billigfliegern fühlten sich nur zwölf Prozent auf der sicheren Seite.

Auch was Pünktlichkeit und Service angeht, schnitten günstige Airlines in der Umfrage schlecht ab: So waren 61 Prozent der Nutzer von Low-Cost-Airlines schon einmal von Verspätungen betroffen, bei Linienfliegern waren es dagegen nur 46 Prozent.

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Business Travel Hacks: Tipps für die Geschäftsreise
Besonders ärgerlich wird es, wenn der Passagier draußen bleiben muss, weil die Maschine überbucht ist. 40 Prozent der Befragten, die mit einem Billigflieger unterwegs waren, ist das schon einmal passiert. Bei teureren Airlines musste ein Viertel der Befragten wegen Überbuchung schon einmal am Boden bleiben. Aber auch, wer es bis ins Flugzeug schafft, hat an Low-Cost-Carriern eher etwas auszusetzen: 45 Prozent der Befragten finden deren Innenausstattung nicht ansprechend, bei Linienfliegern sind es mit 21 Prozent nicht mal die Hälfte.

Auf Reisen auf sich allein gestellt

Stefan Vorndran, Vorsitzender des DRV-Ausschusses Business Travel, sieht in Low-Cost-Airlines trotzdem eine Alternative für Geschäftsreisende: "Das Unternehmen muss die Gesamtkosten aber sehr genau prüfen und abwägen, ob der Preis den geringeren Service und das höhere Risiko von Verspätungen rechtfertigt."

Egal ob Low-Cost-Linie oder teure Airline - falls es zu unvorhergesehenen Problemen kommt, wünscht sich ein Großteil der Mitarbeiter Unterstützung vom Arbeitgeber. 96 Prozent möchten über Streiks oder Extremwetter informiert werden. Aber nur jedes zweite Unternehmen tut das. Zudem gaben 45 Prozent der Befragten an, bei Krisen und unvorhergesehenen Problemen vor Ort auf sich allein gestellt zu sein. Sie müssen zum Beispiel selbst umbuchen oder Ersatzverbindungen suchen.

Wie viel Wert Mitarbeiter auf Unterstützung durch ihren Arbeitgeber bei Geschäftsreisen legen, ist unter anderem vom Alter und vom Geschlecht abhängig: 78 Prozent der Mitarbeiter unter 39 Jahren spekulieren bei ihrer Reiseplanung auf die Hilfe ihres Unternehmens, während nur 62 Prozent der älteren Geschäftsreisenden ab 40 bei der Reiseplanung unterstützt werden wollen. Im Geschlechtervergleich liegen die Frauen vorne: Für 76 Prozent aller weiblichen Befragten spielt das Thema Reisemanagement eine große Rolle hinsichtlich der Arbeitgeberattraktivität, im Vergleich zu 67 Prozent bei den Männern.

Für die Studie "Business Travel 2014" wurden im Auftrag des Deutschen Reiseverbands 220 Geschäftsführer, Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern befragt, die regelmäßig auf Geschäftsreisen sind.

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Malshandir 28.01.2014
1. Kann ich bestätigen
Gerade der Service, wenn etwas nicht glatt läuft, ist bei Billigairlines gleich Null trotz EU-bestimmungen. Diese interessieren da keinen. Und das Thema freundlichkeit, schnelles Boarding etc. ist inzwischen ein Reich der Mythen. Der Alltag der Vielflieger sieht anders aus. Nervige "Security" Checks an Flughäfen, launiges Personal, labbrige Brötchen, Verspätungen, unfreundliche Taxifahrer usw.
nick999 28.01.2014
2. Quatsch
Z.B. Ryanair läßt von Lufthansa warten. Für Geschäftsreisende ist viel entscheidender, das sie vom Flughafen schnell zum Ziel kommen. Bei Flughäfen in der Pampa ist das eher selten der Fall. Dienstlich bin ich auf eigenen Wunsch einmal Low Cost geflogen. Der Firma hat es 500€ gespart, mir hat es eine Ankunftszeit im Hotel von 7:00 abends statt 1:00 Nachts gebracht. So hatten beide was von.
waelder 28.01.2014
3. Vielflieger - Geschäftsreisen - Billigairlines
Dem Artikel fehlt eine Begriffserklärung. Was ist z.B. ein Vielflieger? Jemand, der wie ich, jedes Jahr mehr als 100.000 km fliegt, aber das mit nur drei, vier Flugreisen? Oder jemand, der jede Woche mehrmals zwischen Luxemburg und London pendelt? Wohlgemerkt sind beide Fälle Geschäftsreisen, die vom Arbeitgeber bezahlt werden. Und auch die Frage Business-Class (BC) oder nicht kann nicht pauschal beantwortet werden. Bin ich für längere Zeit in Nigeria, dann lohnt sich der höhere Preis für BC nicht. Bin ich aber für zwei Jahre auf den Salomonen und verbringe zwei Nächte im Flugzeug, dann muss es für mich schon BC sein. Und Ryanair ist im Vergleich zu beispielsweise AirAsia wirklich Holzklasse, nur das erstere auf Europa beschränkt ist, während die letztere Süd- und Südostasien bedient.
DonCarlos 28.01.2014
4. C- oder D-Checks?
Zitat von nick999Z.B. Ryanair läßt von Lufthansa warten. Für Geschäftsreisende ist viel entscheidender, das sie vom Flughafen schnell zum Ziel kommen. Bei Flughäfen in der Pampa ist das eher selten der Fall. Dienstlich bin ich auf eigenen Wunsch einmal Low Cost geflogen. Der Firma hat es 500€ gespart, mir hat es eine Ankunftszeit im Hotel von 7:00 abends statt 1:00 Nachts gebracht. So hatten beide was von.
Wartung und Pflege. Wartung bedeutet nicht, dass Lufthansa Technik die Flugzeuge ständig im Blick hat. Was zwischen den Checks passiert ist offen. Beim Auto bleibt es auch jedem selbst überlassen, ob er bei einem komisch schleifenden Geräusch an der Vorderachse vorzeitig die Werkstatt aufsucht oder nicht. Der TÜV bekommt davon nichts mit.
a-mole 28.01.2014
5.
Zitat von nick999Z.B. Ryanair läßt von Lufthansa warten. Für Geschäftsreisende ist viel entscheidender, das sie vom Flughafen schnell zum Ziel kommen. Bei Flughäfen in der Pampa ist das eher selten der Fall. Dienstlich bin ich auf eigenen Wunsch einmal Low Cost geflogen. Der Firma hat es 500€ gespart, mir hat es eine Ankunftszeit im Hotel von 7:00 abends statt 1:00 Nachts gebracht. So hatten beide was von.
zustimmung! Meißt scheitert es tatsächlich an den Pampaflughäfen. Aber ich gebe zu: Ryanair ist mir ein graus... gedrängel, geschiebe und stress - als ob am ende jemand stehen müsste oder so. Hier buche ich privat auch nur wenn es WIRKLICH substantiell ersparniss bringt - tut es meißt jedoch nicht wenn ich Gepäck und Pendelpreis einrechne.
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