Hafenarzt Alle Bakterien von Bord

Auf Booten über die Elbe schippern und mit Seeleuten plaudern - das ist für Hafenärzte der angenehme Teil der Arbeit. Sie kontrollieren die Hygiene auf Hafenfähren und Containerfrachtern. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben: ungenutzte Wasserhähne aufspüren.

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Auf der Hafenfähre "Altenwerder" hat Martin Dirksen-Fischer nichts zu mäkeln. Die Lebensmittel, die auf dem Hamburger Schiff verkauft werden, sind frisch und gut gelagert, beim Trinkwasser gibt es keine Auffälligkeiten. "Alles top", sagt der 53-Jährige nach seiner Prüfrunde auf dem Boot. Er leitet den Hafen- und Flughafenärztlichen Dienst der Hansestadt - und kann bei schlechter Hygiene an Bord für ziemlichen Ärger sorgen.

Dirksen-Fischer und seine zwölf Kollegen versuchen, mögliche Infektionsquellen oder Gesundheitsgefahren im größten deutschen Seehafen, auf Schiffen und am Flughafen auszumachen. Sie kontrollieren Hygienevorschriften, überwachen die Trinkwasserqualität und überprüfen die Bordapotheke, beraten aber auch Seeleute und impfen sie gegen tropische Krankheiten.

Containerfrachter, Kreuzfahrtriese, Hafenfähre: Stichprobenartig untersuchen die Mediziner alljährlich die knapp 20.000 Schiffe, die Hamburg ansteuern. 2011 nahmen sie mehr als 1700 von ihnen unter die Lupe. "Über die Schiffe, die alle möglichen Routen weltweit fahren, können schließlich Infektionserkrankungen in die Städte gelangen", sagt Dirksen-Fischer.

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Hafenlotse: Zentimeterarbeit auf dem Wasser
Vor allem auf das Trinkwasser haben es die Kontrolleure abgesehen. Anfällig für Probleme seien vor allem Megapötte, die mehrfach umgebaut wurden. Auf ihnen gibt es häufig Totstränge, also Leitungen, deren Wasserhähne nie genutzt werden. "Wasser muss laufen", sagt Dirksen-Fischer, der zur Schiffsvisite nicht im weißen Arztkittel kommt, sondern eine blaue Uniform trägt. "Ein Wasserhahn, der alle 17 Jahre geöffnet wird, ist hochgradig gefährlich."

Schon die Ursprünge des Hafenärztlichen Dienstes gehen auf verseuchtes Wasser zurück: 1892 verbreitete sich der Cholera-Erreger im Hamburger Hafen. Weil die Stadtväter hygienische Verbesserungen für überflüssig und zu teuer hielten, wurde verunreinigtes Wasser ungefiltert aus der Elbe und den Fleeten entnommen. Die Menschen badeten darin und wuschen ihr Essen mit der Brühe. Mehr als 8600 Hamburger starben, fast 17.000 erkrankten.

Der heute vor allem als Tropenmediziner bekannte Bernhard Nocht empfahl daraufhin, einen ärztlichen Überwachungsdienst für den Hafen zu schaffen. 1893 wurde Nocht der erste Leiter der Einrichtung. "Seitdem hat sich natürlich wahnsinnig viel verändert", sagt Dirksen-Fischer. Der Verkehr ist dichter geworden, das Tempo höher, die Schiffe größer. Infektionen wie die Pocken sind verschwunden, dafür haben die Lungenkrankheit Sars oder die Ehec-Krise vor zwei Jahren die Hafenärzte beschäftigt.

Ein Dauerthema sind Legionellen. Die Bakterien können die Lungen befallen, wenn zerstäubtes Wasser eingeatmet wird - etwa beim Duschen. Generell werde es auf einem Schiff für die Hafenmediziner interessant, wenn der technische Arbeitsschutz Sorgen hat: "Ist ein Schiff veraltet oder rostig oder nicht richtig ausgerüstet, kann das sofort medizinische Folgen haben. Und wenn eine Sache schon nicht stimmt, wird oft eine Serie von Problemen daraus", sagt Dirksen-Fischer. "Wir wissen, welche Schiffe richtige Sorgenkinder sind." Die Problemfälle sind in einer eigenen Datenbank aufgelistet.

Dass solche Schiffe an die Kette gelegt werden, bis die akute Gefahr beseitigt ist, sei aber seit drei Jahren nicht mehr passiert, sagt der Mediziner. Seinen Job versteht er als Mischung aus Fürsorge und Kontrolle: "Der Beratungsaspekt ist ganz schön stark. Der Dialog mit den Betroffenen ist wichtig, sonst bekommen wir nie wieder etwas gemeldet."

Julia Ranniko/dpa/ant

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alfredo_spencer 19.03.2014
1. Boot vs. Schiff
Liebe Redakteure und Reporter: Bringt es einem auf der Journalistenschule niemand bei, dass die Worte Boot und Schiff nicht synonym sind? Insbesondere wenn eine Redaktion in Hamburg sitzt sollte man das doch wissen.
ekkehart-martin 19.03.2014
2. Ist ja schön wenn sich jemand auskennt mit Booten und Schiffen
Ich kenne nur eine Definition, die der Marine: ein Boot (U-Boot, Schnellboot etc.) hat nur eine Disziplinarebene, ein Schiff mehr als eine. Trotzdem wird aus einem Schnellboot kein Schnellschiff weil der Kommodore an Bord ist. Fast jedes Handelsschiff wäre nach dieser Defeinition ein Boot auch bei 15.000TEU. 1 Master, 1 Chief Mate plus 2 weitere Nautiker nebst Maschinenpersonal.
alfredo_spencer 19.03.2014
3. Schiff vs. Boot
Zitat von ekkehart-martinIch kenne nur eine Definition, die der Marine: ein Boot (U-Boot, Schnellboot etc.) hat nur eine Disziplinarebene, ein Schiff mehr als eine. Trotzdem wird aus einem Schnellboot kein Schnellschiff weil der Kommodore an Bord ist. Fast jedes Handelsschiff wäre nach dieser Defeinition ein Boot auch bei 15.000TEU. 1 Master, 1 Chief Mate plus 2 weitere Nautiker nebst Maschinenpersonal.
Es gibt noch eine weitere: Im Seehandelsrecht. Demnach sind Boote Wasserfahrzeuge mit einer Länge von weniger als 11 Metern und Schiffe alle Fahrzeuge darüber. Damit wird auch klar warum die Marine ihre eigene Definition hat und diese nicht auf Handelsschiffe (!) anwendbar ist.
MannAusmNorden 19.03.2014
4. Schiff vs. Boot II
Nach Seeschifffahrtsstraßenordnung verstehe ich das so: Alles unter 50m ist ein Boot, alles darüber ein Schiff. Dadurch währn die meisten Hafenfähren noch Boote, die "großen Pötte" dann Schiffe. Ich finde die Deinition der Marine aber auch interessant, trifft aber denke ich eher auf diese zu, nicht so sehr auf die Handelsschifffahrt.
jujo 19.03.2014
5. ....
Zitat von MannAusmNordenNach Seeschifffahrtsstraßenordnung verstehe ich das so: Alles unter 50m ist ein Boot, alles darüber ein Schiff. Dadurch währn die meisten Hafenfähren noch Boote, die "großen Pötte" dann Schiffe. Ich finde die Deinition der Marine aber auch interessant, trifft aber denke ich eher auf diese zu, nicht so sehr auf die Handelsschifffahrt.
Mein erstes Seefahrzeug war ein Kümo = KüstenmotorSCHIFF kein KüstenmotorBOOT. Lüa 45m, B 8,5m. Das war kein Boot auch nicht nach der SeeStO.!
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