Hauswirtschafterin Waschen, kochen, putzen

Von wegen die Putze vom Dienst: Hauswirtschafterinnen werden zu Generalistinnen ausgebildet. Sie sind Organisationsprofis und oft die gute Seele des Hauses. Ihr Image ist trotzdem mau.

TMN

"Hättest du nichts Besseres finden können?" Diese Frage bekommt Roswitha Luisa Siegmann ab und an zu hören. Die 19-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin im Tagungszentrum Hohenheim, der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Nicht überall stößt sie auf Anerkennung, wenn sie erzählt, welchen Beruf sie erlernt. "Bei solchen Gesprächen muss ich mit Vorurteilen aufräumen", erzählt die junge Frau: "Eine Hauswirtschafterin ist mitnichten einfach nur eine Putze und Köchin."

Die Fachkräfte sind Organisationsprofis. Sie managen die Versorgung in sozialen Einrichtungen wie Altenheimen, Krankenhäusern oder Kindertagesstätten. Sie sind in Privathaushalten oder landwirtschaftlichen Betrieben im Einsatz. Von der Küche über die Hausreinigung bis zur Wäscherei - Azubi Siegmann packt überall mit an. Ihr gefällt es vor allem im Servicebereich: Beim Umgang mit den Gästen höre sie immer wieder Neues.

Zu den Aufgaben von Hauswirtschaftern gehört es, Essenspläne zu erstellen und Einkaufslisten zu schreiben. Sie bereiten Mahlzeiten zu und richten sie altersgerecht an. Sie reinigen Räume und Textilien. In landwirtschaftlichen Betrieben kümmern sie sich zusätzlich um die Gartenpflege, verarbeiten und verkaufen Obst und Gemüse. Außerdem unterstützen sie Kinder und ältere Menschen in ihrem Alltag, wenn sie Hilfe brauchen.

Bei ihrer Arbeit müssen sie Wirtschaftlichkeit, Hygiene und Umweltschutz beachten, sagt Ute Krützmann. Sie ist Vorsitzende des Berufsverbands Hauswirtschaft im baden-württembergischen Weinstadt. Auch sie bedauert das schlechte Image des Berufs. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist seit Jahren rückläufig. 2012 begannen 1427 junge Leute die Ausbildung. 1995 waren es noch 3165, wie aus Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn hervorgeht. Der Beruf ist eine Frauendomäne: Nicht einmal jeder elfte Azubi (8,5 Prozent) war 2012 ein Mann.

Allerdings steigt die Zahl der Auszubildenden bald wieder an, ist sich Krützmann sicher. Durch den demografischen Wandel werden in Zukunft noch häufiger als heute Privathaushalte ältere und kranke Menschen versorgen. Sie werden Unterstützung von Hauswirtschaftern brauchen.

Wer die Ausbildung machen will, muss keinen bestimmten Schulabschluss vorweisen können. Die Betriebe stellen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit überwiegend junge Leute mit Hauptschulabschluss ein. Von Bewerbern wird eine sorgfältige Arbeitsweise erwartet. So müssen sie zum Beispiel die Budgets verwalten.

Stressresistent sollte man schon sein

"Wichtig ist auch eine gute Kommunikationsfähigkeit", erläutert Claudia Forster-Bard. Sie ist die Vorsitzende des Bundesverbands Hauswirtschaftlicher Berufe. Die Fachkräfte arbeiten mit Kollegen aus der Pflege, Pädagogik und Haustechnik zusammen, sie verhandeln mit Lieferanten und Vertretern und betreuen Bewohner und Kunden. Wer nicht gerne mit Menschen spricht oder nicht stressresistent ist, ist da fehl am Platz.

Jugendliche lernen häufig im Betrieb und in der Berufsschule. Aber auch eine rein schulische Ausbildung ist möglich. Auf dem Stundenplan steht etwa Ernährungslehre: Denn angehende Hauswirtschafterinnen setzen sich auch damit auseinander, wie ein Speiseplan für Kinder und einer für Senioren aussehen muss.

Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist unterschiedlich und hängt vom Einsatzgebiet und Beschäftigungsverhältnis ab. Im ersten Ausbildungsjahr liegt sie nach BIBB-Angaben zwischen 580 und 603 Euro, im zweiten zwischen 625 und 651 und im dritten zwischen 684 und 707 Euro. Nach der Ausbildung könnten Einsteiger zwischen 1500 und 2000 Euro brutto verdienen, sagt Forster-Bard. Manchmal ist es auch weniger. Wer aufsteigen will, kann sich durch Lehrgänge zum Beispiel zur hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin weiterbilden.

Azubi Roswitha Luisa Siegmann hat diverse Praktika absolviert, bevor sie sich entschied, den Beruf von der Pike auf zu lernen. "Ich habe in einem Tierheim gearbeitet und in einem Blumengeschäft", erzählt sie. Der Funke sprang jedoch erst über, als sie in einem Altenheim Einblicke in die Tätigkeit einer Hauswirtschafterin gewann. "Ich merkte, dass es mir liegt, Menschen zu betreuen und zu versorgen."

Und nach Feierabend geht's dann zu Hause weiter. Aber anders als bei anderen immerhin mit System.

Sabine Meuter/dpa/aha

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insgesamt 16 Beiträge
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mr.feelgood 26.07.2014
1. Niedriglohn oder nicht?
Solch eine Ausbildung wurde bereits vor hundert Jahren für die Mädchen aus besserem hause angeboten, damit sie sie nach der standesgemäßes Heirat dem Haushalt vorstehen konnten. Professionell ausgeführt erfordert dieser Beruf zwar viel Organisationstalent, erhält jedoch wenig finanzielle Anerkennung sowie keine Entwicklungsmöglichkeiten, außer, selbst Ausbilder zu werden. Irgendwo ähneln sich alle Berufe, die Frauen zugeschrieben werden, durch äußerst sparsame Vergütung. Wieso erhalten sie nicht endlich eine gerechtere Wertschätzung durch eine gute Entlohnung? Den jungen Leuten würde die Berufswahl in Fächer wie Koch, Hauswirtschaft und auch Altenpflege deutlich leichter fallen, wenn ihnen für ihre Arbeit auch an Wochenenden und Feiertagen und sogar Nachts entsprechend anerkennende Vergütung zustünde.
wastl300 26.07.2014
2. Wieder ein Beruf von dem man nicht leben kann
Passt zusammen, wo sie ihre Ausbildung macht. Da werden immer billige Arbeitskräfte gesucht, die von ihrem Gehalt kaum leben können. Wenn es jetzt weniger Lehrlinge gibt, spricht man wieder von Facharbeitermangel, und dann müssen (billige) Migranten her. Traumjob schaut anders aus. All diese Dinge hat mir meine Mutter beigebracht, habe auch einen Haushaltplan, koche, wasche meine Wäsche und putze. All diese Arbeiten haben sich meine Frau und ich geteilt. Sind beide berufstätig und sind auch flexibel, wenn es einem dick einhergeht. Mit der heutigen Technik ist das kein Hexenwerk mehr. Damit haben wir beide mehr Zeit für uns und füreinander.
digger 26.07.2014
3. kann alles aber nichts richtig
Anstatt richtiger gelernter Köche, Altenpfleger und Krankenpfleger erschlägt man gerne alles mit solchen Leuten die entweder so eine tolle Hauswirtschaftsausbildung haben oder schon mal irgendwann bei McDonalds die Fritteuse bedient haben. Das Ergebnis sieht man leider nicht nur an den meisten Firmenkantinen.
sirius08/15 26.07.2014
4. Aus Erfahrung!
Zitat von sysopTMNVon wegen die Putze vom Dienst: Hauswirtschafterinnen werden zu Generalistinnen ausgebildet. Sie sind Organisationsprofis und oft die gute Seele des Hauses. Ihr Image ist trotzdem mau. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/hauswirtschafterin-ausbildungsberuf-mit-miesem-image-a-982766.html
Ich habe selber eine Hauswirtschafts Ausbildung als Umschüler mit bestandener IHK Prüfung genossen. Und was war das Ende vom Lied? Befristete Jobs als Küchenhelfer oder Servicekraft für 7-8,50 Euro die Stunde und dazu oder dazwischen Hartz 4. Kaum ein HW wird als das eingestellt was er gelernt hat sondern als billige Hilfskraft. Ich kann nur jeden davon abraten diesen Beruf zu lernen.
leseoma 26.07.2014
5. Lieber digger, leider haben Sie keine Ahnung!
Wenn mit ausgebildeten Koechen alles so gut ist, warum ist das Essen in der Kantine dann nicht spitze? Dort kommen Hauswirtschafterinnen nicht zum Einsatz. Und fuer Leute mit niedrigem Bildungsabschluss ist die Auswahl an Lehrberufen nicht so gross. Diese Frauen sind so vielseitig, da kann mancher andere Beruf nicht mithalten!
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