Frag die Karriereberaterin Warum komme ich im Job nicht vorwärts?

Top ausgebildet, fleißig - und trotzdem keine Karriere. Gerade sehr kompetente Mitarbeiter erleben oft, dass sie im Job ausgebremst werden. Da hilft nur eine neue Strategie.

Wer im Job nicht vorwärtskommt, sollte Forderungen stellen
plainpicture/Kniel Synnatzschke

Wer im Job nicht vorwärtskommt, sollte Forderungen stellen

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Michael ist promovierter MBA und erlebt immer wieder dasselbe: Dominante Alpha-Chefs übergehen ihn. Er muss unwichtige Aufgaben erledigen, ohne dafür mit interessanten Jobs belohnt zu werden. Er fragt: Warum passiert das immer mir?

Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Im Berufsleben zeigen sich oft seltsame Muster. Viele fleißige und kompetente Mitarbeiter geraten an cholerische Chefs, sollen ohne Anleitung immer wieder neue Aufgaben übernehmen oder werden ständig da eingesetzt, wo es gerade eng ist. Oder sie werden von allem ferngehalten, was ihnen Sichtbarkeit und Anerkennung im Unternehmen verschaffen könnte.

Zur Autorin

Der Grund ist, dass viele Chefs gern Menschen um sich haben, die viel arbeiten, aber ihnen nicht gefährlich werden können. Sie sehen gute Mitarbeiter als Lastentiere an, die einem alles abnehmen. Gut behandeln tun sie sie deshalb noch lange nicht.

Grenzen setzen und Grenzen übertreten

Dass so etwas passieren kann, im Grunde reine Ressourcenverschwendung, liegt einerseits an der Führungs- und Unternehmenskultur, andererseits aber auch an den Mitarbeitern selbst. Wiederholen sich Muster im Berufsleben, hat das immer auch mit einem selbst zu tun. Wer wie Michael immer kleingehalten wird, zieht keine Grenzen und fordert nichts ein. Er muckt nicht auf, sondern macht, was man erwartet. Das ist sehr angenehm für Chefs.

Michael, im Grunde wäre es einfach: Wenn Sie Aufgaben nicht erledigen möchten, dann sagen Sie das. Und wenn Sie andere Aufgaben haben und sichtbarer werden möchten, dann fordern Sie das ein. Seien Sie zur Not ein bockiger Esel, weichen sie nicht von der Stelle. Aber stellen Sie es geschickt an.

Es ist eine hohe Karrierekunst, die richtigen eigenen Grenzen zu setzen und in angemessener Weise die Grenzen von anderen zu übertreten. In der Situation der Grenzsetzung geht es darum, Nein zu sagen und neue Aufgaben oder Projekte abzulehnen. Denn mit psychologischen Grenzübertretungen ist es so: Wenn wir sie einmal zulassen, dann wird der Chef sie immer wieder verlangen.

Ich erinnere mich an eine Geschäftsführungsassistentin, die ihrem Chef morgens Wurstbrote schmieren sollte. Das hat sie jeden Tag aufs Neue geärgert. Sie hat es trotzdem gemacht. Eines Tages aber hörte sie damit auf. Und, was soll ich sagen - es war kein Problem. Der Respekt ihr gegenüber stieg sogar.

Möglichst viel aus dem System herausholen

In der anderen Situation, der Grenzüberschreitung, geht es darum, die potenziellen Möglichkeiten auszutesten und den Radius des eigenen Einflusses neu zu definieren. Wenn wir einmal eine Grenze übertreten haben, ohne Schwierigkeiten zu bekommen, dann wird uns das höchstwahrscheinlich auch noch einmal gelingen.

Grenzüberschreitungen sind sogar sinnvoll und auch notwendig, wenn sie im Sinne des Unternehmens sind. So erinnere ich mich an einen Klienten, der von seinem direkten Vorgesetzten ausgebremst wurde. Als er eines Tages im Fahrstuhl seinen obersten Chef traf, stellte er ihm eine Idee vor - die Hierarchie ließ er dabei vollkommen außer Acht. Der Chef war begeistert und wollte über weitere Entwicklungen auf dem kurzen Dienstweg informiert werden. Das hat dieser Mitarbeiter seiner Führungskraft erzählt, die ihn fortan nicht mehr blockieren konnte.

Lieber Michael: Erfolg im Beruf hat wenig mit guter formaler Ausbildung zu tun. Es bringen einen Dinge weiter, die man in keiner Universität der Welt lernen kann - wie etwa Einflussstrategien zu entwickeln und sein Verhalten verschiedenen Situationen und Persönlichkeiten gegenüber anzupassen.

Es wird in Unternehmen der belohnt, der für sich das Beste aus dem jeweiligen System herausholt, weil er es durchschaut hat. Es überleben zwar die am längsten, die sich am besten an das jeweilige System anpassen. Karriere machen aber jene, die auch viel aus ihm herausholen können.



insgesamt 34 Beiträge
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m.m.s. 21.04.2016
1. Als Mann diesen Fehler nicht machen
Größter Fehler als Mann wäre es eine Beraterin zu fragen. Unzufriedenheit ist der Preis, da die Ziele einfach andere sind. Viel wichtiger ist es sich selber Ziele zu setzen nach seinen Interessen, Fortbildung zu machen, und einen Positionswechsel im Betrieb oder Stellenwechsel zu versuchen.
unimog_andi 21.04.2016
2. Da braucht es keine Beraterin...
wer vorankommen will muss wechseln. Entweder die Abteilung oder die Firma.
brassica 21.04.2016
3.
Eine Aneinanderreihung von Binsenweisheiten. Warum dieser Artikel?
Olaf 21.04.2016
4.
Die Tipps sind gar nicht so verkehrt. Da ist schon einiges dran. Hilft das alles nicht, sollte man wirklich einen Wechsel ins Auge fassen.
Wayne2000 21.04.2016
5. Vielleicht auch nur weniger in SPON Foren lesen
Zitat von unimog_andiwer vorankommen will muss wechseln. Entweder die Abteilung oder die Firma.
In Foren zum Thema Beruf, Karriere und Gehalt tummeln sich hier sehr viele mit angeblich 6 stelligem Jahresgehalt, unter imensem Druck scheinen die meisten auch nicht zu stehen da tagsüber viel in Foren unterwegs. (wer's glaubt). Zu Automobilthemen gerne auch mal Kommentare dass man ja dieverse Kfz sein eigen nennt, gerne auch mal einen Sportwagen für das WE oder einen schicken Oldtimer + SUV wenn man im eigenen Wald unterwegs ist. (WTF) Oder auch zu fernen Ländern in denen manche Foristen ja gerne mal drei mal im Jahr für mehrere Wochen unterwegs ist. (Alaska, Karibik (Segelboot), Australien und co.) Einfach nicht verrückt machen lassen, was davon stimmt kann man nicht beurteilen. Was heißt überhaupt Karriere? Wenn mein Job mir Spaß macht, das Gehalt + Work Live Balance stimmt, wieso dann eine Management Position anstreben? Ein Wechsel des AG ist natürlich das beste Mittel um das Gehalt zu steigern. Nur wenn man ohne Druch in Vorstellungsgespräche gehen kann, und am besten noch von dem Unternehmen selbst angesprochen wurde oder einem Headhunter, klappts ganz gut mit der Gehaltsverhandlung. Braucht man einfach nur dringend einen neuen Job muss man schon schauspielerisch sehr begabt sein dass nicht durchblicken zu lassen. Leifer ist bei den meisten ausgeschriebenen Führungspositionen Erfahrung in der Führung von MA nötig, da beißt sich die Katze in den Schwanz.
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