Joballtag So geht Großraum

Laute Telefonate, stinkendes Essen, stickige Luft: Im Großraumbüro kracht es häufig zwischen Kollegen. Mit diesen vier Schritten können Sie Stress vermeiden.

Angestellte im Büro
TMN/Rainer Holz/Westend61

Angestellte im Büro


Im Großraumbüro sitzen alle zusammen. Die Wege sind kurz, der Informationsaustausch geht schnell, im besten Fall entsteht ein Wirgefühl. Doch was in der Theorie so nett und unkompliziert klingt, sorgt im Alltag oft für Frust.

Dennoch halten etliche Unternehmen am Großraumbüro fest - weil sie von den Vorteilen überzeugt sind. Raum könne beispielsweise effizienter genutzt werden. Trotzdem dürfen Arbeitgeber die Großraumbüros nicht mit Schreibtischen vollstopfen.

"Die Einrichtung eines Großraumbüros ist eine unternehmerische Entscheidung", sagt der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt. Allerdings keine diktatorische: Schon in der Planungsphase müsse ein Betriebsrat über solche Schritte informiert und in die Vorbereitung einbezogen werden.

"Jedem Arbeitnehmer steht eine Fläche von mindestens 12 bis 15 Quadratmetern zu", erklärt Weigelt. Hält sich der Arbeitgeber nicht an diese Vorgabe, droht ihm ein Bußgeld oder schlimmstenfalls der Entzug der Gewerbeerlaubnis.

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Für die Privatsphäre der Mitarbeiter gibt es weniger genaue Vorschriften. Darum kümmern kann und sollte sich der Arbeitgeber aber natürlich trotzdem, mit Stellwänden etwa. "Für Stellwände gibt es sehr gute Dämmungen", sagt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW). So hat nicht nur jeder Mitarbeiter sein eigenes Reich, sondern auch etwas mehr seine Ruhe.

Aber auch die Mitarbeiter selbst müssen dazu beitragen, dass der Büroalltag erträglich ist. In vier einfachen Schritten werden sie fit fürs Großraumbüro:

Schritt 1: Klare Absprachen

Im Büro treffen unterschiedliche Vorlieben aufeinander. Einer Mitarbeiterin ist es im Raum zu stickig, und sie möchte deshalb das Fenster aufmachen. Einem anderen ist es bei offenem Fenster zu kalt. Umso wichtiger sind klare Absprachen. "Idealerweise setzen sich dafür alle zusammen", sagt Susanne Helbach-Grosser vom Seminar-Institut Takt & Stil in Schwäbisch Gmünd. Eine der Regeln kann zum Beispiel sein, dass keine warmen Mahlzeiten am Arbeitsplatz eingenommen werden.

Schritt 2: Kompromisse

Die Zeit fürs Lüften ist längst vorbei, und schon reißt wieder jemand das Fenster auf? In einer solchen Situation muss jeder auf das Verständnis des anderen setzen und eine Lösung suchen. "Ständig Kompromisse zu schließen ist ohnehin das A und O im Großraumbüro", betont Helbach-Grosser.

Schritt 3: Rücksicht

Sie brüllen gern ins Telefon, lachen über den Inhalt einer Mail und lesen sie dann auch gern mal laut vor oder schreien dem Kollegen fünf Tische weiter Anekdoten vom letzten Kinoabend zu? Seien Sie rücksichtsvoll, Ihre Kollegen könnten sich dadurch gestört fühlen.

So kann es die Regel geben, dass alle Kollegen aus Rücksicht möglichst gedämpft miteinander sprechen. Und trotzdem kann es Momente geben, in denen jemand etwa am Telefon unbewusst lauter spricht als gewollt. "Für einen solchen Fall können Kollegen untereinander Handzeichen vereinbaren", rät Helbach-Grosser. Im Idealfall reicht dann schon ein kurzer Wink, um die Lautstärke des Kollegen wieder herunterzupegeln.

Schritt 4: Störenfriede ansprechen

Sie und die meisten Ihrer Kollegen halten sich bereits an Schritte eins bis drei? Doch da gibt es diesen Kollegen, der immer querschießt? Dann stellen Sie ihn zur Rede! "Kollegen sollten auf den Störenfried zugehen", rät Wahl-Wachendorf. Zeigt er sich resistent, ist das ein Fall für den Chef, sagt Arbeitsrechtler Weigelt. "Im schlimmsten Fall gibt es dann eine Abmahnung."

Von Sabine Meuter/dpa/koe

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