Erfolgreich im Knast Gefängnisband aus Malawi wird für Grammy nominiert

Ein Einbrecher am Bass, ein Mörder am Mikrofon: Eine Band aus einem Gefängnis in Malawi könnte den begehrten US-Musikpreis gewinnen. Ein Erfolg für die Insassen - und deren Wärter.

Bandprobe im Gefängnis: Wärter und Insassen wie Elias Chimenya (M.) machen in Malawi gemeinsam Musik
AFP

Bandprobe im Gefängnis: Wärter und Insassen wie Elias Chimenya (M.) machen in Malawi gemeinsam Musik


"Was ist ein Grammy?", fragte Little Dinizulu Mtengano, als er die unglaubliche Nachricht bekam. Er arbeitet in der Verwaltung eines Hochsicherheitsgefängnisses im südostafrikanischen Malawi - und eilte daraufhin sofort zu den Insassen, um ihnen zu berichten: Die Häftlingsband des Zomba Prison könnte den begehrten Musikpreis gewinnen.

Bei der Verleihung am 15. Februar in Los Angeles würden dann unter anderem der Einbrecher Stefano Nyerenda (Bassgitarre) und der Mörder Elias Chimenya (Gesang) weltweit berühmt - auch wenn sie nicht zur Gala der Grammy Awards anreisen können. Das Album "I Have No Everything Here" der Knastband wurde in der Kategorie Weltmusik für den begehrten US-Musikpreis nominiert.

"Wir können es nicht glauben", sagt der 34-jährige Nyerenda, der eine zehnjährige Haftstrafe absitzt. "Wir dachten nicht, dass eine Häftlingsband nominiert werden kann." Zomba ist nicht gerade eine Muster-Haftanstalt: Das in den Dreißigerjahren erbaute Gefängnis im Süden Malawis war ursprünglich für 300 Häftlinge gedacht, inzwischen leben 4000 Gefangene in der baufälligen Anstalt.

"Die Häftlinge wussten nichts von Musik"

Entdeckt wurden die ungewöhnlichen Musiker von dem US-Produzenten Ian Brennan. Er arbeitete im Jahr 2013 zwei Wochen lang mit 60 Insassen und Wärtern und nahm dabei sechs Stunden Material auf. 20 Songs von 16 Musikern schafften es schließlich auf das Album, viele davon in der lokalen Sprache der Chichewa.

Der 46-jährige Chimenya etwa verarbeitete seine Erfahrungen in der eindringlichen Ballade "Jealous Neighbour" - er sitzt lebenslänglich, weil er in den Achtzigerjahren im Streit einen Mann tötete. Auch Titel wie "I Kill No More", "Taking My Life" oder "Prison of Sinners" erzählen vom Leben der Straftäter.

Die Nominierung sei gut für die Moral der Häftlinge, sagt Gefängnismitarbeiter Mtengano. Und der Wärter Thomas Binamo, der auch einige Lieder beisteuerte, erinnert sich: "Als die Häftlinge hier ankamen, wussten sie nichts von Musik. Wir brachten ihnen das Singen bei, Keyboard, Schlagzeug, Gitarre, bis sie Musiker wurden. Musik kann beruhigen."

Das glaubt inzwischen auch Chimenya: "Ich bin ein anderer Mensch geworden, die Musik hilft mir, zu entspannen und meine Situation zu akzeptieren", sagt er. Der 46-Jährige will nicht im Gefängnis sterben. Er träumt davon, eines Tages freizukommen und eine Musikerkarriere zu beginnen.

US-Produzent Brennan hat in seiner Heimat mit den Insassen von vielen Gefängnissen gearbeitet. Umso erstaunter war er, dass es bei den Proben in Zomba "keine strenge Abgrenzung zwischen Häftlingen und Wärtern gab". Die Aufnahmen entstanden in einem improvisierten Studio neben einer lärmenden Tischlerei, zu den Instrumenten zählen etwa Eimer und Rohre.

"Die Stimmen sind natürlich, das Album ist reich an Melodie, was selten ist in der Welt der Musik", freut sich Brennan. Schon vorher hatte es in Zomba eine rein männliche Band gegeben, die durch Gefängnisse und Schulen tourte und zum Schutz vor HIV aufrief. Auf dem nun nominierten Album musizieren aber auch viele Frauen, die in einem separaten Flügel untergebracht sind.

Vorwürfe, er würde Kriminelle glorifizieren, weist Brennan zurück: "Manche dieser Häftlinge wurden inzwischen als unschuldig entlassen. Andere hängen jahrelang in der Bürokratie fest. Aber klar, manche sitzen lebenslänglich, wegen Mordes." Es gehe nicht darum, ihre Schicksale zu verherrlichen, sondern darum, sie zu "vermenschlichen".

Für die Aufnahmen erhielten die Gefangenen eine Aufwandsentschädigung, darüber hinaus teilen sie sich die Verkaufserlöse der CD. "Die Grammy-Nominierung motiviert uns und macht uns schon jetzt berühmt in Malawi und im Ausland", freut sich Aufseher Binamo. "Ein Preis wäre das Tüpfelchen auf dem I."

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lgr/AFP



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