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22. März 2017, 16:47 Uhr

Neue IBM-Strategie

Weg vom Homeoffice

Das Homeoffice galt lange als Arbeitskonzept der Zukunft: flexibel für Mitarbeiter, preiswert für Unternehmen. IBM steuert jetzt laut einem Medienbericht um. Zurück ins Büro, heißt die Devise.

Es ist ein Bruch mit einer langen Tradition: Der Softwarekonzern IBM hat angekündigt, dass rund 2600 Mitarbeiter der US-Marketing-Abteilung nicht mehr im Homeoffice, sondern nur noch "Seite an Seite" in Büros an sechs zentralen Standorten in den USA arbeiten sollen. Das meldete das Portal "Quartz". Andere Abteilungen seien diesen Schritt schon gegangen, oder hätten ihn noch vor sich.

Marketing-Chefin Michelle Peluso hat demnach in einer Videobotschaft an ihre Mitarbeiter erklärt, sie kenne "nur ein Rezept für Erfolg" - und das beinhalte großartige Menschen, die richtigen Werkzeuge, eine Mission, die kritische Analyse des eigenen Handelns sowie "wirklich kreative und inspirierende Arbeitsplätze". Und die gebe es im Büro.

Für viele IBM-Mitarbeiter bedeutet das eine radikale Änderung ihres Arbeitsalltags. Seit den frühen Neunzigerjahren hatte die Firma viele Heimarbeitsplätze eingerichtet und galt damit als Trendsetter. So arbeiteten im Jahr 2009 rund 40 Prozent aller 386.000 Mitarbeiter zumindest teilweise zu Hause - mit spürbaren Folgen: Laut IBM-Angaben konnten deswegen die Büroflächen verkleinert und allein in den USA jedes Jahr 100 Millionen Dollar gespart werden.

In der Firma sorge die Kehrtwende jetzt für erhebliche Unruhe, heißt es in dem Bericht, zumal sie zum Teil auch einen Umzug an andere Standorte bedeutet. Doch IBM habe gar keine andere Chance, als mit neuen Maßnahmen die Produktivität zu erhöhen, zitiert "Quartz" den Management-Professor John Sullivan von der San Francisco State University.

Vergleichbare Unternehmen wie Facebook oder Apple machen demnach bis zu zwei Millionen Dollar Umsatz pro Jahr und Mitarbeiter, IBM dagegen nur 200.000 Dollar. "Heimarbeit war eine großartige Strategie für die Achtziger- und Neunzigerjahre", so Sullivan, "aber für 2015 passt das nicht mehr." Die persönliche, direkte Zusammenarbeit sei heute der Schlüssel für Innovation.

him

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