Headhunter Bei Anruf Job

Wenn ein Personalberater sich meldet, fühlen sich Führungskräfte meist geschmeichelt. Der Kontakt kann einen Karrieresprung bedeuten. Oder im Fiasko enden. Denn der Umgang mit Headhuntern ist eine Herausforderung: Unwissenheit und Ungeschick kegeln viele Kandidaten aus dem Rennen.

Corbis

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Ein Anruf vom Personalberater - das kann den nächsten Sprung nach oben bedeuten: mehr Verantwortung, mehr Gehalt. Glücklich, wer dann die nötige Gelassenheit hat. Denn die Karriere schaltet nicht auf Autopilot, nur weil sich ein Headhunter meldet. Man sollte nicht gleich in Euphorie verfallen: Zwischen einem Kandidaten und dem neuen Job können noch viele Gespräche und Treffen stehen, bisweilen ist ein halbes Dutzend Konkurrenten im Rennen.

Unabsichtlich kegeln sich Führungskräfte, und längst nicht nur unerfahrene Jungmanager, oft selbst aus dem Rennen - durch Unwissenheit, Ungeschick, Unverschämtheit. "Viele überschätzen sich, kennen ihre eigenen Möglichkeiten nicht oder sind so nervös, dass sie elementare Anstandsregeln vergessen", sagt Top-Management-Beraterin Dorothee Echter.

Dabei, beteuern Headhunter unisono, ist es eigentlich ganz einfach: authentisch sein. Professionell. Souverän.

So weit die Theorie.

In der Praxis steht nicht selten schon der allererste Kontakt im diffusen Licht des Missverständnisses. Der Angerufene hat nur seine eigene Agenda im Kopf: Welcher Posten ist für mich drin? So mancher stellt da schon mal den Champagner kalt.

"Wer seine Unterlagen wahllos streut, wirkt verzweifelt"

Doch häufig will der Personalberater gar keinen konkreten Job anbieten, sondern ist an der Meinung des Angerufenen über Kollegen oder Firmen interessiert. Wer dann aus Enttäuschung unwirsch auflegt, hat gerade die Chance vergeben, eine dauerhafte Beziehung zu einem Personalberater aufzubauen. Und die ist mitunter das A und O im lebenslangen Karrierespiel.

Lotsen für den Aufstieg
Umgang mit Headhuntern
F.A.Z. / Frank Röth
Was tun, wenn der Headhunter anruft? Der Kandidat darf das durchaus als Anerkennung für seine Arbeit verstehen. Aber wie sollte man reagieren, wie vermeidet man einen Fauxpas, was geschieht nach dem Erstkontakt? Christine Stimpel, Deutschland-Chefin von Heidrick & Struggles, gibt Tipps zum richtigen Umgang mit Personalberatern.
Beziehungspflege
Spätestens mit Mitte 30 sollten Sie Kontakte zu zwei, drei Headhuntern knüpfen. Etwa, indem Sie ihnen mit Einschätzungen oder Referenzen weiterhelfen. Generell sollte ein Personalberater nicht nur in seiner Funktion für ein Unternehmen oder einen Kandidaten gesehen und behandelt werden, sondern auch als Persönlichkeit und Teil der eigenen Community.

Klare Verhältnisse
Klären Sie, ob der Personalberater Sie kontaktiert, weil er Ihre Hilfe bei einer anderen Suche benötigt oder ob er Ihnen selbst ein Jobangebot machen will. Im zweiten Fall stellen Sie sicher, dass er ein exklusives Mandat für die Suche hat.
Fettnäpfchen vermeiden
Seien Sie ehrlich, agieren Sie nicht zu taktisch oder divenhaft. Fragen nach dem Namen der suchenden Firma oder dem Gehalt sind im Erstgespräch verpönt.
Informationen sammeln
Fragen Sie nach einer mündlichen oder schriftlichen "Positionsbeschreibung" des Jobs. Bitten Sie um Bedenkzeit - üblich sind zwei Tage. Bei Interesse schicken Sie Ihren Lebenslauf. Überlegen Sie sich rechtzeitig gute Referenzgeber.
Lebensplanung
Definieren Sie Ihre persönlichen Karriereziele - und prüfen Sie, ob und wie das Angebot dazu passt.
Souveräner Auftritt
Bereiten Sie sich auf die Gespräche mit Headhunter und Zielfirma intensiv vor. Nutzen Sie Ihren Personalberater auch als Coach und Sparringspartner. Betonen und belegen Sie Ihre Stärken. Beantworten Sie nicht nur brav alle Fragen, sondern geben Sie eigene Impulse und erklären Sie, welche Schwerpunkte Sie im Job setzen möchten - aber ohne besserwisserisch zu sein.
Klug verhandeln
Pokern Sie nicht zu hoch, und schieben Sie nicht ständig neue Forderungen nach.
"Ich mache einen guten Job, dann werde ich schon entdeckt" - diese Rechnung vieler Führungskräfte geht längst nicht immer auf. "Das Zusammenspiel von Managern und Headhuntern ist in Wahrheit ein ständiges Geben und Nehmen, das sich im Idealfall über viele Jahre entwickelt", sagt Christine Stimpel, Deutschland-Chefin von Heidrick & Struggles (siehe Kasten).

Üblicherweise gilt: Spätestens mit Mitte 30 sollten Führungskräfte beginnen, sich ein Netzwerk von zwei, drei Personalberatern ihres Vertrauens aufzubauen - idealerweise bei renommierten Adressen wie Egon Zehnder, Heidrick & Struggles, Spencer Stuart, Russell Reynolds, Herbold Fischer oder Odgers Berndtson.

Nicht wenige Manager schicken ihre Unterlagen initiativ an eine Beratungsfirma - allein bei Heidrick & Struggles laufen jeden Monat gut 300 Profile ein. "Wer seine Unterlagen allerdings wahllos streut, wirkt verzweifelt und austauschbar", warnt Echter, "ein Top-Manager aber möchte ja eine Trouvaille sein und kein bloßer Zählkandidat."

Hat der Personalberater tatsächlich den Angerufenen selbst als Kandidaten ausgeguckt, beginnt das gegenseitige Beschnuppern. Für den Manager ist zunächst entscheidend, ob der Headhunter überhaupt ein exklusives Suchmandat hat. Weniger seriöse Beratungen sammeln auch gern mal ins Blaue hinein Profile oder suchen ohne Mandat, wenn sie wissen, dass eine Stelle vakant ist. Manche kennen sich auch in der Branche nicht ausreichend aus oder arbeiten auf Erfolgsbasis statt, wie es üblich und seriös ist, gegen Festhonorar.

insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
muwe6161 14.06.2011
1. Wie bitte...
... einem Anrufer Informationen über "Firmen und Mitarbeiter" anvertrauen mit der vagen Aussicht auf einen Karrieresprung? Der Autor hat wohl nicht alle Tassen im Schrank.
jujo 14.06.2011
2. Eine gute Sache
kann es sein. Mein Neffe im Sportmarketing tätig, erhöhte den Umsatz seiner Abteilung um jährlich ca 20-25%. Er bat um eine , bescheidene 500€, Gehaltserhöhung.Er wurde vertröstet. Sauer stellte er sein Profil ins entsprechende Portal. Kontaktet vom Headhunter, konspiratives Treffen, Ergebnis:neuer Job mit Perspektive und 100% (!) mehr Verdienst.
klauskleber 14.06.2011
3. Die heilige Kuh
Das klingt schon etwas merkwürdig: "Das Zusammenspiel von Managern und Headhuntern ist in Wahrheit ein ständiges Geben und Nehmen, das sich im Idealfall über viele Jahre entwickelt" Im Idealfall braucht man keinen Headhunter, sondern hat einen guten Job. Da jeden Cent rauskitzeln zu müssen ist bei diesen Gehältern doch vollkommen albern. Ich habe schon öfters von Fällen gehört, die genau auf dieses Gerede von Headhuntern gehört haben und zwar deutlich mehr Geld bekommen haben, aber eine unsichere Position und ein schlechtes Umfeld geerntet haben. Aber genau diese Einstellung bzw. das Bild beim Job nur das Geld zu maximieren, ist vielleicht ein Fehler der nicht zu unterschätzen ist.
R Panning, 14.06.2011
4. x
Zitat von muwe6161... einem Anrufer Informationen über "Firmen und Mitarbeiter" anvertrauen mit der vagen Aussicht auf einen Karrieresprung? Der Autor hat wohl nicht alle Tassen im Schrank.
Jup. Wunderte mich auch.
shaft54 14.06.2011
5. Also entweder...
ist mir oder dem Autor nicht klar was headhunting eigentlich bedeutet. Nach meinem Verständnis versucht man dabei Personal gezielt abzuwerben und nicht wie es hier den Anschein erweckt, sich gut mit dem jeweiligen Headhunter zu stellen. Auch ich hatte schon diverse Kontakte und habe dabei stetig variiert in meiner Reaktion. Das Ergebnis war stets dasselbe: halbgare Aussagen und Versprechungen um den Anzuwerbenden stets im Dunkeln lassen. Erschließt sich mir bis heute nicht, warum darum immer so ein Geheimnis gemacht wird. Schließlich möchte ich schon vorab wissen um wen es sich dreht und zu welchen Konditionen. Oder warum sollte ich sonst meine persönlichen Unterlagen schicken ohne zu wissen worauf ich mich einlasse?...
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