Urteil An der Hotelbar gibt es keinen Arbeitsunfall

Ein Absacker mit Kollegen an der Bar nach einer dienstlichen Veranstaltung ist Privatsache. Das hat das Bundessozialgericht klargestellt. Wer dabei verunglückt, hat das Nachsehen.

Barkeeper (Symbolbild)
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Barkeeper (Symbolbild)


Eine gesellige Runde unter Kollegen ist in aller Regel nicht gesetzlich unfallversichert. Auch im Anschluss an eine betriebliche Veranstaltung ist der Rest des Abends reine Privatsache, hat jetzt das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel entschieden. (B 2 U 15/15 R)

Das BSG wies damit einen angestellten Versicherungsvertreter ab. Sein Arbeitgeber hatte 2006 alle Außendienstler zu einem Sicherheitstraining des ADAC eingeladen. Anschließend hatte die Vertriebsdirektion noch in ein Lokal gebeten, um dort die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung zu präsentieren. Anschließend gab es ein gemeinsames Abendessen.

Das Lokal schloss um Mitternacht, spätestens damit war dann das offizielle Programm beendet. Einige der Außendienstler trafen sich aber danach noch in der Hotelbar. Gegen 00.45 Uhr sagte der Kläger zu seinen Kollegen, dass er zur Toilette gehen wolle.

Auf dem Weg dorthin stürzte er eine steile Treppe hinab und wurde erst einige Zeit später bewusstlos entdeckt - mit 2,5 Promille Alkohol im Blut. Mehr als zehn Jahre lang lag der Mann anschließend im Wachkoma, bis er nun Anfang März starb.

Kein Anspruch auf Versorgung

Seine Witwe vertrat die Auffassung, das gesellige Beisammensein der Kollegen sei noch der betrieblichen Veranstaltung zuzurechnen und der Sturz somit ein Arbeitsunfall gewesen. Daher stehe ihr eine Hinterbliebenenversorgung zu.

Dem widersprach das BSG nun klar. Das Treffen an der Hotelbar sei "privat veranlasst" gewesen. Zu dem Ausklang des Abends habe der Arbeitgeber weder eingeladen, noch habe ein offizieller Mitarbeiter der Vertriebsdirektion daran teilgenommen.

Auch ein "innerer Zusammenhang" zur beruflichen Tätigkeit habe nicht bestanden. Bei Dienstreisen sei ein solcher Zusammenhang bei der abendlichen Freizeitgestaltung in der Regel auch nicht gegeben, unterstrichen die Kasseler Richter.

ler/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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hazelhoff78 31.03.2017
1. Ironie des Schicksals...
man könnte meinen, dass ein Versicherungsmitarbeiter über die Notwendigkeit einer privaten Unfallversicherung (oder einer Risikolebensversicherung) Bescheid weiß... Dann säße seine Familie jetzt nicht auf dem Trockenen. Arme Frau...
derboesewolfzdf 31.03.2017
2. jeder Mensch.....
kann sich im Internet die Definition eines Arbeitsunfalls anschauen. Ich bin immer wieder überrascht, wie Klagen gegen so etwas eindeutiges überhaupt zur Verhandlung zugelassen werden. Mich hätte auch sehr interessiert, wie die Witwe die 2,5 Promille mit einem "inneren betrieblichen Zusammenhang" in Einklang bringen wollte. Als FaSi bin ich ziemlich sicher, dass bereits im Vorfeld jeder Experte da abgewunken hat.... dass der RA (will Geld verdienen) und die Witwe anderer Meinung sind, ist menschlich verständlich, aber überaus naiv.
Georg_Alexander 31.03.2017
3. Möglicherweise
Zitat von hazelhoff78man könnte meinen, dass ein Versicherungsmitarbeiter über die Notwendigkeit einer privaten Unfallversicherung (oder einer Risikolebensversicherung) Bescheid weiß... Dann säße seine Familie jetzt nicht auf dem Trockenen. Arme Frau...
hätte das auch nichts genützt, da die Versicherung sich mindestens 20 Jahre lang geweigert hätte zu zahlen, weil 'Vorsatz' (nämlich das Besäufnis) unterstellt wird. Am Schluss gibt es dann eine mickrige Abfindung und dann fragt man sich, ob man sich die Prämien nicht gleich unter das Kopfkissen hätte legen sollen.
braut 31.03.2017
4. Versicherung
Es ist doch recht merkwürdig und abwegig, anzunehmen, dass man mit 2,5 Promille überhaupt nur in die Nähe eines Arbeitsunfall kommt. Wäre ja auch ein bedenklicher Arbeitgeber, der während der offiziellen Fortbildung ein Besäufnis zuliesse- und dann noch beim ADAC -. Auch die abstrusesten Ideen müssen herhalten, um ja nicht eingestehen zu müssen, dass hier persönliches Versagen aufgrund von Alkohol vorliegt.
m.spohn 01.04.2017
5. Weg zur Toilette
Achtung, liebe Arbeitnehmer! Der Weg zur Toilette ist sowieso niemals ein Arbeitsunfall, da die Pinkelpause Privatvergnügen ist. Allein darüber gibt es so viele Urteile, dass der Anwalt der Witwe die Sache gleich hätte ausreden müssen. Aber er bekommt ja auch dann Geld für die Arbeit, die größtenteils seine Renogehilfinnen machen, wenn seine Mandantin unterliegt, und ist das Verfahren auch noch so aussichtslos und sein Verhalten damit verantwortungslos ...
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