Lohngerechtigkeit Firmen sind schlecht auf neues Gesetz vorbereitet

Das neue Gesetz zur Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen tritt in Kraft. Eine Untersuchung zeigt jetzt: Die Firmen haben sich dafür kaum gerüstet.

Frauen im Büro (Symbolfoto)
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Frauen im Büro (Symbolfoto)


Für Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern gilt in wenigen Tagen ein neues Gesetz. Es trägt den sperrigen Namen Entgelttransparenzgesetz. Doch offenbar sind die meisten betroffenen Firmen nicht darauf vorbereitet. Dies legt eine Studie der Unternehmensberatung EY nahe.

Für die Untersuchung wurden 206 Personaler von mittleren und größeren Unternehmen aus Maschinenbau, Automobilindustrie, Finanz- sowie Chemie- und Pharmabranche dazu befragt, was sie für die Gleichstellung von Männern und Frauen tun. Außerdem fragten die Interviewer ab, ob die Firmen darauf vorbereitet sind, über mögliche Lohnungleichheit Auskunft zu geben.

Denn dazu sind sie laut dem neuen Gesetz verpflichtet. (Das sind die wichtigsten Punkte des Lohnentgeltgesetzes im Überblick.) Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschäftigten müssen ihre Gehaltsstrukturen sogar regelmäßig überprüfen, um die Lohngleichheit einzuhalten, und darüber Berichte abliefern.

Das Gesetz geht auf einen Vorstoß von SPD-Familienministerin Manuela Schwesig zurück. Indem Mitarbeiter erfragen können, wie viel Gehalt ihre Kollegen für die gleiche Tätigkeit bei gleicher Qualifikation bekommen, soll die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen geschlossen werden. Derzeit bekommen Frauen im Schnitt sechs Prozent weniger Gehalt als Männer.

Als größte Herausforderung des Gesetzes betrachten die Personalverantwortlichen den individuellen Auskunftsanspruch - das heißt, dass sie Mitarbeitern nun mitteilen müssen, nach welchen Kriterien sich deren Gehalt zusammensetzt und wie viel eine Vergleichsgruppe des anderen Geschlechts verdient.

Beim Gehalt spielt Berufserfahrung nur selten eine Rolle

Trotzdem werteten die Unternehmen die Daten bisher nicht so aus, dass sie auf Knopfdruck den per Gesetz geforderten Vergleich erstellen können, kritisiert die Unternehmensberatung EY. Fast alle Firmen können zwar ihren Beschäftigten das Arbeitsverhältnis (Vollzeit/Teilzeit), das Geschlecht, die ausgeübte Tätigkeit und sämtliche Entgeltbestandteile zuordnen. Darüber hinaus ziehe lediglich ein Drittel der Befragten weitere Kriterien wie die Berufserfahrung oder Führungsverantwortung hinzu, um das Gehalt festzulegen. Ein schwerer Fehler, wie die Auftraggeber der Studie sagen.

"Die überwiegende Mehrheit der Firmen hat keinen Überblick darüber, ob Frauen und Männer für den gleichen Job gleich bezahlt werden. Das kann große Schwierigkeiten mit der Mitarbeitermotivation, Imageverluste sowie Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat und vor Gericht mit sich bringen", sagte Karl Wirth, Partner und Vergütungsexperte bei EY.

Gehaltsauskunft muss auch vor Gericht standhalten

"Die berücksichtigten Kriterien müssen sehr genau geprüft und nachvollziehbar kommuniziert werden", sagte Jörg Wenzel, Senior Manager bei der EY-Unternehmensberatung. Da sich ein Unternehmen eventuell auch vor Gericht verantworten müsse, stelle sich die Frage: Wie kann eine solche Gehaltsauskunft rechtssicher abgewickelt werden?

Die meisten Unternehmen, die in der Studie gut abschneiden, haben mehr als 500 Mitarbeiter. Von den befragten Firmen hatte jede zweite Vorkehrungen zur Gleichstellung von Männern und Frauen getroffen - etwa über den Tarifvertrag oder über eine Frauenquote. Allerdings verfügen auch von denen nur 14 Prozent über Frauenförderpläne beziehungsweise ein Förderprogramm für Frauen in Führungspositionen. In nur fünf Prozent der Unternehmen wird ausdrücklich auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geachtet.

mja

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