Frag Anne Kann ich der Mitarbeiterin verbieten, was ich mir selbst erlaube?

Wenn der eine seinen Hund zur Arbeit mitbringt, darf die andere das auch. Gleiches Recht für alle - oder? Einen Bürochef nervt der zapplige Handtaschenhund der Kollegin. Managementexpertin Anne Weitzdörfer weiß Rat.

Hund im Büro: Der tut nix, der will nur Wurst
Getty Images

Hund im Büro: Der tut nix, der will nur Wurst


Ich bin Partner in einem kleinen Ingenieurbüro mit 15 Mitarbeitern. Wir sind seit vielen Jahren ein eingeschworenes Team und arbeiten gut und unkompliziert zusammen. Jetzt entwickelt sich ein eigentlich unwichtiges Thema zu einem echten Politikum: Ich bringe seit vielen Jahren meinen Hund mit ins Büro. Er ist groß, alt und vollkommen unauffällig. Vor zwei Wochen hat eine neue, sehr selbstbewusste Mitarbeiterin auch ihren Hund mitgebracht. Das ist so ein Handtaschenhund, der viel Unruhe reinbringt und mich schon jetzt massiv stört. Was tun?
Silvio, 47 Jahre, Ingenieur

Zur Autorin
  • Tobias Nikolajew
    Als Beraterin und Coach kennt Anne Weitzdörfer sich mit Problemen im Büro bestens aus. Bevor sie sich selbständig machte, war sie einige Jahre in einer Strategieberatung tätig. Heute berät sie Unternehmen im Bereich Organisationsentwicklung.
  • Haben Sie eine Frage an sie? Schicken Sie eine E-Mail.
Anne Weitzdörfer antwortet:
Ein alter Patriarch würde das Thema ganz einfach durch sein Vorzimmer klären lassen: quod licet iovi, non licet bovi - was der Chef darf, darf der Untergebene noch lange nicht. Die Mitarbeiterin würde kurz bei der Sekretärin maulen, wüsste aber, dass Widerstand zwecklos ist. Ihr Hund muss zu Hause bleiben.

Ich höre Sie seufzen, denn für einen Moment wären Sie gern so, nur so lange, bis das Thema vom Tisch ist. Sind Sie aber nicht. Denn obwohl der kleine Kläffer Ihren Blutdruck jeden Tag in besorgniserregende Höhen treibt, wollen Sie die "Ober-sticht-Unter-Karte" nicht spielen. Allerdings wollen Sie sich mit der Mitarbeiterin auch nicht auf eine Stufe stellen und im schlimmsten Fall Ihren Hund ebenfalls zu Hause lassen. Ein astreines Dilemma.

Das endet im schlimmsten Fall in ungutem Lavieren; dann erklären Sie der Kollegin umständlich, warum das gerade echt schwierig ist mit den beiden Hunden im Büro. Für die Atmosphäre. Und erst recht für die Konzentration. Ist nämlich ganz schön unruhig, der kleine Racker. Die Kollegin ist danach genervt. Nicht nur von der Tatsache, dass der Hund künftig zu Hause bleiben muss, sondern weil Sie nicht die Traute hatten, ihr das direkt zu sagen. Recht hat sie.

Alternativ akzeptieren Sie stillschweigend den Hund und damit auch das von der Kollegin elegant eingeforderte gleiche Recht für alle. Schlucken die Wut jeden Tag aufs Neue mit ein paar Blutdrucksenkern herunter und erfreuen sich an der neuen lebendigen Atmosphäre im Büro. Nicht gut? Ach, kommen Sie!

Ich denke, es ist klar, worauf ich hinaus will: Beziehen Sie Position! Ja, Sie nehmen hier als Partner ein Privileg in Anspruch - und das ist vollkommen okay. Stellen Sie sich vor, die Kollegin würde ebenso selbstbewusst einen Firmenwagen fordern. Würde es Ihnen da schwerfallen, klar zu sein? Im Kern ist dies genau das Gleiche.

Also, auch wenn es Ihnen unangenehm ist: Führen Sie das Gespräch umgehend und bitten Sie die junge Kollegin freundlich und ohne Umschweife, ihren Hund künftig zu Hause zu lassen. Ohne weitere Diskussion oder gar Rechtfertigung. Und wenn Sie das Gespräch hinter sich gebracht haben, schließen Sie für einen Moment die Tür und freuen sich über die wiedergewonnene Ruhe im Büro.

Fotostrecke

9  Bilder
Qualifiziert und stubenrein: Abteilungskollegen mit Schnauze

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 68 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
torstend 22.09.2015
1. Zu kurz gedacht
Ich glaube, hier wurden bei der Beschwerde zwei Details übersehen. Die Beschreibung "eine neue, sehr selbstbewusste Mitarbeiterin" deutet darauf hin, dass die Chefin mit der Angestellten Probleme über den Hund hinaus hat. Und "der viel Unruhe reinbringt und mich schon jetzt massiv stört" ist entlarvend vage. Hier scheinen eher zwischenmenschliche Konflikte die Ursache der Beschwerde zu sein und über den Hund soll eben doch eine Hierarchie gesetzt werden.
hk1963 22.09.2015
2. Wo ist das Problem?
Die Frage ist ja nicht, ob Hunde im Büro erlaubt sind, sondern ob Hunde, die nicht stören, im Büro erlaubt sind. Liegt der Hund den ganzen Tag brav in seinem Körbchen: kein Problem. Aber ein Hund, der sich ständig bemerkbar macht hat in einem Büro nichts verloren. Punkt.
Olaf 22.09.2015
3.
Zitat von torstendIch glaube, hier wurden bei der Beschwerde zwei Details übersehen. Die Beschreibung "eine neue, sehr selbstbewusste Mitarbeiterin" deutet darauf hin, dass die Chefin mit der Angestellten Probleme über den Hund hinaus hat. Und "der viel Unruhe reinbringt und mich schon jetzt massiv stört" ist entlarvend vage. Hier scheinen eher zwischenmenschliche Konflikte die Ursache der Beschwerde zu sein und über den Hund soll eben doch eine Hierarchie gesetzt werden.
Klar geht es hier um menschliche Konflikte. Die neue Mitarbeiterin will Grenzen austesten, das ist ja schon ein bewusste Provokation, auf die ein Chef reagieren muss. Die neue Kollegin hätte ja vorher auch mal fragen können, ob sie ihren Hund mitbringen darf. Hat sie aber offensichtlich nicht.
Atheist_Crusader 22.09.2015
4.
Zitat von hk1963Die Frage ist ja nicht, ob Hunde im Büro erlaubt sind, sondern ob Hunde, die nicht stören, im Büro erlaubt sind. Liegt der Hund den ganzen Tag brav in seinem Körbchen: kein Problem. Aber ein Hund, der sich ständig bemerkbar macht hat in einem Büro nichts verloren. Punkt.
War auch mein Gedanke. Hier geht es nicht um "mein Recht auf X vs. ihr Recht auf X", sondern "mein Recht auf X vs. ihr Recht auf Y". Nur weil jeder ein Recht auf einen Parkplatz hat, heißt das ja auch nicht, dass dann einer plötzlich mit einem Vierzigtonner zur Arbeit kommen kann.
eimer-gelbwurst 22.09.2015
5. Also
meiner Meinung nach hat ein Hund überhaupt nix in einem Büro zu suchen. Mal Abgesehen vom Gestank, den ein Hund grundsätzlich produziert, was ist wenn ein Mitarbeiter eine Allergie hat?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.