Humor-Knigge fürs Büro Kennst du schon den?

Manche Pointe ist so gut, die muss einfach raus. Wirklich? Im Büro gelten andere Regeln als am Stammtisch. Wer sie missachtet, verscherzt es sich mit den Kollegen. Sich selbst auf den Arm zu nehmen, kommt besser als ranziger Jux auf Kosten anderer.

Von Christoph Stehr

Das fröhliche Büro: Lachen ist gut - am besten nicht auf dem Rücken anderer
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Das fröhliche Büro: Lachen ist gut - am besten nicht auf dem Rücken anderer


Jumi Vogler, Trainerin in Hannover und Autorin von "Erfolg lacht! Humor als Erfolgsstrategie", zieht eine klare Grenze, wo für sie der Spaß aufhört: "Bei Schlecker. Wenn Tausende Mitarbeiterinnen entlassen werden, ist es nicht möglich, aus Managementsicht einen Witz darüber zu machen. Aus Betroffenensicht schon." Weil Galgenhumor dem Gehenkten gebührt, nicht dem Henker. "In einer Situation, in der Menschen gemobbt werden, geht natürlich ein Witz auch nicht", sagt Vogler.

Die Trainerin bezeichnet sich als "Expertin für Humor und Wertsteigerung" und begleitet Unternehmen bei Veränderungsprozessen, neudeutsch: Change Management. Für Mitarbeiter bedeutet das oft Stress und Konflikte. In solchen Situationen hat Vogler gute Erfahrungen mit "Humorinterventionen" gemacht. Das kann ein Comic in der Firmenzeitschrift sein, der ein ungeliebtes Sparprogramm erläutert. Oder ein Sketch von Führungskräften, die in die Rolle von Produktionsmitarbeitern schlüpfen und aus deren Warte das Management kritisieren.

"Humor ist eine Motivationsstrategie", sagt Jumi Vogler. "Wo ein Mensch nicht nur als störendes Anhängsel seiner Arbeitsproduktivität gesehen wird, sondern als ganzer Mensch mit seinen Emotionen, seiner Begeisterung, wird er beides auch ins Unternehmen einbringen - und nicht in die innere Kündigung gehen."

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Humor, der im Büro für gute Laune sorgt, zeichne sich durch Selbstbezogenheit aus. "Auf Führungsebene sich selber mal auf den Arm zu nehmen, nimmt den Mitarbeitern die Hemmungen, Fehler zu machen, weil der Chef ja auch Fehler macht und darüber lachen kann", sagt Alexander Schwarz, Coach und Clown in Havixbeck bei Münster.

Beispiel: Eine Kundenreklamation bleibt ein paar Tage unbeachtet. Statt das Serviceteam zusammenzustauchen, nimmt der Vorgesetzte einen Teil der Verantwortung auf sich. Coach Schwarz empfiehlt einen lockeren Spruch wie: "Heute läuft aber auch alles schief. Ich frage mich, wie ich Chef werden konnte!" Natürlich muss der Fehler behoben werden, aber das klappt besser in einer gelösten Atmosphäre. Schlecht wäre dagegen ein Witz auf Kosten des zuständigen Mitarbeiters, etwa: "Kollege Meier leidet an Beschwerden-Alzheimer."

Der Humor-Knigge fürs Büro kennt viele solcher Dos and Don'ts:

  • Selbstironie: Do! Wer über sich selbst lachen kann, beweist Souveränität und stärkt ganz nebenbei das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team.
  • Sexismus: Don't! Blondinenwitze gehören in die unterste Schublade und sollten auch in einer reinen Männerrunde nicht rausgelassen werden. Das gilt allgemein für "unanständige" Witze.
  • Schlagfertigkeit: Do! Gekonnt kontern ist eine Kunst, die bösen Bemerkungen die Spitze nimmt. "Na, machst du wieder als erster Feierabend?" - "Klar, Schönheit geht vor!"
  • Politik: Don't! Sie wissen nie, welche Partei Ihr Kollege wählt. Deshalb sind politische Witze heikel. Vor allem im Ausland ist das vermintes Gelände.
  • Taktischer Einsatz: Do! Nichts löst Spannungen in einem Meeting besser als ein netter Scherz. Auch festgefahrene Verhandlungen mit Kunden kommen so wieder in Gang.
  • Beleidigen: Don't! Anspielungen auf körperliche Merkmale wie Übergewicht, abstehende Ohren oder Glatze sind gar nicht lustig. Wer so auf einen Lacher spekuliert, lacht meist allein.
  • Üben: Do! Es gibt Menschen, die vermasseln jede Pointe. Deshalb den Witz zunächst im Stillen erzählen, dann erst den Mund aufmachen. Unschön ist es auch, anderen die Pointe zu klauen.
  • Anbiedern: Don't! Je vertrauter Menschen miteinander umgehen, desto mehr Humor vertragen sie. Im Umkehrschluss heißt das: Dem neuen Chef sollen Sie nicht als erstes einen Kalauer auftischen.
  • Kritisch sein: Do! Kein Witz verpflichtet zum Mitlachen. Geht der Schuss daneben, zum Beispiel unter die Gürtellinie, dürfen Sie Ihr Missfallen ausdrücken. Das hat nichts mit Spaßbremse zu tun.
  • Schneeballeffekt: Don't! Humor ist etwas für die direkte Kommunikation. Mails mit lustigen Videos, Fotos oder Texten aus dem Internet verbreiten sich unkontrolliert und landen oft beim Falschen. Wird die Spur zurückverfolgt, kann es für den Erstversender ungemütlich werden. Problematisch sind auch Verstöße gegen das Urheberrecht.
  • Komplimente: Do! Die schönste Verpackung für Humor ist eine freundlich gemeinte Übertreibung. "Sie sind der Controller der Herzen!" bereitet mehr Freude als ein knappes "Gut gemacht!"

  • Kerstin Krüger
    KarriereSPIEGEL-Autor Christoph Stehr ist freier Journalist in Hilden.



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insgesamt 11 Beiträge
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bullfrog63 27.06.2012
1. Controller der Herzen? Naja...
ob das Freude bereitet? Zur Erinnerung: der Spruch ist abgeleitet vom "Meister der Herzen" - der Titel, der Schalke 04 gebührte, als sie in letzter Sekunde vom FC Bayern von der Meisterschale weggerissen wurden und eben nicht Meister, sondern mitleidig Meister der Herzen wurden - da wäre mir ein einfaches "gut gemacht" lieber als das...
wosenjohn 27.06.2012
2. Controller der Herzen
Zitat von bullfrog63ob das Freude bereitet? Zur Erinnerung: der Spruch ist abgeleitet vom "Meister der Herzen" - der Titel, der Schalke 04 gebührte, als sie in letzter Sekunde vom FC Bayern von der Meisterschale weggerissen wurden und eben nicht Meister, sondern mitleidig Meister der Herzen wurden - da wäre mir ein einfaches "gut gemacht" lieber als das...
Das sehe ich ebenso. Für mich würde der Spruch bedeuten: "Ich weiß daß du es gut gemeint hast, aber versagt hast du trotzdem"
bergmann965 27.06.2012
3. Persönlichkeit ablegen
Darf ich zusammenfassen: Persönlichkeit bitte ablegen und flutschig werden wie ein Fisch!
Greetings 27.06.2012
4. Das hat nichts mit Persönlichkeit ablegen zu tun,
sondern mit Professionalität. Hier geht es ganz einfach darum, wie man miteinander kommuniziert und das in einem professionellem Umfeld. Es sollen keine tiefgehenden Freundschaften aufgebaut werden und es soll niemand verletzt werden. Wenn man die genannten Regeln beherzigt ist man schon gut dabei. Im Beruf trifft man auf so unterschiedliche Menschen, die auch wiederum in ganz unterschiedlichen Situationen stecken, dass nicht jeder gerade entspannt ist, um zwischen den Zeilen auch die humorvoll gemeinten Seitenhiebe korrekt zu deuten. Dazu kommen wohlmöglich noch interkulturelle Besonderheiten, durch ausländische Mitarbeiter. Also da ist es häufiger viel angenehmer einfach den Joke zu schlucken. Mehr ist das nicht.
Hagen_von_Tronege 28.06.2012
5. political correctness im Büro
Zitat von bergmann965Darf ich zusammenfassen: Persönlichkeit bitte ablegen und flutschig werden wie ein Fisch!
Sehe ich auch so- wer ist denn die Zielgruppe für solche Banalitäten? Wer soll ein Buch über "political correctness im Büro" kaufen? Wer keine Antenne hat für peinliche Witze kann es auch nicht lernen.
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