Neue IBM-Strategie Weg vom Homeoffice

Das Homeoffice galt lange als Arbeitskonzept der Zukunft: flexibel für Mitarbeiter, preiswert für Unternehmen. IBM steuert jetzt laut einem Medienbericht um. Zurück ins Büro, heißt die Devise.

Büros von IBM in Dublin (Archivbild)
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Büros von IBM in Dublin (Archivbild)


Es ist ein Bruch mit einer langen Tradition: Der Softwarekonzern IBM hat angekündigt, dass rund 2600 Mitarbeiter der US-Marketing-Abteilung nicht mehr im Homeoffice, sondern nur noch "Seite an Seite" in Büros an sechs zentralen Standorten in den USA arbeiten sollen. Das meldete das Portal "Quartz". Andere Abteilungen seien diesen Schritt schon gegangen, oder hätten ihn noch vor sich.

Marketing-Chefin Michelle Peluso hat demnach in einer Videobotschaft an ihre Mitarbeiter erklärt, sie kenne "nur ein Rezept für Erfolg" - und das beinhalte großartige Menschen, die richtigen Werkzeuge, eine Mission, die kritische Analyse des eigenen Handelns sowie "wirklich kreative und inspirierende Arbeitsplätze". Und die gebe es im Büro.

Für viele IBM-Mitarbeiter bedeutet das eine radikale Änderung ihres Arbeitsalltags. Seit den frühen Neunzigerjahren hatte die Firma viele Heimarbeitsplätze eingerichtet und galt damit als Trendsetter. So arbeiteten im Jahr 2009 rund 40 Prozent aller 386.000 Mitarbeiter zumindest teilweise zu Hause - mit spürbaren Folgen: Laut IBM-Angaben konnten deswegen die Büroflächen verkleinert und allein in den USA jedes Jahr 100 Millionen Dollar gespart werden.

In der Firma sorge die Kehrtwende jetzt für erhebliche Unruhe, heißt es in dem Bericht, zumal sie zum Teil auch einen Umzug an andere Standorte bedeutet. Doch IBM habe gar keine andere Chance, als mit neuen Maßnahmen die Produktivität zu erhöhen, zitiert "Quartz" den Management-Professor John Sullivan von der San Francisco State University.

Vergleichbare Unternehmen wie Facebook oder Apple machen demnach bis zu zwei Millionen Dollar Umsatz pro Jahr und Mitarbeiter, IBM dagegen nur 200.000 Dollar. "Heimarbeit war eine großartige Strategie für die Achtziger- und Neunzigerjahre", so Sullivan, "aber für 2015 passt das nicht mehr." Die persönliche, direkte Zusammenarbeit sei heute der Schlüssel für Innovation.

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insgesamt 72 Beiträge
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lassmabessersein 22.03.2017
1. Was genau war nun in den Achtziger- und Neunzigerjahren anders?
Scheint mir eher ein Akt der Verzweifelung, als die Lösung der Probleme. Vor allen Dingen wird die Motivation bei vielen Mitarbeitern zerstört. Die zwangsweise Umgewöhnung wird bei vielen zur inneren Kündigung oder Arbeitsverweigerung führen. Da hat ein Chef nichts von Mitarbeitermotiviation verstanden. Toi Toi Toi!!!
noalk 22.03.2017
2. vergleichbare Firmen?
Facebook und Apple sind mit IBM nicht zu vergleichen. Facebook und Apple "verdienen" ihr Geld damit, dem Konsumenten etwas zu verkaufen, was er eigentlich nicht braucht. IBM produziert aber so gut wie nichts, was direkt beim Endverbraucher ankommt. Es darf getrost bezweifelt - gar verneint - werden, dass IBM-Mitarbeiter an einem Büroarbeitsplatz 10x produktiver sind als im Homeoffice.
c.m.johannsen 22.03.2017
3. Ja, so ist das nun einmal.
Wettbewerb ist Kampf! Und kämpfen kann man in einem Unternehmen nur gemeinsam. Wer das nicht will, sollte Freelancer oder Ich-AG werden. Man kann nicht alles haben: Gutes Gehalt, Betriebsrente etc. und dafür als Gegenleistung Pseudoarbeiten im Home Office verrichten. Achtung, gleich kommen hier die ersten Helden, bei denen das natürlich alles wunderbar klappt. Die Frage ist nur, wie sie von daheim hart arbeiten können, wenn sie doch Gründe haben, dort sein zu wollen? 10 h Home Office und der Rest für Kinder oder Haustier? Wer es glaubt, wird selig.
gebe52 22.03.2017
4. Arbeitsplätze
»sie kenne "nur ein Rezept für Erfolg" - und das beinhalte großartige Menschen, die richtigen Werkzeuge, eine Mission, die kritische Analyse des eigenen Handelns sowie "wirklich kreative und inspirierende Arbeitsplätze"« – ich hoffe doch, dass mit den inspirierenden Arbeitsplätzen nicht die abgebildeten »Karnickelställe« gemeint sind. MfG
Wofgang 22.03.2017
5.
Die nächste Entlassungswelle wird die Mitarbeiter sicher nocheinmal zusätzlich motivieren. Man konnte ja auch mal die Mitarbeiter fragen, welche Organisationsstrukturen ihre Produktivität auffressen.
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