Gleichstellung an Hochschulen Frau Professorin bleibt in der Minderheit

Nicht einmal jeder vierte Lehrstuhl wird von einer Frau besetzt. Eine Studie zeigt, wie ernst die größten deutschen Hochschulen das Thema Gleichstellung nehmen.

Professorin an der Ruhruniversität Bochum (Archivbild)
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Professorin an der Ruhruniversität Bochum (Archivbild)

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An Hochschulen ist es ähnlich wie in Politik und Wirtschaft: Frauen besetzen deutlich seltener Führungspositionen als Männer. Das zeigt eine Umfrage des Bildungsanbieters WBS bei den 37 größten Hochschulen Deutschlands.

Demnach beträgt der Anteil an Professorinnen im Schnitt rund 23 Prozent. An einigen Hochschulen spielt Gleichstellung allerdings eine größere Rolle als an anderen, zeigt die Umfrage.

  • Die Freie Universität Berlin ist den Ergebnissen zufolge Spitzenreiter: 276 von 444 Professoren sind hier weiblich, die Quote liegt damit bei fast 38 Prozent.
  • Die Universität Paderborn folgt mit einer Professorinnen-Quote von 37 Prozent. 260 Frauen haben hier einen Lehrstuhl inne.
  • Die Universität Koblenz-Landau belegt mit einem Frauen-Anteil von rund 36 Prozent den dritten Platz.

Die wenigsten Frauen auf Lehrstühlen gibt es dagegen an der Technischen Hochschule Mittelhessen (10 Prozent). Das Karlsruher Institut für Technologie beschäftigt 49 Professorinnen (13 Prozent), und an der Technischen Universität Dresden sind nur 14 Prozent der Professuren von Frauen besetzt.

Übersicht Dekaninnen und Professorinnen

Angaben in Prozent

Universität Dekaninnen Professorinnen
BU Wuppertal 0 29,01
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 0 21,31
FSU Jena 10 16,94
FU Berlin 25 37,84
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover 9,09 23,58
Hagen 50 30,59
HS Darmstadt 9,09 21,05
HS München 28,57 19,53
HU Berlin 22,22 32,35
Justus-Liebig-Uni Giessen 27,27 27,05
Karlsruher Institut für Technologie 0 13,35
LMU München 11,11 22,05
Philipps-Universität Marburg 31,25 26,54
Ruhr-Uni Bochum 14,29 29,92
RWTH Aachen 11,11 16,61
TH Köln 18,18 23,99
TH Mittelhessen 0 10
TU Braunschweig 0 19,92
TU Darmstadt 23,08 18,01
TU Dortmund 12,5 26,07
TU Dresden 5,56 13,88
TU München 14,29 18,25
Uni Augsburg 12,5 20
Uni Bonn 0 19,26
Uni Duisburg-Essen 9,09 23,85
Uni Erlangen-Nürnberg 0 18,45
Uni Frankfurt 37,5 25,18
Uni Göttingen 15,38 25
Uni Hamburg 37,5 31,02
Uni Kassel 29,41 28,86
Uni Koblenz-Landau 50 36,36
Uni Mainz 16,13 23,26
Uni Paderborn 20 37,31
Uni Siegen 0 24,31
Uni Stuttgart 10 14,95
Universität Bremen 25 30,94
WWU Münster 13,33 23,93

Quelle: Umfrage der WBS-Gruppe (Oktober 2018)

Noch seltener als Professorinnen sind Dekaninnen. Sie stehen einer Fakultät oder einem Fachbereich vor und werden auf bestimmte Zeit gewählt. Auf dieser höheren Hierarchieebene sind Frauen an den 37 größten Hochschulen des Landes deutlich seltener zu finden. Nicht einmal jedes fünfte Dekanat wird demnach von einer Frau geleitet, die Quote liegt bei 17 Prozent.

Auch hier gibt es wieder große Unterschiede: An der Fernuni Hagen sowie der Universität Koblenz-Landau herrscht der Studie zufolge Gleichstellung. Hier gebe es genauso viele Dekaninnen wie Dekane. Den zweithöchsten Anteil verzeichneten die Universitäten Hamburg und Frankfurt (37,5 Prozent).

An den Universitäten in Siegen, Erlangen-Nürnberg, Bonn, Braunschweig, Kiel und Wuppertal sowie am Karlsruher Institut für Technologie und der TH Mittelhessen werden dagegen derzeit alle Dekanate von Männern geführt.

An zehn der 37 befragten Hochschulen steht eine Frau an der Spitze und bekleidet das höchste Amt als Rektorin oder Präsidentin, allerdings ausnahmslos an Universitäten wie etwa der TU in Dortmund und Braunschweig, der Humboldt-Universität in Berlin, der Fernuni Hagen und den Universitäten in Paderborn und Koblenz-Landau.

Die 37 größten deutschen Hochschulen - und vom wem sie geleitet werden
Quelle: Umfrage der WBS-Gruppe (Oktober 2018)
Rektorinnen
Rektoren

Was beim Vergleich der Hochschulformen auffällt: Keine der untersuchten Fachhochschulen wird von einer Frau geleitet - hier herrscht auf der Führungsebene noch erheblicher Nachholbedarf in Sachen Gleichstellung.

Anmerkung der Redaktion: Die WBS-Gruppe hatte zunächst falsche Angaben zu den Professorinnen und Dekaninnen an einigen Hochschulen genannt und diese im Nachhinein korrigiert. Text und Grafik wurden entsprechend verändert.



insgesamt 48 Beiträge
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m.sc. 31.10.2018
1. Prioritäten
Natürlich sollte es bei den Führungspositionen gleichberechtigt zugehen. Doch wenn die Mitarbeiter in der Regel befristet auf 50 Prozent Teilzeitstellen zu Vollzeitarbeit genötigt werden, sind das die falschen Prioritäten. Wenn man Wissenschaftler in diesen prekären Anstellungen fragt, ist das Geschlecht des Chefs wohl die geringste Sorge. ca. 1000 Euro Netto nach 5 Jahren Studium. Das ist trauriger Alltag.
Supertramp 31.10.2018
2. Deutschlands Professoren stellen sind nicht attraktiv
Erst nach Master-und Doktorarbeit kann man mal mit der 10 Jährigen habil Anfangen. da ist die Zeit wo man ne Familie gründen möchte dann schon durch. und man hat fast 20 Jahren befriste Verträge hinter sich. Das ist doch keine attraktive Forschungs Nation... immer nur auf der Jagd mach veröffentlichten Papern mit Impact Factor
tropfstein 31.10.2018
3. Inhaltsleere Aussage
Wo bleibt hier die die Ursachenforschung? Die Angabe der Gründe? Solange hier nur Zahlen genannt werden, ist es nur Statistik; solange man keine Evidenz für Benachteiligung aufführt, ist es verantwortungslos, aus geringerer Präsenz eines Geschlechts fehlende Gleichstellung abzuleiten. (Paradebeispiel ist hier mal wieder die Strafjustiz: in Deutschlands Gefängnissen siten 15x mehr Männer ein als Frauen), trotzdem ist das Bestreben der Justiz auf Gleichbehandlung durchaus glaubwürdig.)
Richard.M 31.10.2018
4. Immer die gleiche Leier
Fakt ist: ähnlich wie bei Führungspositionen in der Wirtschaft muss man, um eine Professorenstelle zu bekommen, nicht nur talentiert sein, sondern auch echter Workoholic. In der Wissenschaft kommt dazu noch jahrelange Wanderschaft von einer befristeten Position zur nächsten mit unsicheren Aussichten, ob sich das alles auszahlt. Risikobereite, arbeitssüchtige Überzeugungstäter finden sich unter Männern halt häufiger. Frauen fragen sich tendenziell eher, ob sich das alles lohnt (und wie zum Teufel sie mal eine Auszeit einlegen können, um Kinder zu kriegen, während die Konkurrenz weiter Papers schreibt wie blöd).
noethlich 31.10.2018
5. Klar gegen Quoten an Unis (und anderswo)
Warum sollten Geschlechtsmerkmale und nicht Qualifikationen entscheiden, wer einen Lehrstuhl führt? Viele Frauen haben es geschafft, es ist also möglich. In einigen Fächern dominieren sie sogar und warum auch nicht. Eine Quote ist ein schlag ins Gesicht für alle, die sich ihre Position hart erkämpft haben. Die Betonung liegt dabei auf HART, denn hart muss der Kampf um solch wichtige Positionen sein. Bevorzugung oder Benachteiligung aufgrund des Geschlechts ist eine rückwärts gewandte Einstellung verkleidet als vermeintlicher Kampf für Gerechtigkeit. Frauen brauchen keine Quote, die können das auch so. Für Chancengleichheit und gegen Ergebnisgleichheit!
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