IG Metall "Die meisten werden die Rente nicht gesund erreichen"

Rente mit 67? Oder gar mit 80? Nicht auf den Arbeitsplätzen von heute, sagt die IG Metall. Denn in den Unternehmen werde kaum Rücksicht auf ältere Arbeitnehmer genommen. Laut einer Umfrage der Gewerkschaft sind nicht einmal vier Prozent der Kollegen in der Metallbranche über 60.

Corbis


Die IG Metall sieht die Voraussetzungen für die Rente mit 67 noch immer nicht gegeben. Nach einer Umfrage der Gewerkschaft unter 3700 Betriebsräten geht eine große Mehrheit von 80 Prozent davon aus, dass die Beschäftigten ihrer Branche das gesetzliche Renteneintrittsalter "nicht gesund erreichen".

IG-Metall-Vize Detlef Wetzel forderte Politik und Arbeitgeber dazu auf, mehr altersgerechte Arbeitsplätze und flexible Ausstiegsmöglichkeiten für die Beschäftigten zu schaffen. "Wir wollen Arbeitsbedingungen, die es den Menschen ermöglichen, gesund alt zu werden", sagt Wetzel. Die Betroffenen würden mit den Problemen alleingelassen. Die von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gegen Altersarmut geplante Zuschussrente sei bloß "ein Tropfen auf den heißen Stein".

Die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters startete bereits Anfang des Jahres. Nach der Statistik müssen Arbeitnehmer ab dem Jahrgang 1964 oder später für eine Rente ohne Abschläge arbeiten, bis sie 67 Jahre alt sind. Viele Arbeitnehmer könnten unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen aber "objektiv nicht" so lange arbeiten, sagte Wetzel. Dann drohe ihnen Altersarmut.

92 Prozent der Betriebe ohne altersgerechte Arbeitsgestaltung

Bei den jüngere Beschäftigten gehen laut Umfrage nur 15 Prozent davon aus, dass sie mit ihrer Rente einmal "gerade so über die Runden kommen". Bei allen Befragten liegt der Wert noch bei 46 Prozent. "Wenn die jüngere Generation so wenig Vertrauen in die eigene Alterssicherung hat, kommt dies einer gesellschaftlichen Bankrotterklärung gleich", sagt Wetzel.

Nach den Worten von IG Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban sind nicht einmal vier Prozent der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie über 60 Jahre alt. Älter als 63 sei nur ein Prozent. "In rund 44 Prozent der Betriebe gibt es keine Beschäftigten über 63 Jahre." In 92 Prozent der Betriebe gebe es selten oder nie Maßnahmen zur altersgerechten Arbeitsgestaltung. Die IG Metall will die Rente zum Thema der Bundestagswahl im Herbst 2013 machen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wies die Kritik zurück. Die Zahlen der Gewerkschaft seien unseriös. So habe sich der Anteil der Arbeitnehmer in der Altersklasse "60plus" in der Branche zwischen 2000 und 2011 mehr als verdoppelt: von 2,4 Prozent im Jahr 2000 auf zuletzt 4,9 Prozent.

Im Übrigen habe man mit der IG Metall längst "tarifpolitische Weichen für eine ausgewogene und flexible Gestaltung der Rente mit 67 gestellt". Der niedrige Beschäftigungsgrad älterer liege "nicht an den Arbeitsbedingungen in der Industrie, sondern sei das Ergebnis früherer Vorruhestandsprogramme".

Bereits am Mittwoch hatte sich der frühere Arbeitsminister Wolfgang Clement zu dem Thema geäußert: Die Rente mit 67 finde er nicht ausreichend, es sollte noch wesentlich länger gearbeitet werden, vielleicht bis 80. Der Ex-Sozialdemokrat wirbt seit Jahren für die Belange der Metallarbeitgeber. In deren Lobbyorganisation "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" ist er Vorsitzender des Kuratoriums.

jon/dpa

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Seite 1
großwolke 16.08.2012
1. optional
"...,vielleicht bis 80." ?! Im Grunde ist dagegen ja nix einzuwenden. Gerade wenn ich manchmal so im Zug sitze und mopsfidele Rentnergrüppchen mit ihren schicken Rädern vom/zum gemeinsamen Radwanderausflug fahren sehe, dann denke ich mir auch manchmal, so schwer kanns doch eigentlich nicht sein, alternativ eben auch arbeiten zu gehen, auch in dem Alter. Der Haken dabei: das sind dann vermutlich größtenteils Schreibtischtäter mit ihren Familienmanagerinnen, die ich in dieser Verfassung sehe, nicht die Leute vom Hochhofen oder vom Baugerüst. Also vielleicht das absolute Renteneintrittsalter komplett abschaffen und die Zuteilung der Rente nach Arbeitsfähigkeit medizinisch begründet festlegen? Aber ach, da hör ich den Aufhscrei schon... um so eine Idee umzusetzen, bedarf es noch eines grundlegenden geistigen Wandels: es nämlich als Glücksfall anzusehen, auch mit 65 noch fit genug für den Job zu sein, und nicht neidisch auf die zu schauen, die mangels intakten Knochen leider schon daheim bleiben müssen.
p.o.t. 16.08.2012
2. ot
Zitat von großwolke"...,vielleicht bis 80." ?! Im Grunde ist dagegen ja nix einzuwenden. Gerade wenn ich manchmal so im Zug sitze und mopsfidele Rentnergrüppchen mit ihren schicken Rädern vom/zum gemeinsamen Radwanderausflug fahren sehe, dann denke ich mir auch manchmal, so schwer kanns doch eigentlich nicht sein, alternativ eben auch arbeiten zu gehen, auch in dem Alter. Der Haken dabei: das sind dann vermutlich größtenteils Schreibtischtäter mit ihren Familienmanagerinnen, die ich in dieser Verfassung sehe, nicht die Leute vom Hochhofen oder vom Baugerüst. Also vielleicht das absolute Renteneintrittsalter komplett abschaffen und die Zuteilung der Rente nach Arbeitsfähigkeit medizinisch begründet festlegen? Aber ach, da hör ich den Aufhscrei schon... um so eine Idee umzusetzen, bedarf es noch eines grundlegenden geistigen Wandels: es nämlich als Glücksfall anzusehen, auch mit 65 noch fit genug für den Job zu sein, und nicht neidisch auf die zu schauen, die mangels intakten Knochen leider schon daheim bleiben müssen.
Wäre als Idee aber vielleicht gar nicht so schlecht, so ist die Erhöhung des Rentenalters ja mehr eine Rentenkürzung durch die Hintertür.
jajo.le 16.08.2012
3. andere Frage
Irgendwie habe ich das Gefühl, das man auf die naheliegendste Maßnahme einfach nicht kommen will. Statt einem festen Renteneintrittsalter eine Mindestarbeitszeit von 45 Jahren. Dann geht halt der Handwerksgeselle der mit 16 angefangen hat mit 61 in Rente und der Langzeitstudent, der später seinen Arbeitstag am Schreibtisch verbringt eben erst mit 75.
soläuftdas? 16.08.2012
4.
Zitat von sysopCorbisRente mit 67? Oder gar mit 80? Nicht auf den Arbeitsplätzen von heute, sagt die IG Metall. Denn in den Unternehmen werde kaum Rücksicht auf ältere Arbeitnehmer genommen. Laut einer Umfrage der Gewerkschaft sind nicht einmal vier Prozent der Kollegen in der Metallbranche über 60. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,850455,00.html
Es geht doch im Grunde nur um die Rentenbeiträge einzubehalten und diese zweckentfremdet an andere Haushaltsposten oder an die Finanzmächte weiterzureichen für Zinszahlungen usw.. Dafür sollen die Leute länger malochen und damit auch länger ausgebeutet werden. Davon haben die Betriebe dann auch noch was davon. Das ist der ganze Witz. Wenn der Clement das was der bei der INSM macht im Ernst auch noch arbeiten nennt, dann ist das eine weitere Lüge von dem Heuchler. Soll er doch sich mal bei irgendeinem Sklavenhändler vermitteln lassen für deren Existenz er doch früher gesorgt hat als Arbeitsminister, dann würde er freiwillig ins Altersheim gehen der Maulheld. Nur dumm daher labern um die Ziele der INSM zu erreichen und in die Köpfe der Menschen zu platzieren, das kann er, aber sonst nix.
delta058 16.08.2012
5.
Zitat von p.o.t.Wäre als Idee aber vielleicht gar nicht so schlecht, so ist die Erhöhung des Rentenalters ja mehr eine Rentenkürzung durch die Hintertür.
Angesichts der Tatsache, das die derzeitige Lebenserwartung für Männer bei 79 Jahren liegt müsste Mann sich bei Rente mit 80 fragen warum er überhaupt Beiträge zahlen soll. Bei Frauen sieht es mit 86 Jahren zwar etwas besser aus aber auch nicht rosig. Es gibt nun mal Jobs die kann man kaum mit 60 (Pflegekräfte, bau, Handwerker) noch machen und es gibt welche die gehen auch noch mit 90 (man denke nur an den öffentlichen Dienst, kaum ein Rentner würde die Jobs schlechter machen). Entweder unsere Politiker stellen sich dieser Tatsache oder früher oder später (bei den Deutschen leider viel später) werden sich die Bürger fragen womit die ihre fetten pensionen eigentlich verdient haben (Pension mit 55 bei vollen Bezügen).
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