Gesichtsvermietung Frank Plasberg trennt sich von "Top Job"

Mit "Top Job" krönt eine Firma die besten Arbeitgeber im Mittelstand - sofern sie dafür zahlen. Für den Wettbewerb sollte Frank Plasberg trommeln. Doch jetzt steigt der ARD-Moderator aus. Er reagiert damit auf Kritik des Medienjournalisten Stefan Niggemeier.

Moderator Plasberg: Befürchtete einen Imageschaden
WDR

Moderator Plasberg: Befürchtete einen Imageschaden

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Mit allerlei Engagements als Moderatoren, in Werbung und PR können sich prominente Fernsehgesichter ein hübsches Zubrot verdienen. Frank Plasberg ließ sich zuletzt von der Firma Compamedia anheuern, um für den Wettbewerb "Top Job" zu trommeln. Er sollte dabei helfen, die "besten Arbeitgeber des deutschen Mittelstands" zu präsentieren.

Der Titel seiner ARD-Sendung "Hart aber fair" schien der Firma besonders gut zu passen. Von Compamedia ließ sich der Moderator am 7. Dezember zitieren: "Die St. Galler Wissenschaftler, die hinter dem Projekt stehen, sind auf dem aktuellen Stand der Forschung und prüfen das Personalmanagement der Bewerber auf Herz und Nieren - aber stets fair. Das gefällt mir, und deshalb habe ich eine besondere Freude daran, diese Besten unter Deutschlands Arbeitgebern zu fördern und bekannt zu machen."

Knapp zwei Wochen später ist es damit schon wieder vorbei. Plasberg steigt als "Mentor" des Wettbewerbes aus. Der Wettbewerb sei ihm geeignet erschienen, "einen Impuls für zeitgemäßes Personalmanagement in mittelständischen Unternehmen zu geben. Doch "mittlerweile habe ich feststellen müssen, dass mein Engagement von kritischen Beobachtern ganz anders empfunden wird", begründete er seinen Rückzug. "In den Mittelpunkt der Betrachtung rückt die Werbewirkung der Mentorenschaft, verbunden mit der Frage, ob meine journalistische Unabhängigkeit ein solches Engagement zulässt. Das wiegt schwerer als meine Überzeugung, in keiner Weise Beeinflussungen zu unterliegen oder meine Unabhängigkeit zu gefährden."

Solche Wettbewerbe kennen nur Gewinner

"Top Job" ist einer unter mehreren Wettbewerben, bei denen Deutschlands beste Arbeitgeber gekürt werden sollen. Und die oft den gleichen Haken haben: Nur wer zahlt, ist überhaupt dabei. Mittelständische Unternehmen mit 20 bis 5000 Mitarbeitern können bei "Top Job" mitmachen. Ihre Mitarbeiter und die Personaler werden befragt, die Daten wertet ein Institut der Universität Sankt Gallen aus. Fürs Mitmachen zahlen die Firmen zwischen 3900 und 6200 Euro. Die Compamedia GmbH in Überlingen bekommt weitere 4500 Euro, wenn sie Beratungs- und PR-Aufgaben für die so zertifizierten Unternehmen übernimmt.

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Übersicht: Die größten Arbeitgeber-Wettbewerbe

So ähnlich funktionieren auch Konkurrenz-Wettbewerbe wie "Great Place to Work" oder "Top Arbeitgeber". Unternehmen zahlen, dafür werden sie begutachtet. Und mit recht hoher Wahrscheinlichkeit räumen sie ein Qualitätssiegel ab, mit dem sie dann wiederum prima werben können. Ein Risiko gibt es nicht: Schneidet eine Firma schlecht ab, wird das nicht öffentlich - bei diesen Wettbewerben gibt es nur Gewinner, keine Verlierer. So nahmen am Wettbewerb "Top Arbeitgeber" in diesem Jahr nach einer Vorauswahl 112 Unternehmen teil. Das Top-Arbeitgeber-Siegel erhielten davon 101.

Zum Wettbewerb "Top Job" hatte vor allem Medienjournalist Stefan Niggemeier letzte Woche ein paar Fragen an Plasberg. Der SPIEGEL-Autor berichtete in seinem Blog über das "Testimonial" und fragte nach, ob der Moderator wirklich den aktuellen Stand der Forschung im Personalmanagement kenne.

Erfolgreiches Angeln im Fischteich der ARD

Plasberg verwies auf den Ruf des beteiligten Instituts und lobte, dass die "wirklich guten, aber oft noch unbekannten mittelständischen Unternehmen so eine Bühne bekommen, um beim Ringen um die begehrten Fachkräfte erfolgreich zu sein".

Niggemeier kritisierte das "Werbegequatsche" für eine "durch und durch kommerzielle Sache". Genehmigen ließ sich Plasberg den Job als "Mentor" nach eigener Aussage vom WDR oder der ARD nicht; dafür gebe es "weder eine formale noch inhaltliche Notwendigkeit". Auf Nachfrage einer Nachrichtenagentur erklärte der WDR lediglich, das Engagement "inhaltlich nicht bewerten" zu wollen, zumal Plasberg freier und kein fester Mitarbeiter des Senders sei.

Nun befürchtete Frank Plasberg doch einen Imageschaden und wirbt nicht länger für den Wettbewerb. Compamedia hat sich bereits einen neuen, alten "Mentor" geangelt. Denn Plasbergs Nachfolger ist auch sein Vorgänger in dieser Rolle: Abermals warme Worte für "Top Job" finden soll jetzt Wolfgang Clement, ehemaliger Bundeswirtschaftsminister und früherer Sozialdemokrat.

Auch sonst gehen Compamedia die prominenten Köpfe offenbar nicht aus: Ranga Yogeshwar, ebenfalls umtriebiger Fernsehmoderator und Plasbergs WDR-Kollege, wirbt jetzt für die "Innovativsten Unternehmen im Mittelstand", der frühere Finanzminister Hans Eichel für die "besten Berater für den Mittelstand". Und die "Initiative für mehr Unternehmensverantwortung" nennt als Mentor Ulrich Wickert, früherer "Tagesthemen"-Moderator der ARD und seitdem Experte für alles, was mit Moral zu tun hat - letzter Buchtitel: "Redet Geld, schweigt die Welt".

  • Jochen Leffers (Jahrgang 1965) ist SPIEGEL-ONLINE-Redakteur und leitet das Ressort KarriereSPIEGEL.



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