Arbeitsrecht Hitzefrei - das müssen Arbeitnehmer und Eltern wissen

Der Sommer hat begonnen, und es bleibt heiß: Hoch "Concha" bringt weiterhin Temperaturen über 30 Grad. Schüler können auf Hitzefrei hoffen, doch welche Rechte haben Eltern und Angestellte? Der Überblick.

Vom Büro in die Fluten
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Vom Büro in die Fluten


Hitzefrei! Bei zu hohen Temperaturen können Schüler jubeln, davon profitieren auch die Lehrer - sie haben damit eine Ausnahmestellung unter Deutschlands Angestellten. Denn für Arbeitnehmer gibt es kein Recht auf Freizeit, wenn das Thermometer steigt. Allerdings müssen Arbeitgeber darauf achten, dass die Beschäftigten der Hitze nicht schutzlos ausgesetzt sind.

Welche Vorschriften gibt es für Temperaturen am Arbeitsplatz?

Nach der Arbeitsstättenregelung soll die Temperatur in Arbeitsräumen grundsätzlich nicht über 26 Grad Celsius liegen. In besonderen Fällen, zu denen auch Sommertage zählen, müssen Beschäftigte aber auch bei Temperaturen von bis zu 35 Grad und mehr arbeiten. Der Arbeitgeber muss dann allerdings Schutzmaßnahmen ergreifen.

Wie müssen Beschäftigte geschützt werden?

Die Arbeitsstättenrichtlinie schreibt vor, dass die Firmen an Fenstern, Oberlichtern oder Glaswänden einen Schutz vor der direkten Sonneneinstrahlung anbringen müssen. Dies können etwa Jalousien sein. Falls es trotzdem unerträglich heiß bleibt, sollten Beschäftigte ihren Chef darauf hinweisen oder den Betriebsrat einschalten.

Was können Schwangere tun?

Schwangere, stillende Mütter oder Mitarbeiter, die mit einem Attest gesundheitliche Probleme belegen können, können vom Arbeitgeber die Einhaltung bestimmter Raumtemperaturen verlangen. Falls der Arbeitgeber nicht für Kühlung sorgen kann, haben sie ein Recht auf Freistellung an den extrem heißen Tagen.

Wie schützen sich Menschen, die im Freien arbeiten?

Draußen arbeitende Menschen müssen vor direkter Sonne geschützt werden. Dazu können Arbeitgeber etwa Sonnensegel spannen oder Schutzkleidung wie Mützen bereitstellen. Auch eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor oder kostenloses Wasser sollten gestellt werden. Um die Augen zu schützen, sollten die Beschäftigten Sonnenbrillen tragen - langfristig droht sonst die Augenkrankheit grauer Star, die sogenannte Katarakt.

Was ist bei zu hoher Ozonbelastung?

Falls die Ozonwerte überschritten oder Sommersmog gemeldet wird, müssen Firmen den Empfehlungen der Behörden folgen. Insbesondere müssen schwere Arbeiten dann begrenzt werden. Das Umweltbundesamt liefert Messdaten und Verhaltenshinweise.

Können Arbeitszeiten angepasst werden?

Falls es vom Betrieb her möglich ist, empfiehlt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eine Anpassung der Arbeits- und Pausenzeit an die Hitze. So können Arbeiten in den kühleren frühen Morgen oder späten Abend verlegt werden - dies kann auch im Büro sinnvoll sein. Außerdem sollte es mehrere zusätzliche kurze Pausen geben, die in kühleren Bereichen verbracht werden.

Dürfen Eltern betreuungspflichtiger Kinder nach Hause?

Wenn die Schule entscheidet, dass es zu heiß zum Lernen ist, stehen viele berufstätige Eltern vor einem Problem. Die Kinder werden nach Hause geschickt, und ihnen fehlt eine Betreuung. "Wenn Schulen kurzfristig die Entscheidung treffen, Hitzefrei zu geben, müssen Arbeitgeber berufstätige Eltern im Zweifel unbezahlt freistellen", sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Köln. Allerdings müssten die Eltern erst versuchen, eine Betreuung zu suchen. Die Freistellung sei nur die letzte Option.

Wann bekommen Schüler Hitzefrei?

Ob es überhaupt Hitzefrei gibt oder nicht und wer darüber bestimmt, ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. "Die Entscheidung liegt bei den Ministerien der Länder", sagt Torsten Heil, Pressesprecher der Kultusministerkonferenz. "Die können entscheiden, ob sie das Thema landesweit regeln oder den einzelnen Schulen überlassen."

In Baden-Württemberg zum Beispiel entscheiden die Schulleiter. Orientierung biete eine alte, aber nicht mehr verbindliche Verwaltungsvorschrift. Darin steht: "Die Außentemperatur beträgt um 10 Uhr mindestens 25 Grad Celsius im Schatten. Hitzefrei gibt es frühestens nach der vierten Stunde vom allgemeinen Unterrichtsbeginn der Schule an gerechnet. Hitzefrei gibt es nicht für die beruflichen Schulen und nicht für die gymnasiale Oberstufe."

sun/lku

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insgesamt 92 Beiträge
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Actionscript 21.06.2017
1. Ich kann nur noch lachen.
Zitat: "Die Arbeitsstättenrichtlinie schreibt vor, dass die Firmen an Fenstern, Oberlichtern oder Glaswänden einen Schutz vor der direkten Sonneneinstrahlung anbringen müssen." Es gibt Klimaanlagen, die die Temperatur senken. Wo leben die Deutschen, auf dem Mond?
eunegin 21.06.2017
2. Hitzefrei in der Schule
Selten, aber toll. Im Nachhinein waren die geschenkten ein, zwei frei Stunden extrem motivierend und meist hat man ja zusammen etwas unternommen. Unter dem Strich hat es mehr gebracht als die verpassten Unterrichtsstunden. Kam ja sehr selten vor. Im Beruf ist es jetzt weniger das Büro, das in der Hitze anstrengend ist, sondern der Weg. Berliner S- und U-Bahnen. Übel.
erzengel1987 21.06.2017
3. :-)
Also Hitzefrei an Schulen. Ich hatte einen Schlüssel seit ich in der 3. Klasse bin. Mittags war ich alleine oh Schreck ich habe überlebt^^. Ich habe weder das Haus angezündet noch andere dumme Sachen gemacht. Also bitte gönnt Kindern Hitzefrei. Das ist das geilste was es gibt. Besser allein in der Bude hocken und abkühlen als in der Schule sich zu Tode schwitzen. und Kinder gehören ebenfalls zur Gattung der Menschen, das heißt denen kann man gewisse Verantwortung für sich selbst geben. In andern Ländern arbeiten Kinder in Gruben oder Fabriken um unsere schönen Sachen herzustellen.
erkelenzer 21.06.2017
4. Concha...
Hoffentlich bekommt niemand im Ausland mit, dass wir Deutschen unsere Sommerhochs nach spanischen Genitalien benennen...
fatherted98 21.06.2017
5. Angestellte...
...haben gar keine Rechte. Es gibt auch keine Mindestemperatur die in Arbeitsräumen eingehalten werden muss....das ist ein Mythos...einzige Möglichkeit bei dieser Hitze der Arbeit aus dem Weg zu gehen ist Urlaub oder krank.
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