Pflege und Betreuung Frauen leisten anderthalbmal so viel wie Männer

Unbezahlte Arbeit, niedrige Rente: Frauen haben in Deutschland weiter mit erheblichen Nachteilen zu kämpfen. Das geht aus dem neuen Gleichstellungsbericht hervor, der an diesem Mittwoch in Berlin vorgestellt wird.

Mutter mit Kleinkind  (Symbolbild)
DPA

Mutter mit Kleinkind (Symbolbild)


Immerhin, es wird besser - viel besser allerdings nicht. Das ist das Fazit des zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung, der an diesem Mittwoch vorgestellt wird. Demnach leisten Frauen bei der Betreuung von kleinen Kindern und bei der Pflege von Angehörigen anderthalbmal so viel wie Männer - Arbeiten, die nicht entlohnt werden.

Das ist das Ergebnis des sogenannten Gender Care Gap, den die Sachverständigen erstmals berechnet haben. Eine Frau, die 34 Jahre alt ist, leistet demnach im Schnitt doppelt so viel unbezahlte Sorgearbeit wie ein Mann. In der Pflege bringen sich nur 4,9 Prozent der Männer in Deutschland ein, bei den Frauen sind es 7,2 Prozent. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete zuerst über das neue Gutachten.

Nach zwei Jahren Pause vom Job, etwa nach der Geburt eines Kindes, gehen demnach 35 Prozent der Mütter in Westdeutschland wieder arbeiten - im Osten sind es 55 Prozent.

In Deutschland ist die Rentenlücke am größten

Die unbezahlte Mehrarbeit rächt sich für die Frauen im Alter: 2015 erhielten deutsche Frauen um 53 Prozent niedrigere Renten als Männer: in Westdeutschland durchschnittlich 583 Euro, in Ostdeutschland 860 Euro. Männer lagen dagegen in den alten Bundesländern bei 1014 Euro, im Osten bei 973 Euro.

Die Europäische Union hat Daten erhoben, wonach die Rentenlücke im europäischen Durchschnitt 2012 bei 38 Prozent lag - in Deutschland waren es 45 Prozent. Der schlechteste Wert aller untersuchten Länder, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt.

Dem Bericht zufolge macht unbezahlte Hausarbeit in Deutschland 987 Milliarden Euro der Bruttowertschöpfung aus. Im produzierenden Gewerbe liege sie bei 769 Milliarden Euro. Die Sachverständigen plädieren deshalb dafür, die Arbeit, die Menschen in Pflege und Betreuung ihrer Angehörigen stecken, als echten Wirtschaftsfaktor zu betrachten und sie aufzuwerten.

Der Gleichstellungsbericht wird einmal pro Legislaturperiode erstellt. Die Experten klären darin, wie die im Grundgesetz verankerte Gleichstellung der Geschlechter in Bildung und Erwerbsleben vorankommt. Der letzte Bericht wurde 2011 vorgelegt.

mja

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