Prekäre Profifußballer Heinz Müller geht in Revision

Ist ein Profifußballer ein prekär Beschäftigter mit Fristvertrag? Heinz Müller will mit seiner Klage gegen den FSV Mainz 05 in Revision gehen - und rüttelt damit am Transfersystem.

Heinz Müller, zu seiner aktiven Zeit als Mainzer Torhüter
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Heinz Müller, zu seiner aktiven Zeit als Mainzer Torhüter


Der Fall Heinz Müller geht in die nächste Runde. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt bestätigte, dass der 37 Jahre alte Ex-Torhüter des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 im Rechtsstreit mit seinem früheren Arbeitgeber Revision eingelegt hat.

Gerichtssprecher Waldemar Reinfelder erklärte allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur SID, dass es noch keinen Termin für eine Verhandlung gebe. Außerdem sei eine außergerichtliche Einigung immer bis zur letzten Sekunde möglich.

Müller hatte gegen Mainz geklagt, weil er trotz der Verlängerung seines Vertrags um zwei Jahre im Jahr 2012 vom damaligen Trainer Thomas Tuchel zur zweiten Mannschaft abgeschoben worden war. Müller sah sich dadurch der Chance beraubt, dass sich sein Kontrakt automatisch verlängert. Dafür sind 23 Einsätze in Profi-Spielen die Voraussetzung.

Er sieht sich so als Opfer von Kettenverträgen, wie auch viele andere Arbeitnehmer sie erdulden müssen: Ein befristeter Arbeitsvertrag reiht sich an den anderen, ohne langfristige Sicherheit für den Angestellten. Der Arbeitgeber kann den Mitarbeiter ohne großen Aufwand loswerden, immer zum Vertragsende.

"Eigenart der Arbeitsleistung"

Einen wichtigen Unterschied zum Durchschnittsarbeitnehmer gibt es bei Profifußballern aber doch: Viele von ihnen wollen es gar nicht anders haben, weil sie bei den regelmäßigen Neuverhandlungen von Verträgen satte Gehaltssteigerungen aushandeln können. Im Prinzip basiert das gesamte Transfersystem des Profifußballs darauf.

Deshalb befürchteten schon viele eine Revolution im Fußball, als Heinz Müllers Fall am 17. Februar vor dem Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz verhandelt wurde. Doch das Urteil fiel ganz im Sinne der Clubs aus. Es bestätigte die Zulässigkeit befristeter Arbeitsverträge im Lizenzspielerbereich.

In der Urteilsbegründung wies das Landesarbeitsgericht darauf hin, dass Fußballprofis wegen der "Eigenart ihrer Arbeitsleistung" nicht mit normalen Arbeitnehmern zu vergleichen seien. Die von Müller verlangte Abfindung in Höhe von 429.000 Euro war ihm vorher schon vom Arbeitsgericht nicht zugesprochen worden.

sid/mamk

insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
deglaboy 10.05.2016
1. Wer Fussballprofi wird, muss wissen, worauf er sich einlässt.
Im einen, wie im anderen Falle.
Newspeak 11.05.2016
2. ...
Die von Müller verlangte Abfindung in Höhe von 429.000 Euro war ihm vorher schon vom Arbeitsgericht nicht zugesprochen worden. Wer ernsthaft solche Ansinnen hat, ist moralisch ein Krüppel. Eine knappe halbe Million fordern, und sich mit echt prekär Beschäftigten vergleichen, die zur Befristung zusätzlich vielleicht nur wenig über das Existenzminimum kommen. Wie verkommen muß man sein?
chalchiuhtlicue 11.05.2016
3.
Zitat von deglaboyIm einen, wie im anderen Falle.
Also muss man alle Zustände immer akzeptieren und darf nie versuchen, etwas zu ändern? Dummes Denken, wirklich ...
woiza 11.05.2016
4.
Zitat von chalchiuhtlicueAlso muss man alle Zustände immer akzeptieren und darf nie versuchen, etwas zu ändern? Dummes Denken, wirklich ...
Nein, muss man nicht. Alerdings muss man auch kein Mitleid mit Multimillionären haben, die auf befristete Verträge bauen, um regelmäßig Gehaltssteigerungen und Handgeld zu kassieren. Alleine die Höhe der geforderten Abfindung übersteigt das Lebenseinkommen vieler befristet Beschäftigter. Was würden Sie sagen, wenn ein Manager eine solche klage eingereicht hätte?
TheDjemba 11.05.2016
5. Zum
Zitat von NewspeakDie von Müller verlangte Abfindung in Höhe von 429.000 Euro war ihm vorher schon vom Arbeitsgericht nicht zugesprochen worden. Wer ernsthaft solche Ansinnen hat, ist moralisch ein Krüppel. Eine knappe halbe Million fordern, und sich mit echt prekär Beschäftigten vergleichen, die zur Befristung zusätzlich vielleicht nur wenig über das Existenzminimum kommen. Wie verkommen muß man sein?
Zum einen ist es nicht Heinz Müller, der den Begriff prekär benutzt, sondern SPON im Titel des Artikels. Zum anderen bedeutet prekär in diesem Zusammenhang auch nichts weiter, als dass sich Heinz Müller in einer schwierigen oder unsicheren Lage befindet oder befand. Und das ist wohl unbestritten.
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