Stellenanzeige Rüstige Rentner für Weltreise gesucht

Sie wollen Ihren Ruhestand mit einer Weltreise beginnen und dafür auch noch bezahlt werden? Eine britische Website will einen Rentner als Reiseblogger engagieren. Leider hat die Sache ein paar Haken.

Zukunftsmarkt: Reisen für ältere Zielgruppen
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Zukunftsmarkt: Reisen für ältere Zielgruppen

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So gesund und abgesichert wie heute waren Senioren in Deutschland noch nie, hat kürzlich eine Studie gezeigt. Viele Rentner sind heute im Vergleich zu früher erstaunlich rüstig. Sie treiben Sport, nutzen das Internet - und fühlen sich im Schnitt acht Jahre jünger als sie sind. Gehören Sie auch zu dieser Gruppe? Oder kennen Sie jemanden, der dazu gehört? Dann dürfte Ihnen das Angebot der englischen Preisvergleichsseite Comparethemarket.com gefallen: Die suchen einen "Senior Gap Year Advisor".

Wir erklären die wichtigsten Punkte der Ausschreibung:

"Für Ihr Senior Gap Year übernehmen wir Ihre Reisekosten bis zu 10.000 Pfund und stellen Ihnen eine brandneue Fotoausrüstung."

Beginnen wir mit den Grundlagen: Vom Gap Year spricht man eigentlich, wenn junge Menschen im Anschluss an den Schulabschluss nicht gleich in die Lehre oder auf die Uni gehen, sondern zwischendurch und für ein paar Monate die Welt bereisen - sie füllen mit der Reise einen "Spalt" in der Ausbildung, englisch gap.

Beim Senior Gap Year ist fraglich, welcher Spalt da gefüllt wird, aber wer als Senior sein Gap Year nachholt, hat damit zumindest einen Modebegriff für seine Tour - und bekommt obendrein gut 11.400 Euro. Da die Reise höchstens ein Jahr dauern soll, sind das knapp 1000 Euro im Monat. Allerdings teilt die Firma das Geld passend zu den Reisezielen auf. Und mindestens acht Länder müssen Sie schaffen.

Die gute Nachricht: Mit der Rente verrechnen müssen Sie das Geld nicht. Das Ganze gilt nämlich nicht als sozialversicherungspflichtige Anstellung, sondern als Preis in einem Wettbewerb.

Die schlechte Nachricht: Um die nötigen Versicherungen müssen Sie sich selbst kümmern. Und die Kamera, eine GoPro, gibt es nur leihweise für die Dauer des Jobs.

"Ihre Aufgabe ist es, bis zu zwölf Monate Globetrotter zu sein und Ihre Reiserlebnisse zu dokumentieren."

Sie sollen ein Reiseblog führen. Das geforderte Pensum dürfte zu schaffen sein: Pro Reiseziel einen Blogeintrag, einmal im Monat, mehr muss nicht sein. Jeder Eintrag soll wenigstens 500 Wörter haben - etwa so viele wie dieser Artikel.

Dazu fordert die Firma pro Blogeintrag mindestens fünf Fotos: Zwei Selfies und einmal die Cappuccinotasse vor Ihnen, dann fehlt schon nicht mehr viel. Wobei im Kleingedruckten extra steht, dass die Bilder nicht "exzessiven Alkohol- oder Drogenkonsum" zeigen dürfen; auch kulturelle Empfindlichkeiten müssen unbedingt beachtet werden. Damit kommen Sie klar? Dann kommt nun der wichtigste Part:

"Beschreiben Sie in 200 Wörtern, warum Sie der beste Kandidat sind."

Die Firma wählt aus allen Einsendern drei Kandidaten aus, die sich dann noch mal in einem zweiminütigen Video als weltbester Senior-Gap-Year-Darsteller präsentieren müssen. Wer dann die meisten Likes einsammelt, außerdem einen gültigen Pass und keine Vorstrafen hat, bekommt den Job.

"Bewerben können sich alle pensionierten Bürger Großbritanniens."

Das ist nun tatsächlich eine knifflige Sache. Selbst wenn Sie auf die Schnelle einen Briten finden, der bereit ist, Sie zu heiraten, sind Sie damit noch kein britischer Pensionär. Auch eine Adoption bringt Sie in diesem Punkt nicht weiter. Eigentlich hilft da nur eines: auf die nächste Ausschreibung warten und bis dahin einen britischen Rentenausweis organisieren. Aussichtslos ist das nicht. Die Firma nennt in der Stellenausschreibung keine Altersgrenze.

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