Grenzgänger Zum Schlachten nach Dänemark

Ein Job im hohen Norden: Täglich fahren Tausende Deutsche über die Grenze nach Dänemark und kehren zum Feierabend zurück. Manche bleiben für immer. Was macht den Arbeitsmarkt dort so attraktiv? Ein Schlachter-Paar, ein Tourismus-Experte und eine Ex-Lehrerin erzählen.

Von Nicole Serocka

Nicole Serocka

Tote Schweine baumeln an einer Hochbahn kopfüber von der Decke. Fahl und glatt gleiten sie in einer fensterlosen Halle ihrem Schicksal entgegen. Über dem Holzfußboden wabert der Geruch von Blut und heißem Wasser.

Auf einem Podest steht eine junge Frau und lächelt. Im Sekundentakt schlitzt sie mit einem scharfen Messer die Bäuche der Schweine auf, so dass die Eingeweide herausquellen und ein paar Meter weiter in eine blutgetränkte Wanne plumpsen. "Ich fahre morgens freudig zur Arbeit, weil ich gern hier bin", sagt Sabrina Oetzel. Das Arbeitsklima sei sehr kollegial, wenn jemand nicht mitkomme, helfe ein anderer sofort mit.

Bis zu 3000 Schweine täglich weidet sie in einer Schlachterei des dänischen Konzerns Danish Crown aus. "Ich habe mich freiwillig für diesen typischen Männerjob entschieden, weil ich eine Herausforderung wollte", betont die 30-Jährige und arbeitet mechanisch weiter.

Fünfmal pro Woche pendelt die gebürtige Niedersächsin mit ihrem Mann Marc, 44, vom Häuschen in Weding über die deutsch-dänische Grenze nach Blans bei Sonderburg. Für die etwa 38 Kilometer brauchen die beiden mit dem Auto eine knappe Dreiviertelstunde. "Manchmal kommen wir in eine Grenzkontrolle, ansonsten können wir direkt durchfahren."

Gut geht es den Dänen und denen, denen Dänen nahestehen

Während ihr Mann nach mehr als 25 Jahren Schlachtererfahrung lieber Fleisch verpackt, schlachtet Sabrina Oetzel ohne abgeschlossene Ausbildung. Als sie 2007 zu Beginn des dänischen Wirtschaftsbooms bei Danish Crown zunächst einen Job als Feinzerlegerin bekam, zeigten ihr die Kollegen, was sie tun musste. "Auch wer nichts gelernt hat, ist auf dem dänischen Arbeitsmarkt was wert", sagt sie.

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Gut zu wissen: Die dänische Arbeitskultur
Diese Wertschätzung spiegelt sich auch im Gehalt der beiden Grenzpendler wider. In deutschen Schlachtereien arbeiten vor allem Osteuropäer für einen Stundenlohn zwischen fünf und neun Euro; die Oetzels verdienen in Dänemark bis zu 20 Euro pro Stunde. Freiwillige Extra-Schichten werden zusätzlich honoriert. "Dumpinglöhne haben den europäischen Arbeitsmarkt für Schlachter größtenteils unattraktiv gemacht", meint Marc Oetzel.

Zum Glück seien die Arbeitsbedingungen in Dänemark deutlich besser. "Solange hier alle für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen, kann ich in diesem Job alt werden", sagt seine Frau.

Das freut ihren Chef Ole Carlsen, der den südjütischen Schlachthof leitet. Etwa 300 von knapp tausend Angestellten am Standort Sonderburg sind Grenzpendler; die meisten wohnen im Kreis Schleswig-Flensburg. Vor allem im Sommer kommen weitere Pendler dazu. "Wer bei uns als Saisonarbeiter einsteigt, hat gute Chancen, übernommen zu werden", so Carlsen.

Obwohl er kein Deutsch spricht und die meisten Grenzpendler wie die Oetzels kein Dänisch können, liegt Carlsen viel daran, dass sich seine deutschen Mitarbeiter mit Fragen, Anregungen und Kritik an ihn wenden können. "Zum Glück sprechen meine Vorarbeiter und meine Personalleiterin Deutsch", sagt er und fügt hinzu: "Doch nur wer gut Dänisch spricht, hat in unserem Unternehmen Aufstiegschancen." Deshalb empfiehlt er deutschen Arbeitnehmern, an den staatlich finanzierten Sprachkursen teilzunehmen.



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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
und_die_welt_steht_still 27.04.2011
1. ach so
Zitat von sysopEin Job im hohen Norden: Täglich fahren Tausende Deutsche über die Grenze nach Dänemark und kehren nach Feierabend zurück. Manche bleiben für immer. Was macht den Arbeitsmarkt dort so attraktiv? http://www.spiegel.de/karriere/ausland/0,1518,757921,00.html
toll einseitig beschrieben das ganze...Vieleicht sollte man auch mal darüber berichten, dass es sich für die Dänen überhaupt nicht mehr lohnt im eigenen Land zu schlachten. Die "Sourcen" dass doch mittlerweile in ein Billiglohnland aus... Ausserdem wird der Eindruck erweckt, dass auch ungelernte Arbeiter dort fürs Schlachten 20€ die Stunde bekommen würden.. Und alleine wieder diese bis zu.. warum nicht wie für die angaben in DE als Intervall?? Gefährliche Halbwahrheiten... Aber das ja standard mittlerweile.. Schöööön spalten... viel Spaß noch dabei.. greets Quelle: http://www.landwirt.com/Daenen-lassen-Schweine-in-Deutschland-schlachten,,6953,,Bericht.html
und_die_welt_steht_still 27.04.2011
2. ps
"Personalabbau beim dänischen Branchenriesen Danish Crown Ganz anders sieht es in den dänischen Schlachthöfen aus. Bislang erhielten Fachkräfte, die fast alle Mitglied einer Gewerkschaft sind, Stundenlöhne von um die 20 Euro. Doch nun müssen sie um ihre berufliche Existenz fürchten. 2600 Mitarbeiter hat der dänische Branchenriese Danish Crown bereits entlassen. Einen weiteren Personalabbau hat das Unternehmen bereits angekündigt. (Quelle: Süddeutsche Zeitung) "
und_die_welt_steht_still 27.04.2011
3. ps ps
""Ich bin von sechs Uhr morgens bis zehn Uhr abends mit meinem alten Ford Fiesta auf Seeland herumgefahren, um mich als Deutschlehrerin bei verschiedenen Sprachschulen vorzustellen", erinnert sie sich.... Nach einem knappen Jahr bekam sie eine Stelle als Lehrerin an einer Gesamtschule".. Ah ja.. also ist sie 1 Jahr lang von morgens bis 10 Uhr abends rumgefahren um den Job zu finden?! Berichte, Geschichten.. Wo war doch gleich der Unterschied?
Demokrator2007 27.04.2011
4. relative Wahrheiten
Zitat von und_die_welt_steht_still"Personalabbau beim dänischen Branchenriesen Danish Crown Ganz anders sieht es in den dänischen Schlachthöfen aus. Bislang erhielten Fachkräfte, die fast alle Mitglied einer Gewerkschaft sind, Stundenlöhne von um die 20 Euro. Doch nun müssen sie um ihre berufliche Existenz fürchten. 2600 Mitarbeiter hat der dänische Branchenriese Danish Crown bereits entlassen. Einen weiteren Personalabbau hat das Unternehmen bereits angekündigt. (Quelle: Süddeutsche Zeitung) "
Das "DanishCrown Thema" ist schon länger bekannt und lief bereits in einem Politikjournal im deutschen Fernsehen. Es ändert aber nichts daran, das in Dänemark offenbar besser bezahlt wird als in Deutschland. Und ihr überflüssiger Kommentar zur Bewerbung der Lehrerin zeugt eher von Neidgefühlen als davon ehrliche Kritik zu äußern. Leben sie zufällig im als Landwirt im Grenzgebiet?
R1181 27.04.2011
5. So richtig offen sind sie aber nicht,
die Dänen. Eine gute Freundin (promovierte Biologin mit fester Stelle an einer dänischen Uni) hat vor drei Jahren einen Dänen geheiratet. Sie wollten in Dänemark leben. Dann stellte sich heraus, dass es ein Gesetz gibt, das Deutschen den Immobilienkauf in Dänemark verbietet. Klingt nicht schlimm? Nun, da meine Bekannte das Geld verdient und ihr Mann das Kind versorgt, ergab sich folgendes Problem: Die beiden wollten ein Haus kaufen. Leider kann eine Deutsche nicht im Grundbuch stehen, also müsste das Haus rechtlich dem Mann alleine gehören. Eine Deutsche kann somit auch nicht für einen Hauskredit zeichnen. Da der Mann aber kein eigenes Einkommen hat, bekam er alleine keinen Kredit. Thema fertig. Die beiden wohnen jetzt etwas frustriert in Niedersachsen. Fazit: Billige, pendelnde Arbeitskräfte aus Deutschland? Gerne. Aber nur nicht zu sehr heimisch werden. Wäre so etwas nicht auch etwas für Deutschland? Ach nein, die EU würde es uns nie erlauben...
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