Heiraten vs. Karriere Das Dilemma der Singlefrauen

Männer stehen nicht auf ehrgeizige Frauen? Das ist ein Klischee, doch richten sich weibliche Singles offenbar danach: Laut US-Forschern schrauben sie ihre Ansprüche zurück, um potenzielle Partner nicht zu verprellen.

Getty Images


Männer haben ein Problem damit, wenn Frauen intelligenter oder erfolgreicher sind als sie. Das klingt wie ein Vorurteil, aber tatsächlich stützen Studien diese These, zum Beispiel eine aus den USA übers Speeddating von Frauen und Männern.

Drei Wirtschaftswissenschaftler von den Unis Princeton, Harvard und Chicago haben jetzt außerdem herausgefunden, dass Frauen sich danach richten - und ihre eigenen beruflichen Ansprüche zurückschrauben, um ihre Chancen bei der Partnersuche nicht zu schmälern.

Dazu machten die Forscher zwei Experimente. Im ersten teilten sie Fragebögen an 355 Studenten aus, die sich für einen Masterkurs an einer amerikanischen Elite-Uni eingeschrieben hatten. Studiengänge für Masterstudenten seien ein "natürlicher Ort" für solche Forschungen, "weil viele Studenten einerseits in ihre beruflichen Karrieren investieren und andererseits nach einem festen Partner suchen", schreibt Leonardo Bursztyn, Wirtschaftsdozent an der University of Chicago, in der "Harvard Business Review".

Offiziell bescheiden

In den Fragebögen sollten die Studenten beantworten, wie viel sie in Zukunft arbeiten möchten, welches Gehalt ihnen vorschwebt, für wie ehrgeizig sie sich halten und wie viele Tage im Monat sie für den Job verreisen würden. Die Antworten sollten ans Career Center der Uni weitergeleitet und mit einem Berufsberater diskutiert werden.

In einem Detail waren die Fragebögen allerdings unterschiedlich: Auf einigen stand, dass die persönlichen Ergebnisse auch mit Kommilitonen besprochen werden würden. Auf den anderen stand, dass die Antworten im Kurs lediglich anonymisiert behandelt würden.

Wenn alleinstehende Studentinnen davon ausgingen, dass ihre Mitstudenten von ihren Präferenzen erfahren würden, antworteten sie deutlich bescheidener. Dann gaben sie ein durchschnittliches Gehalt von 113.000 Dollar statt 131.000 pro Jahr an, wollten angeblich nur sieben statt 14 Tage im Monat beruflich verreisen und weniger Stunden in der Woche arbeiten.

"Singlefrauen vermeiden Aktionen, die ihrer Karriere helfen"

Um auszuschließen, dass alleinstehende Frauen schlicht allgemein bescheidener in der Öffentlichkeit auftreten, schmuggelten die Forscher eine "Placebo-Frage" unter: Die Frauen sollten bewerten, wie gut sie sich schriftlich ausdrücken können. "Diese Fähigkeiten werden auf dem Arbeitsmarkt geschätzt, ziehen aber keine Benachteiligung auf dem Heiratsmarkt nach sich", schreibt Bursztyn.

In dieser zusätzlichen Frage unterschieden sich die Antworten allerdings nicht. Frauen in Partnerschaften und Männer antworteten auf alle Fragen ähnlich, unabhängig davon, wer Zugang zu den Antworten kriegen sollte.

In einem zweiten Experiment sollten sich 174 Masterstudenten für einen von drei möglichen Jobs entscheiden und ihre Wahl danach untereinander in Gruppen diskutieren. Wenn in ihrer Gruppe nur andere Frauen saßen, sagten 68 Prozent der Studentinnen, dass sie lieber 55 bis 60 Wochenstunden für ein höheres Gehalt arbeiten würden als 45 bis 50 Wochenstunden für weniger Geld. Wenn männliche Kommilitonen mit in der Gruppe saßen, wählten nur 42 Prozent der alleinstehenden Frauen den höher dotierten und stressigeren Job.

Die Forscher kommen zu dem Schluss: "Im Hinblick auf ihre Heiratsaussichten vermeiden Singlefrauen Aktionen, die ihrer Karriere helfen könnten." Das könne langfristige Konsequenzen für den Arbeitsmarkt haben, zumal viele Weichen für die Karriere schon früh gestellt würden, wenn die meisten Frauen noch Single sind.

lov



insgesamt 70 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
viwaldi 11.05.2017
1. Wahlfreiheit? Fehlanzeige!
Wer nicht das Lebensmodell wählt, das die Wirtschaft, SPON oder Frau Schwarzer für "richtig" hält, ja, dem wird sofort unterstellt, er "hätte ein Problem". Das ist die schöne neue Wahlfreiheit. Wer eine Familie mit drei Kinder gründen will, ist sofort verdächtig. Weil eine Familie nicht gedeihen kann, wenn beide Eltern volle Karriere machen, - dann machen sie das auf Kosten der Kinder. Die rennen dann alle zum Psychiater, und wir wundern uns warum die Zahl der Psychotherapien explodiert. Wer Karriere machen will, soll sie machen. Und sich dafür den geeigneten Partner suchen. Wer aber eine klassische Familie gründen will, sollte sich hier nicht Unterstellungen anhören müssen. Machen wir uns frei von den Lebensentwürfen, die andere für uns konstruieren. Wahlfreiheit bedeutet, dass der Staat sich nicht einmischt in die persönlichen Lebensentwürfe. Gerechtigkeit bedeutet, dass die Lebensentwürfe im Rahmen des Grundgesetzes beachtet werden und nicht aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen unter Druck gesetzt werden. Zitat Grundgesetz:(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. ...
meister_proper 11.05.2017
2. Ergo sind Frauen selbst schuld wenn sie nicht so weit kommen?
Oder was soll uns diese Studie sagen? In meinen Augen ist das Problem eher, dass aggressives Verhalten in unserem Wirtschaftssystem eher belohnt wird als kooperatives. Und auf viele Männer wirkt eine aggressive Frau eher abstoßend, wenn es um die Suche nach einer Partnerin geht. Umgekehrt haben viele Frauen kein Problem mit aggressiven Männern, solange sich die Aggression nach außen richtet. Würde kooperatives Verhalten im Wirtschaftsleben stärker begünstigt würde sich das Problem so nicht äußern.
vincent-april 11.05.2017
3. Sind 55-60 Wochenstunden gut?
Ganz allgemein sollte ein Mensch nicht 60 Stunden in der Woche arbeiten, wenn er neben der Arbeit noch andere Interessen verfolgen möchte.
marthaimschnee 11.05.2017
4.
Zitat von vincent-aprilGanz allgemein sollte ein Mensch nicht 60 Stunden in der Woche arbeiten, wenn er neben der Arbeit noch andere Interessen verfolgen möchte.
Ja, seh ich auch so. Wer 60 Stunden pro Woche Arbeitet, kommt eh nebenbei zu kaum was.
h. sapiens 11.05.2017
5. Naja.
Es gibt auch Männer, die sich extrem herunterdummen müssen. Ich bin ein gutaussehender, weisser, heterosexueller Mann - und allein. Wo, verdammt nochmal, sind denn all die hochgeistigen Frauen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.