Tausende Fälle in Deutschland Firmen rüsten sich gegen Grippewelle

In Deutschland breitet sich die Grippe aus, vor allem im Süden. Die Unternehmen stellt das vor Probleme: Sie müssen massenhaft Dienstpläne umschreiben, um Mitarbeiter zu ersetzen. Krankenhäuser verschieben sogar Operationen.

Grippe (Symbolbild): In den Unternehmen fallen viele Mitarbeiter aus
Corbis

Grippe (Symbolbild): In den Unternehmen fallen viele Mitarbeiter aus


Stuttgart/München - Die Grippewelle macht sich bemerkbar: Weil fast 20 Prozent der Straßenbahnfahrer krank waren, mussten in Karlsruhe kürzlich Fahrten gestrichen werden, der Betriebsleiter der Verkehrsbetriebe setzte sich sogar selbst hinter das Steuer. Und das Uniklinikum Freiburg verschiebt zurzeit planbare Eingriffe, da etwa jeder zehnte Mitarbeiter krank ist.

Deutschlands große Unternehmen im Süden der Republik haben trotz der ungewöhnlich heftigen Grippewelle aber keine Probleme - zumindest vorerst.

Man rücke zusammen, helfe sich gegenseitig aus, wie immer in Grippezeiten, heißt es etwa im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart mit seinen 2700 Mitarbeitern. "Die Zahl der an Influenza erkrankten Mitarbeiter geht schon über das hinaus, was wir in einem normalen Februar haben", sagt Oberarzt Martin Kimmel. Zwar versuchten gerade im Krankenhaus alle, sich besonders zu schützen, dennoch erkrankten Mitarbeiter. Deshalb seien zuletzt einige der tausend Betten bewusst nicht belegt worden - doch: "Mit erhöhtem Einsatz aller ließ sich der Betrieb normal aufrechterhalten."

Für Stuttgart wie für viele Regionen im Süden meldet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) eine "stark erhöhte Influenza-Aktivität". Die großen Unternehmen spüren das, nehmen es aber gelassen. "Wie immer" oder "saisonüblich" seien die Krankenzahlen zuletzt nach oben gegangen - das teilen BMW, Daimler und Siemens mit. Signifikant höher als in den Vorjahren sei der Ausschlag, heißt es dagegen beim Chemiekonzern BASF mit 39.000 Beschäftigten in Ludwigshafen. Von Problemen aus den Abteilungen sei ihr aber nichts zu Ohren gekommen, sagte eine Sprecherin.

Schwieriger kann es für kleine Unternehmen sein. Bei Tausenden Mitarbeitern mache sich der krankheitsbedingte Ausfall nicht so bemerkbar wie bei Betrieben mit 10 oder 20 Beschäftigten, heißt es beim Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag in Stuttgart. Bei einer Export-Firma seien beispielsweise fünf von sieben Mitarbeitern krank gewesen. "Aber so etwas sind Einzelfälle."

Nicht Grippe und Erkältung verwechseln

Nicht nur wegen der Grippe melden sich derzeit vermehrt Arbeitnehmer krank, auch Erkältungen, sogenannte grippale Infekte, verbreiten sich. Erkältung und Grippe sind leicht voneinander zu unterscheiden.

Wer an der Grippe erkrankt, entwickelt schnell hohes Fieber und meist einen trockenen Reizhusten. Kopf- und Gliederschmerzen und starke Abgeschlagenheit kommen dazu. Wegen des Fiebers und der Schmerzen hüten Betroffene meist eine Woche lang das Bett, zur vollständigen Erholung vergehen oft zwei bis drei Wochen.

Bei einer Erkältung kommen die Symptome dagegen nicht plötzlich, sondern schleichend. Die Temperatur ist nur leicht erhöht. Und während Grippekranke oft unter Appetitlosigkeit leiden, ist der bei einer Erkältung meist nicht vermindert. Nach einer Woche ist die Erkältung meist abgeklungen.

Zahlen zur Grippewelle

Nach Angaben der AGI gibt es in dieser Grippesaison bereits 18.346 bestätigte Influenza-Fälle, allein in der Woche vom 7. bis 13. Februar wurden 6251 Neuinfektionen gemeldet. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig nimmt an, dass der Höhepunkt der Grippewelle noch bevorsteht.

In dieser Saison schützt der Impfstoff schlechter als erwartet gegen die aktuell am meisten zirkulierenden Erreger vom Typ H3N2.

Einige Maßnahmen im Alltag können allerdings dazu beitragen, das Ansteckungsrisiko zu verringern:

  • Häufiges Händewaschen, um Viren, die man beispielsweise beim Händeschütteln oder auch beim Anfassen einer Türklinke aufgenommen hat, loszuwerden.
  • Möglichst selten ins Gesicht fassen, damit Viren von den Händen nicht auf die Schleimhäute von Mund und Nase gelangen.
  • Abstand zu anderen halten - was allerdings, etwa auf dem Arbeitsweg in öffentlichen Verkehrsmitteln, leichter gesagt ist als getan.

Grippe: So schützt man andere

1. Beim Niesen Nase und Mund bedecken, am besten in ein Papiertaschentuch oder den Ärmel niesen und husten, auf keinen Fall in die Hand!

2. Benutzte Taschentücher umgehend entsorgen, so dass sie andere Menschen möglichst nicht berühren können. Am besten Einwegtücher benutzen.

3. Häufig die Hände waschen, vor allem, nachdem man ein Taschentuch angefasst hat.

4. Enge Kontakte zu anderen Menschen möglichst vermeiden und mindestens zwei Meter Abstand halten. Dies gilt vor allem beim Kontakt mit Schwangeren, chronisch Kranken, Kindern und älteren Menschen.

5. In der akuten Erkrankungsphase möglichst zu Hause bleiben und regelmäßig lüften, damit der Körper frische Luft erhält und sich die Zahl der virusbelasteten feinen Tröpfchen in der Luft reduziert.


Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de
Quiz zu Erkältung und Grippe

wbr/dpa



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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
monotrom 22.02.2015
1.
18.346 Fälle pro Woche erscheinen mir bei einer Gesamtbevölkerung von gut 80 mio. recht überschaubar...
Nonvaio01 22.02.2015
2. ach gott
Sie muessen massenhaft dienstplaene umschreiben... etwas uebertriebener gehts nicht. Wie waers mit: Die baender stehen still, Millionen von deutsche haben die Grippe, die wirtschaft ist am boden. Das klingt noch viel besser
Fonso 22.02.2015
3. und endlich auf dieses unsägliche Händeschütteln verzichten
nicht nur im Winter. Das würde jedes Jahr einigen den Grippetod ersparen. Die Gefahr, dass mein Gegenüber eine Waffe in seiner Hand versteckt, ist ja heutzutage, zumindest in Mitteleuropa, relativ klein. Und wenn ich mir so anschaue, was mein Mitmenschen so alles mit ihren Händeln anstellen, bevor sie sie mir reichen....
ugahenne 22.02.2015
4. Albern
So langsam wird's albern mit der Jagd nach Klicks. ALARM IN DEUTSCHLAND +++ Aufgrund von vereinzelten Kranheitsfällen müssen deutschlandweit Angetellte der Personalverwaltung das machen was ihr Job ist +++ ohne Gehaltsausgleich!!!
KJB 22.02.2015
5. Grippe oder
Ein Nebeneffekt den ich aber auch beobachte: Viele haben anscheinend die Grippe obwohl sie sie nicht haben. Scheint bei vielen ein willkommener Grund zu sein mal Blau zu machen, fällt leider auch kaum auf weil in der Winterzeit läuft bei jedem mal ein bisschen die Nase. Soziales Verhalten ist das nicht.
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