Hundewaschanlagen Knurren, schäumen, schütteln

Einmal mit Shampoo, bitte: Drei Gründer aus Pforzheim verkaufen Waschanlagen für Hunde. Die Geräte stehen an Baumärkten, Zoohandlungen und Autowaschstraßen. Tierhalter sind unsicher, ob sie so was brauchen. Testhündin Leo hat ihr Urteil schon gefällt.

Von Steve Przybilla

Steve Przybilla

Ein lautes Knurren, ein beherzter Sprung nach vorn: Der erste Biss verfehlt den Fön nur knapp. Der zweite hinterlässt einen Kratzer im Plastik. Keine Frage: Testhündin Leo hat genug. Nach dem Standard-Waschprogramm (Warmwasser, Hundeshampoo, Abspritzen) muss das Fell trocknen. Doch der Fön, der wie ein Autostaubsauger aussieht, ist Leo suspekt. Ein demonstratives Schütteln, dann ist der Waschgang vorbei.

Szenen wie diese sind in Deutschland vermehrt zu beobachten, seit die Darado GmbH aus Ingersheim ihre Geschäftsidee umsetzt. Im vergangenen Jahr nahm die baden-württembergische Start-up-Firma die erste selbst entwickelte Hundewaschanlage in Betrieb - offenkundig eine Marktlücke. Inzwischen stehen 25 solcher Automaten in Deutschland und Österreich. "Allein in der Bundesrepublik gibt es 5,4 Millionen Hunde", sagt Gesellschafterin Vera Moor, 30. "Der Bedarf ist riesig."

Ein Modell steht in Kehl auf dem Gelände einer Autowaschanlage, wobei die Hundevariante aber etwas anders funktioniert. Es fahren nicht etwa Bürsten an den Hund heran, um ihn automatisch einzuschäumen. Das müssen Frauchen oder Herrchen schon selbst machen. Die Konstruktion gleicht eher einer Waschbox: Der Hund erreicht über eine Rampe die Wanne. An der Seite hängt ein Schlauch, aus dem wahlweise klares oder mit Shampoo versetztes Wasser strömt, je nachdem, welche Taste man drückt.

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Neugierig schnuppert Leo an der gummierten Matte, auf der noch ein paar Haare des Vorgängers liegen. Münze einwerfen, Warmwasser wählen, Sprühpistole in die Hand nehmen: Los geht's! In dem Moment, als Leo den Schlauch sieht, steuert sie wieder auf die Rampe zu. Doch eine Kette sorgt dafür, dass der Hund angeleint bleibt.

Knurren, bellen - "Die freut sich aber!"

Nass machen, einseifen, abspülen und trocknen: Das alles kostet vier Euro - und Geduld. Schon nach dem ersten Spritzer knurrt Leo den Wasserstrahl an, das Bellen folgt später. Ein Mitarbeiter der Waschanlage kommt euphorisch herbeigeeilt: "Die freut sich aber", ruft Dogan Nihat. "Für Hunde ist das eben was ganz Tolles." Zu seiner Verteidigung muss man sagen: Es gibt tatsächlich Hunde, denen eine solche Prozedur nichts ausmacht. Hundedame Leo zählt nicht dazu.

Eine wirkliche Neuerfindung ist die Hundewaschanlage nicht. In Südeuropa, Japan und den USA gibt es "Dog Washing Machines" schon länger - sogar mit Vollautomatik. In Deutschland hingegen wurden sie in der Vergangenheit nur vereinzelt aufgestellt, etwa in Hamburg oder Berlin. Darado verkauft seine Waschboxen bisher vor allem an Zoohandlungen, Autowaschanlagen, Hundesalons und Baumärkte. Laut Angaben des Unternehmens variiert der Preis je nach Ausstattung zwischen 13.500 und 18.000 Euro.

"Viele potentielle Kunden wissen noch gar nicht, dass es so was überhaupt gibt", sagt Vera Moor. "Da ist noch viel Luft nach oben." Die drei Firmengründer haben sich während ihres Studiums an der Fachhochschule Pforzheim kennengelernt. Zusammen mit ihrem Mann Georg, gelernter Maschinenbauer, und Informatiker Dennis Bolger habe man ein Jahr lang an der Idee getüftelt. Vera Moor, gelernte Produktdesignerin, kümmerte sich um das Aussehen der Anlage.

"Niemand versaut sich gerne das Bad"

Doch wer braucht überhaupt eine Hundewaschanlage? Schließlich kann jeder sein Tier auch zu Hause in die Badewanne stellen. Moor antwortet sofort: "In der Badewanne müssen Sie sich bücken, das ist nicht gut für den Rücken." An der Waschbox stehe man dagegen aufrecht und müsse weit weniger bezahlen als in einem Hundesalon. "Außerdem", sagt Moor, "versaut sich doch niemand gerne das Bad."

In der Branche der Hundesalons sorgt das Geschäftsmodell aus Baden-Württemberg bisher nicht für Furore. "Aus unserer Sicht kann man das vernachlässigen", sagt Ute Klaßen, Vorsitzende des "Berufsverbands der Groomer", also der Hundefrisöre. Kunden, die bloß zum Baden in einen Hundesalon kämen, gebe es kaum. "Diese Dienstleistung wird oft viel zu günstig angeboten und lohnt sich für unsere Fachkräfte kaum", sagt Klaßen. "Das ist, als ob man sein Auto in der Werkstatt vom Meister waschen ließe."

Ihr Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr: Das Geschäft rund um die Tierpflege wächst seit Jahren. Der Berufsverband schätzt die Zahl der Hundesalons in Deutschland auf über 3000 - genaue Daten gibt es wegen einer fehlenden Meldepflicht nicht.

Und dann kommt doch noch ein kleiner Seitenhieb gegen die neue Erfindung. "Ich bezweifle, ob die Wassertemperatur immer passend eingestellt ist", sagt Klaßen. "Einen Hund zu baden, ist schwerer als gedacht." Testhündin Leo würde da sicher nicht widersprechen. Ein letztes Mal schüttelt sie sich, dann rennt sie schleunigst die Rampe herunter.

  • Steve Przybilla (Jahrgang 1985) ist freier Journalist und lebt in Freiburg im Breisgau.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
mactor2 27.11.2013
1. Wenn der Bedarf so riesig ist....
Ich sehe zwar als Hundebesitzer keine Bedarf für so ein Gerät aber wenn der Bedarf sooo riesig ist wird der Markt das schon regeln....
al2510 27.11.2013
2. Das ist Tierquälerei!
Ein einziges Mal war ich mit meinem Hund im Hundesalon. Als man mir sagte ich soll in einer Stunde den Hund abholen, ich darf nicht beim Wäschen dabei sein, gingen wir beide von dannen. Nie wieder haben wir einen Hundesalon betreten. So gesehen ist der Automat vielleicht besser, weil man dabei sein darf und der Hund nicht betäubt werden kann, aber der gute Hundebesitzer erledigt diesen Dienst selber. Wer ein wenig potenter ist, baut sich ein Hundebad. Hauptsache viel Wasser. Das macht dem Hund Spaß und sauber wird er auch. Warum baut keiner einen Hundeswimmingpool? Das mag jeder Hund, die baden sogar bei Frost freiwillig in der Natur. Da würde ich täglich zum Hundebaden gehen.
chewbakka 27.11.2013
3. Furz auf Krücken !
Was für eine Schanpsidee ! Ein richtiger Hund hat ein im Wesentlichen selbstreinigendes Fell, das durch regelmäßiges Bürsten sauber und filzfrei gehalten wird. Beim Waschen wird lediglich der natürliche Fellschutz mit rausgewaschen und DANN bleibt der Dreck im Fell hängen - und der Hund fängt an zu stinken - und wird dann wieder gewaschen ..... fängt an zu stinken .... wird ..... Habe selber einen Neufi, der in den 8 Jahren noch nie gewaschen wurde - klar, daß er in jeden See und Fluss springt und badet - aber dabei wird das Wollfett nicht aus dem Fell gespült. Und ja, wenn er nass ist, riecht er halt nach 'nassem Hund' - aber trocken eben nicht. Wer seinen Hund so vermenschlicht, daß er ihn regelmäßig schamponiert, sollte sich überlegen, ob nicht eine Schildkröte das geeignetere Haustier wäre....
thanks-top-info 27.11.2013
4.
gibt's in Australien schon ewig auf Autowaschanlage. Hier aber wird das waschen aber auch als Service angeboten. Dazu kommt jemand mit einem entsprechend eingerichteten PKW Anhänger vorbei
BlauesBienchen 27.11.2013
5. optional
Zitat von chewbakkaWas für eine Schanpsidee ! Ein richtiger Hund hat ein im Wesentlichen selbstreinigendes Fell, das durch regelmäßiges Bürsten sauber und filzfrei gehalten wird. Beim Waschen wird lediglich der natürliche Fellschutz mit rausgewaschen und DANN bleibt der Dreck im Fell hängen - und der Hund fängt an zu stinken - und wird dann wieder gewaschen ..... fängt an zu stinken .... wird ..... Habe selber einen Neufi, der in den 8 Jahren noch nie gewaschen wurde - klar, daß er in jeden See und Fluss springt und badet - aber dabei wird das Wollfett nicht aus dem Fell gespült. Und ja, wenn er nass ist, riecht er halt nach 'nassem Hund' - aber trocken eben nicht. Wer seinen Hund so vermenschlicht, daß er ihn regelmäßig schamponiert, sollte sich überlegen, ob nicht eine Schildkröte das geeignetere Haustier wäre....
Danke, sie haben sowas von Recht. Unser Golden Retriever wird lediglich dann mal gewaschen, wenn er sich in irgendwelchen Unsäglichkeiten gewälzt hat. Das kann man nicht immer verhindern, wenn der Hund auch frei laufen darf (im Reitstall oder bei Freunden auf dem Land z.B.). Das bisher schlimmste war, als er mit dem Hund von Freunden eine Tonne mit Fischabfällen ausgeräumt und sich darin gewälzt hat. Natürlich am Vortag der 800km langen Heimfahrt ;) Davon ganz abgesehen und auf die Fotos zum Artikel bezogen: Die Hündin hat eindeutig keine Freude an der ganzen Prozedur, für mich sieht es stark nach Angst aus. So intelligente und sensible Wesen muss man langsam an Neues gewöhnen und ihnen die Chance geben, es positiv zu verknüpfen (ähnlich wie Transportboxen z.B.).
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