IG-Metall-Umfrage Junge leiden unter unsicheren Jobs

Jeder dritte Arbeitnehmer unter 35 Jahren hat eine befristete oder unsichere Arbeit, zeigt eine Umfrage der IG Metall. Die Gewerkschaft warnt vor einer sozialen Spaltung zwischen junger und älterer Generation am Arbeitsmarkt. Denn prekäre Jobs wirken sich auch auf die Psyche aus.

Generation Praktikum: Die soziale Spaltung zwischen Jung und Alt nimmt zu
DDP

Generation Praktikum: Die soziale Spaltung zwischen Jung und Alt nimmt zu


Schlecht oder gar nicht bezahlte Praktika, Leiharbeit, befristete Stellen, Werkverträge: 32 Prozent der Beschäftigten unter 35 Jahren haben ein prekäres Arbeitsverhältnis, wie eine neue Umfrage der Gewerkschaft IG Metall zeigt. 2009 waren es noch 28 Prozent. Bei Älteren sank der Anteil prekärer Jobs im gleichen Zeitraum von 16 auf elf Prozent.

Die unsichere Beschäftigung wirkt sich auch auf die Psyche junger Arbeitnehmer aus: Neun von zehn Befragten sagten, dass befristete Jobs über einen längeren Zeitraum zu psychischen Belastungen führen, die Lebensplanung und damit auch mögliche Familiengründungen erschweren und berufliche Aufstiegschancen behindern. 80 Prozent erwarten zudem gesamtgesellschaftlich eine Verschärfung sozialer Ungleichheit.

"Die zunehmende Unordnung des Arbeitsmarktes geht vor allem zu Lasten der jungen Generation", erklärte Detlef Wetzel, stellvertretender Vorsitzender der IG Metall. "Zwar sind wir in der Bundesrepublik weit von spanischen Verhältnissen entfernt. Aber auch in Deutschland haben zu viele junge Menschen keine guten Zukunftsperspektiven."

Ältere bleiben länger im Job

Im Kontrast zur prekären Lage der Jungen steht die Gesamtentwicklung der durchschnittlichen Beschäftigungsdauer: Deren Wert habe sich seit 1992 um ein halbes Jahr erhöht, schreibt Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, in seiner KarriereSPIEGEL-Kolumne. "Auf der einen Seite des Spektrums stehen Stammbelegschaften mit relativ hoher Beschäftigungssicherheit, auf der anderen Seite Randbelegschaften, die die Last der konjunkturellen und strukturellen Anpassungen tragen", so Möller. Mit guter Ausbildung sei das Risiko demnach deutlich geringer, zu den Letzteren zu gehören.

Laut Gesetz kann ein Vertrag derzeit auf bis zu zwei Jahre begrenzt werden, ohne dass der Arbeitgeber die Befristung begründen muss. Innerhalb dieser Maximaldauer können Unternehmen befristete Verträge bis zu dreimal verlängern. Zudem dürfen Arbeitnehmer nicht ohne triftigen Grund befristet angestellt werden, wenn sie im selben Unternehmen schon einmal auf Zeit beschäftigt waren. Grund für eine erneute zeitliche Grenze kann zum Beispiel die vorübergehende Vertretung eines Mitarbeiters sein, der wegen Krankheit, Schwangerschaft oder Elternzeit ausfällt.

Ohne sachliche Begründung ist ein zweiter, befristeter Arbeitsvertrag nur möglich, wenn nach dem Ende des ersten Arbeitsverhältnisses mehr als drei Jahre vergangen sind. So hat es das Bundesarbeitsgericht 2011 entschieden. (Aktenzeichen: 7 AZR 716/09).

Für die dritte Jugendstudie der Gewerkschaft seit 2009 hatte TNS Infratest Politikforschung über tausend junge Menschen zwischen 14 und 34 Jahren befragt und erstmals auch Werkverträge untersucht. Laut IG Metall gaben - ohne Leiharbeiter berechnet - 15 Prozent der unter 35-Jährigen an, dass ihr Arbeitgeber im Rahmen von Werkverträgen Leistungen für andere Unternehmen erbringe und sie zwei Drittel ihrer Arbeitszeit auf dem Gelände des Auftraggebers verbringen. Wetzel forderte auch für diese Beschäftigten tarifvertragliche Regelungen und Mitbestimmung wie für alle anderen Beschäftigten.

"Große Teile der jungen Generation haben von der guten wirtschaftlichen Entwicklung nicht profitiert", sagte der IG-Metall-Vize und forderte die Bundesregierung auf, unsichere Beschäftigung anzugehen und für "eine neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen". Bei der Leiharbeit warf Wetzel der Bundesarbeitsministerin Untätigkeit vor - da sitze "Frau von der Leyen auf dem Sofa und sagt den Gewerkschaften: Nun kämpft mal schön."

ant/dpa/dapd

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
hansmaus 05.07.2012
1. "prekäre Jobs"
Liebe Redaktion des Spiegels, bitte entscheidet euch endlich von was ihr redet! Von "Jobs" oder von "Arbeitsplätzen"? Ein Job ist für mich und alle in meinem Bekanntenkreis etwas was man nur kurz macht und von dem man nicht wirklich leben kann (Kellnern in ner "Lounge", Zeitarbeit beim Fastfood, Paketdienst usw.) Ein Arbeitsplatz ist was richtiges, da bekommt man ein Gehalt mit dem man leben kann, mit dem man eine Wohnung ohne Staatlichen Zuschuss finanzieren kann, das ist etwas wo man einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhält und wo man nicht sofort auf der Straße sitzt wenn man Krank wird oder (heute noch schlimmer) schwanger. "Job" und "Arbeitsplatz gleichen sich wie Tag und Nacht.....nicht im geringsten!
bekoka 05.07.2012
2. Gewerkschaften glänzen durch Untätigkeit
Das Problem hat schon vor über 20 Jahren mit den sog. "Subunternehmern" begonnen. Die Gewerkschaften nennen zwar immerwieder diese Themen aber wo bleibt der Biß endlich dagegen zu kämpfen? Klar die prekär Beschäftigten sind keine Firstclass-Arbeitnehmer wie die VW- oder OPELlaner, ... meist können sie sich die Gew.-Beträge nicht leisten. Es entsteht ein immer größerwerdender Pool an Arbeitnehmern die nicht in den Gewerkschaften organisiert sind .... und trotzdem warten bis eine Organisation in den nächsten Jahren entsteht und sich ihrer Interessen endlich annimmt.
Diskutierender 05.07.2012
3. So macht man Fachkräftemangel
Denn wer in dieser Situation vernünftig ist und einen nachgefragten Beruf hat, geht am besten in die Schweiz und macht das dreiste Spiel der Unternehmen nicht mit. Selbst in der angeblich so nachgefragten Gruppe der Ingenieure gibt es immer mehr Zeitarbeit und Outsourcing. So etwas würde ich mir nur antun, wenn Hartz IV droht. http://www.zeit.de/2012/26/Globalisierung-Ingenieure
Phosphorus 05.07.2012
4. Völlig richtig!
Zitat von hansmausLiebe Redaktion des Spiegels, bitte entscheidet euch endlich von was ihr redet! Von "Jobs" oder von "Arbeitsplätzen"? Ein Job ist für mich und alle in meinem Bekanntenkreis etwas was man nur kurz macht und von dem man nicht wirklich leben kann (Kellnern in ner "Lounge", Zeitarbeit beim Fastfood, Paketdienst usw.) Ein Arbeitsplatz ist was richtiges, da bekommt man ein Gehalt mit dem man leben kann, mit dem man eine Wohnung ohne Staatlichen Zuschuss finanzieren kann, das ist etwas wo man einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhält und wo man nicht sofort auf der Straße sitzt wenn man Krank wird oder (heute noch schlimmer) schwanger. "Job" und "Arbeitsplatz gleichen sich wie Tag und Nacht.....nicht im geringsten!
Richtig, die Unterscheidung "Job" gegen "Beruf" wird gerne außer Acht gelassen. Bei einem Job schaue ich auf die Uhr, wann' endlich Feierabend ist, und werde entsprechend schlecht bezahlt und unsicher angestellt. Einen Beruf behandele ich wie mein Hobby: ich denke permanent, auch unbewusst darüber nach, was ich besser machen könnte. Damit folgt fast zwangsläufig der Erfolg, die Sicherheit und die gute Bezahlung.
Rosine 05.07.2012
5. optional
Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren prekär- und ja, es ist eine Belastung. Neu ist das Phänomen nicht.
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