Homosexuelle Arbeitnehmer Lesben und Schwule schrecken vor Outing im Job zurück

Die Gesellschaft ist toleranter geworden, doch in der Wirtschaft bleibt Homosexualität vielfach ein Tabu. Fast jeder zweite Befragte verschweigt dem Chef, wenn er in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt.

Homosexuelles Paar (Archivbild)
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Homosexuelle Arbeitnehmer fürchten in Deutschland offenbar noch immer, im Job diskriminiert zu werden. Nur etwa jeder Dritte outet sich gegenüber fast allen Kollegen in seinem Umfeld, wie eine Studie der Boston Consulting Group unter mehr als 4000 jungen Berufstätigen weltweit ergab.

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In anderen Ländern sprechen Beschäftigte teils deutlich offener über ihre Homosexualität, so das Ergebnis der Erhebung. In den USA gab mehr als die Hälfte der Befragten an, dass die allermeisten Kollegen über ihre sexuelle Orientierung Bescheid wüssten, in Großbritannien waren es sogar fast zwei Drittel.

Nach wie vor ein Tabu

Für die Studie wurden lesbische und schwule Berufsanfänger außerdem gefragt, wie sie reagierten, wenn ihr Chef sich bei einem gemeinsamen Mittagessen nach ihrem Privatleben erkundigt. 42 Prozent der deutschen Befragten sagten, dass sie in einer solchen Situation gegenüber ihrem Vorgesetzten falsche Angaben über ihren Beziehungsstatus machten, indem sie verschwiegen, in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft zu leben oder vorgäben, alleinstehend zu sein.

"Die sexuelle Orientierung ist nach wie vor ein Tabu in vielen deutschen Unternehmen", sagt Studienautorin Annika Zawadzki. "Damit schaden sich die Unternehmen vor allem selbst, denn häufig ist ein offener Umgang im Job mit einer höheren Arbeitszufriedenheit verbunden."

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insgesamt 98 Beiträge
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Seite 1
kanoba 26.01.2019
1.
Aus diesem Artikel geht hervor, dass sich alle Homosexuelle bei ihrer Arbeit outen sollten bzw. von ihren Arbeitgebern dazu ermutigt werden sollten. Diese Ansicht ist meiner Meinung nach sehr frag würdig. Die sexuelle Orientierung eines jeden ist erst einmal dessen Privatangelegenheit, die auf der Arbeit nicht weiter thematisiert werden muss, auch von Heterosexuellen wird ja nicht erwartet, dass sie es jedem ihrer Kollegen mitteilen. Davon abgesehen darf natürlich aber auch niemand der sich zu seiner Sexualität äußert bei seiner Arbeit benachteiligt werden.
dasfred 26.01.2019
2. Ich fasse es nicht. Wo wurde die Umfrage gemacht?
Es ist doch heutzutage fast nirgends ein Problem, nebenbei zu erwähnen, dass Zuhause der Mann mit dem Abendessen wartet. Dann ist das Thema durch. Für die Leistung am Arbeitsplatz ist es doch absolut unerheblich, welches Geschlecht die Lebenspartner haben. Das wissen auch die meisten Chefs. Auch die Kollegen haben für sowas oft eine Antenne. Außerhalb vom Profifußball oder auf der Baustelle kräht da kein Hahn nach und selbst dort zählt der Mensch, nicht die Orientierung.
gerhard.heinzmann 26.01.2019
3. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps
Eine Firma ist eine Firma und Kolleg(inn)en sind Kolleg(inn)en und keine Familie und auch kein Freundeskreis. Es interessiert mich nicht was meine Kolleg(inn)en privat machen und noch weniger interessiert mich die sexuelle Orientierung meiner Kolleg(inn)en. Das ist für mich absolute Privatsache. Ich fühle mich vielmehr belästigt durch irgendwelche Outings; warum glaubt der/die Betreffende das mich das interessiert? Das ist Anmaßung; das Privatleben anderer Leute ist für mich tabu und genauso ist mein Privatleben tabu. Daher hat meiner Ansicht nach auch niemand Nachteile im Beruf aufgrund seiner sexuellen Orientierung weil das niemanden interessiert und niemanden etwas angeht; privat kann jeder machen was er will. Sollte wirklich ein Kollege oder gar der Chef nach meinem Privatleben fragen was auch bei mir leider schon vorgekommen ist habe ich keinerlei Probleme damit einfach banale Lügen zu erzählen da es den Anderen eben nichts angeht und Er/Sie auch keinerlei Recht dazu hat mich danach zu fragen.
manicmecanic 26.01.2019
4. @2. träumen Sie weiter
es ist fast nirgends ein Problem auf der Arbeit zu sagen man ist schwul?Sie haben keine Ahnung wieviel Betriebe es gibt wo sehr wohl Schwulenphobie existiert im Jahre 2019.
anonguest 26.01.2019
5.
Zitat von kanobaAus diesem Artikel geht hervor, dass sich alle Homosexuelle bei ihrer Arbeit outen sollten bzw. von ihren Arbeitgebern dazu ermutigt werden sollten. Diese Ansicht ist meiner Meinung nach sehr frag würdig. Die sexuelle Orientierung eines jeden ist erst einmal dessen Privatangelegenheit, die auf der Arbeit nicht weiter thematisiert werden muss, auch von Heterosexuellen wird ja nicht erwartet, dass sie es jedem ihrer Kollegen mitteilen. Davon abgesehen darf natürlich aber auch niemand der sich zu seiner Sexualität äußert bei seiner Arbeit benachteiligt werden.
Nein. Ganz und gar nicht. Kein Mann wird jemals nach seiner Frau gefragt. Außer vielleicht: "Seid Ihr im Urlaub weggefahren? Wie hat es deiner Frau gefallen?" Was sagt man da als schwuler Mann? Lügen, gar nix oder doch "mein Mann fand es toll"? Ist das schon das schon ein fragwürdiges Outing?
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