Studie Wie die soziale Herkunft das Gehalt bestimmt

Fachkräfte in Großbritannien verdienen durchschnittlich 6800 Pfund im Jahr weniger, wenn sie aus einer Arbeiterfamilie kommen. Auch in Deutschland geht es nicht immer gerecht zu.

St Johns College in Cambridge, England
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St Johns College in Cambridge, England


Je gebildeter und wohlhabender die Eltern, desto erfolgreicher sind die Sprösslinge - keine Überraschung eigentlich. Doch selbst wenn Menschen aus einfachen Verhältnissen zum Arzt, Anwalt oder Manager aufsteigen, verdienen sie im Schnitt weniger als ihre Kollegen. In Großbritannien liegt der Gehaltsunterschied im Schnitt bei etwa 6800 Pfund, umgerechnet etwa 8000 Euro, wie eine Studie der Social Mobility Commission zeigt. Das entspricht etwa 17 Prozent des durchschnittlichen Gehaltes. Insgesamt haben die Forscher die Daten von 90.000 Arbeitnehmern ausgewertet.

Den Unterschied erklären die Forscher damit, dass Kinder aus wohlhabenderen Familien meist höhere Abschlüsse erreichen und über bessere Kontakte verfügen. Zudem lehnten einige Arbeitnehmer aus einfachen Verhältnissen eine Beförderung ab, aus Angst, nicht in die Führungsetage zu passen.

Das sind jedoch nicht die einzigen Gründe. Denn selbst Arbeiterkinder, die die gleiche Position, die gleiche Ausbildung und die gleiche Arbeitserfahrung haben wie Kollegen aus wohlhabenden Familien, verdienen im Schnitt 2200 Pfund weniger im Jahr. Die Forscher führen dies auf andere Faktoren zurück. So würden Angestellte aus ärmeren Familien beispielsweise seltener nach einer Gehaltserhöhung fragen.

So ist die Situation in Deutschland

Für Deutschland gibt es keine vergleichbare Studie, doch auch hier zeigt sich: Kinder aus wohlhabenden Familien haben bessere Chancen auf eine Spitzenposition. Je höher die Position, umso entscheidender werde die Herkunft, erklärt Soziologe Michael Hartmann.

In umfangreichen Studien hat er unter anderem den familiären Hintergrund der Chefetagen in deutschen Großunternehmen erforscht. Er kommt zu dem Schluss: Wer zu den Chefs von morgen gehören will, muss den Chefs von heute zeigen, dass er zu ihnen passt. "Das fällt denen leichter, die selbst aus einer gehobenen Schicht kommen und von klein auf Kontakt zu einflussreichen Menschen gewohnt sind." Offenbar ein Teufelskreis: Die Elite von heute stellt die Elite von morgen ein, weil sie ihr am ähnlichsten ist.

Hartmann hat auch untersucht, welche Aufstiegschancen Doktoranden in Deutschland aus verschiedenen Milieus haben. Besonders gute Möglichkeiten haben demnach die aus besonders privilegierten Familien, die die obersten fünf Promille der Bevölkerung ausmachen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Spitzenposition erreichen, ist bei identischem Studienverlauf zweieinhalb Mal höher als bei anderen Promovierten. "Mit einem höheren Bildungsabschluss kann das nicht erklärt werden, da die Promotion der höchste Studienabschluss ist, den man erreichen kann", so Hartmann.

koe



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
dbeck90 01.05.2017
1. In Teilen richtig
Hier wurde aber auch die Genetik etwas vernachlässigt...? Beispiel: Ein Mensch, mit Veranlagung zu Depression verliebt sich in einen "gleichgesinnten" - was nicht selten bedeuted, dass sie auch Krankheiten teilen, beide depressiv sind. ADS Betroffene wenden sich auch nur ihresgleichen zu, und das macht bis 5% der Bevölkerung aus. Dieser Mensch gibt den genetischen Defekt mit Sicherheit in Teilen an die Kinder weiter. Der Defekt bremst diese im Berufsalltag genauso wie der Elternteil dadurch ausgebremst wurde. Oder sind das solche "alle menschen sind gleich und defekte Mendchen gibt es nicht" forscher?
mariblu 01.05.2017
2. Klassenunterschied in GB
Nicht zu vergessen den Klassenunterschied in GB von klein auf, das haftet an. Old Boys' Networks sind dort absolut unverzichtbar, Abschluss hin oder her - es sei denn, man bietet etwas außergewöhnliches an, was die höhere Klasse nicht unbedingt hat z.b. gut andere Sprachen zu sprechen, um im Ausland für ihre Unternehmen tätig zu sein oder man ist bereit, für die die Drecksarbeit zu machen, bzw. überhaupt zu arbeiten. Dann wird man auch gut geduldet und bekommt durchaus auch gewisse Privileges. In D ist der Neidgedanke immer noch stark vorhanden, will man wirklich in der oberen Etage ankommen, braucht man auch hier einen Mentor. Man muss überall den Willen haben, weiter zu kommen, und auch in der Lage sein, gewisse Machtspielchen mit zu machen. Superabschlüsse sind nur ein Sprungbrett.
swenschuhmacher 01.05.2017
3.
Es ist gut, dass dieser Artikel sehr nüchtern die Ursachen beleuchtet, zum Beispiel dass sich diese Menschen weniger zutrauen, erst gar nicht die höchste Karrierestufe anstreben oder beim Gehalt weniger Ahnung haben, was sie verlangen können. Daraus sieht man schnell, dass es keine konkrete Benachteiligung durch die Unternehmen ist, sondern komplexe Ursachen hat. Die Lebenswelten der Arbeiter- und Oberschicht sind gerade in Großbritannien sehr unterschiedlich. In Deutschland gibt es das sicher auch, aber man muss schon die obersten paar Promille heranziehen, um einen echten Unterschied zur Mittelschicht feststellen zu können. Eine ähnlich nüchterne Analyse würde ich mir auch beim Thema Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen wünschen. Man macht es sich oft sehr leicht, indem auf die bösen Unternehmen eingedroschen wird, aber auch bei diesem Thema sind die Ursachen komplex. Es fängt an mit der unterschiedlichen Erziehung und Beeinflussung von Jungen und Mädchen und hört beim Kinderwunsch mit seinen biologisch unterschiedlichen Konsequenzen noch lange nicht auf.
Hänschen Klein 01.05.2017
4.
Einerseits natürlich traurig, dass dem noch immer so ist. Andererseits verdienen die erwähnten Ärzte, Anwälte und Manager ohnehin sehr gut in GB. Da wird es auf die paar Tausend Pfund auch nicht mehr ankommen. Außerdem ist die Elite ja auch gar keine so gute Gesellschaft. Ich gehöre aus moralischen Gründen lieber zur Mittelschicht als zur Oberschicht.
Urzweck 01.05.2017
5. Promotion ist kein Studienabschluss
"da die Promotion der höchste Studienabschluss ist" Nein, das stimmt nicht! Die Promotion ist eine Aussage über die geleistete Promotionsarbeit. Promotionsarbeiten sind sehr spezifisch, und die Urkunde darüber macht ausschließlich eine Aussage über diese Arbeit. Sie ist deshalb als Nachweis einer Studienleistung unbrauchbar. Zudem ist eine Promotion kein Studium, in dem standardisierte Leistungen geprüft werden (weil sie eben spezifisch ist). Das Gerede der Karriereindustrie, dass die Promotion ein allgemeiner Karrierebaustein ist, schadet den Doktoren, der Forschung an den Universitäten, den Firmen und den wirtschaftliche angebotenen Leistungen.
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