Klage gegen Lufthansa Zu klein für den Pilotenjob - Richter lassen Bewerberin erneut abblitzen

Die Frau will bei der Lufthansa eine Pilotenausbildung beginnen. Doch weil sie die Mindestgröße von 1,65 Meter nicht erreicht, lehnt sie der Konzern ab. Nun ist die Bewerberin erneut mit einer Klage vor dem Arbeitsgericht gescheitert.

Zu klein für den Traumjob: Alina S. fehlen zur Pilotenausbildung 3,5 Zentimeter
DPA

Zu klein für den Traumjob: Alina S. fehlen zur Pilotenausbildung 3,5 Zentimeter


Sie will nicht aufgeben: Eine 19-Jährige, die nur wegen ihrer Körpergröße von der Lufthansa aus dem Bewerbungsverfahren für Piloten geworfen wurde, ist nun schon zum zweiten Mal vor Gericht gezogen - wieder ohne Erfolg.

Die junge Frau verlangt von der Lufthansa 135.000 Euro Entschädigung wegen Diskriminierung aufgrund ihrer Körpergröße. Sie hatte alle Tests für die Pilotenausbildung bestanden, aber trotzdem keinen Ausbildungsvertrag bekommen - mit der Begründung, sie sei 3,5 Zentimeter zu klein. Bei der Lufthansa darf niemand kleiner als 1,65 Meter oder größer als 1,96 Meter sein.

Frauen seien im Schnitt kleiner als Männer, hatte der Anwalt der Bewerberin schon im ersten Gerichtsverfahren vor dem Arbeitsgericht Köln argumentiert. Mehr als 40 Prozent der Frauen über 20 Jahre, aber nur vier Prozent der Männer über 20 Jahre seien kleiner als 1,65 Meter. Also könnten weniger Frauen die erforderliche Mindestgröße erreichen.

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Erste Pilotinnen: "Ich bin zu klein, zu blöd, ich bin eine Frau"
Schon in der ersten Instanz waren die Richter zu dem Ergebnis gekommen, hier handele es sich tatsächlich um eine Diskriminierung. Diese könne aber nicht geahndet werden: Da die Mindestgröße tarifrechtlich geregelt sei, habe die Fluggesellschaft als Arbeitgeber nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt.

Die Richter des Landesarbeitsgerichts Köln wiederholten nun, dass Frauen mit der Größenregelung diskriminiert würden (Aktenzeichen 5 Sa 75/14). Dennoch lehnten auch sie ab, die Lufthansa zu einer Entschädigung zu verurteilen: Der Bewerberin sei durch die Absage kein Schaden entstanden. Hätte sie den Ausbildungsplatz bekommen, hätte sie sogar einen Eigenanteil leisten müssen. Und eine schwerwiegende Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sei auch nicht feststellbar.

Man könnte ja ein Kissen unterschieben

Die Lufthansa argumentiert, eine Größe von 1,65 Meter sei erforderlich, um ein Flugzeug sicher zu steuern. Allerdings wurden einige Vorschriften in den vergangenen Jahren den Gegebenheiten der Luftfahrtbranche angepasst. So wurden die Regularien für Fehlsichtigkeit stark gelockert; auch Laserkorrekturen der Sehstärke gelten inzwischen als akzeptabel. "Es kann schon sein, dass wir uns mit den Tarifpartnern da nochmal zusammensetzen und dieses Detail nochmal aufnehmen", sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty nach dem Urteil.

Bei der Verhandlung war auffällig, dass der Vorsitzende Richter Jochen Sievers die Argumentation der Lufthansa grundsätzlich in Frage stellte. Vielleicht helfe es ja, einfach ein Kissen unterzuschieben, regte er an. "Wenn andere Fluggesellschaften die Flugsicherheit nicht gefährdet sehen, dann stellt sich natürlich die Frage, warum das bei der Lufthansa so sein soll."

Swissair bildet auch kleinere Bewerber aus

Bestimmte Anforderungen für den Pilotenjob gibt es bei prinzipiell allen Fluglinien, aber mit Abweichungen. Bei der Schweizer Lufthansa-Tochter Swiss werden auch 1,60 Meter große Menschen ausgebildet. Die Schweizer hätten aber auch andere Schul- und Passagierflugzeuge, argumentierte die Lufthansa. Und so große Passagiermaschinen wie die Lufthansa habe die Swiss gar nicht in Betrieb.

Vor der ersten Verhandlung im November 2013 hatte der Richter einen Vergleich vorgeschlagen: Gegen eine Zahlung von 10.000 Euro wäre das Verfahren beendet worden. Die verhinderte Pilotin wollte damals darauf eingehen, die Lufthansa hatte abgelehnt: Damit wäre kein Rechtsfrieden geschaffen. Nun könnte das Verfahren in die dritte Runde gehen: Die Revision zum Bundesarbeitsgericht in Erfurt wurde zugelassen.

Richter Sievers verabschiedete sich mit den Worten: "Wir warten gespannt darauf, was uns in zwei Jahren Erfurt dazu sagen wird - wenn Sie Revision einlegen!" Ob das so sein wird, muss die Klägerin noch entscheiden. Wie ihr Anwalt sagte, will sie nun vielleicht eine Piloten-Ausbildung bei Swissair machen.

dpa/vet

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insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
arondor 25.06.2014
1. Meine Güte
Meine Güte, ich bewerbe mich als man mit 1,94 m Größe und 95 kg Gewicht doch auch nicht als Pferdejockey, als Thaimasseur oder als Ballerina.
jockel37 25.06.2014
2.
Auch im Falle eines ositiven Ausgangs für die junge Frau denke ich wird Sie es leider nicht leicht haben bei der Lufthansa. Sich einzuklagen bei einem Unternehmen ist immer heikel. Also, auf zur Swiss, die bilden auch super aus.
unifersahlscheni 25.06.2014
3. Sollen für die Dame...
Zitat von sysopDPADie Frau will bei der Lufthansa eine Piloten-Ausbildung beginnen. Doch weil sie die Mindestgröße von 1,65 Meter nicht erreicht, lehnt sie der Konzern ab. Nun ist die Bewerberin erneut mit einer Klage vor dem Arbeitsgericht gescheitert. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/groessenvorschrift-fuer-piloten-bei-der-lufthansa-bewerberin-klagt-a-977406.html
... denn jetzt extra die Passargierflugzeuge umgebaut werden, nur damit sie ihren "Traumjob" ausüben kann? Nur mal so gefragt.
magic88wand 25.06.2014
4. Die Argumentation ...
... ist schon an den Haaren herbeigezogen. Weil mehr Frauen als Männer kleiner sind als 1,65 sei das frauendiskriminierend. Dann muss die Obergrenze von 1,95 ja Diskriminierung gegen Männer sein, da mehr Männer diese Grenze überschreiten.
tk90 25.06.2014
5. optional
Momentan stellt die Lufthansa eh nicht ein, vielleicht wächst die junge Dame ja bis zur nächsten Einstellungswelle noch die geforderten 4cm
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