Bienenfleißige Imker-Azubis Im Dienste der Königin

Wie war das mit den Bienchen und den Blümchen? Auszubildende im Bieneninstitut lernen alles über Königinnenzucht und Jungvölker. Sie wollen Imker werden, ein anstrengender und aussterbender Beruf. Wer Sticheleien nicht fürchtet, wird mit lecker Honig belohnt.

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"Eine gute Woche ist eine ohne Stiche. Ich hatte allerdings schon mal zehn an einem Tag und danach starkes Fieber", sagt Michel Prengemann und grinst, "man gewöhnt sich dran." An diesem Morgen sortiert und säubert er bei 30 Grad Außentemperatur Begattungskästen für die Königinnenzucht. Die stehen in einer schattigen Ecke eines 4,5 Hektar großen und prächtig blühenden Gartens. Rund um Michel Prengemann schwirren die Bienen, die er mit einem Rauchgerät zu beruhigen versucht. Auch ein Schleier soll ihn schützen.

94.000 Hobbyimker zählt der Deutsche Imkerbund; hauptberufliche Imker gibt es nur etwa 100. Michael Prengemann, 19, aus Eschede will versuchen, von den Bienen zu leben. Zusammen mit sechs anderen macht er eine Imkerausbildung in Celle beim Institut für Bienenkunde, das zum Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gehört.

Das Bieneninstitut mit eigener Imkerei ist der größte Ausbildungsbetrieb für den Beruf, der offiziell heißt: "Tierwirt Fachrichtung Bienenhaltung". Die Auszubildenden lernen in drei Jahren, wie man am Bienenstock arbeitet, sich um die Zucht der Tiere kümmert, den Honig herstellt und vermarktet. Außerdem auf dem Lehrplan: Pflanzen-und Tierkunde.

"Es ist ein mutiger Schritt, als Imker arbeiten zu wollen", sagt Hansgeorg Schell, 52, der seit einem Vierteljahrhundert in der Imkerei arbeitet und die Auszubildenden anleitet, "wir gehen hier sehr offen mit den Berufsperspektiven um." Schell, der ursprünglich aus Rumänien kommt, hat den Beruf als 16-Jähriger ergriffen und es nie bereut. "Einige steigen in den Familienbetrieb ein. Wer in die Selbständigkeit will, sollte realistisch sein und ein kleines finanzielles Polster haben. Außerdem braucht man mindestens 300 Bienenvölker, um davon leben zu können."

Ein ziemlich kräftezehrender Job

Betriebe, die Imker einstellen, sind rar. Wer einen der wenigen Jobs ergattert, kann mit einem Monatslohn zwischen 1500 und 1900 Euro brutto rechnen. An die Türen der großen Honigproduzenten braucht man nicht anzuklopfen - sie beschäftigen keine Imker, weil sie in der Regel keine eigenen Bienenstöcke besitzen. Der Honig der Massenproduzenten wird weltweit eingekauft und gemischt. Auch wenn jeder Deutsche davon durchschnittlich ein Kilogramm im Jahr verspeist: Nur 20 Prozent des Bedarfs wird mit deutschem Honig gedeckt.

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Ebenfalls im ersten Ausbildungsjahr steht Florian Hirsch, 18, und schleudert an diesem Tag Honig. Nachdem er Raum und Geräte gereinigt hat, will er die Waben vom Honig trennen. Die Bienen bevorraten sich damit eigentlich für den Winter. "Wir sprechen von Tracht, wenn die Bienen mehr einlagern, als sie selbst brauchen", sagt Ausbilder Schell. Nach und nach setzt Florian Hirsch die Rahmen in die Honigschleuder ein. Eine Sammeltrommel fängt den Honig auf, der sofort kristallisiert. Bis zur Abfüllung muss er ihn nun immer rühren.

"Bei uns ist nicht alles bis ins Detail planbar", sagt Hansgeorg Schell, "es ist ein landwirtschaftlicher Beruf, der vom Wetter abhängt." Dann erzählt er von den Problemen: abnehmendes Blütenangebot, Bienenkrankheiten, Pestizide und Überdüngung. Und von der körperlichen Anstrengung. Denn einen Großteil des Tages verbringen die Imker stehend, schweres Heben gehört dazu.

Die arbeitsreichste Phase dauert von Mai bis August. Der Winter ist ruhiger. Die Imker kontrollieren dann, ob die Tiere gesund sind, aus ihrem Stock ein- und ausfliegen und genug Nahrung haben, um das Volk zu ernähren. Am wertvollsten sind die Königinnen: "Der Schlüssel zur erfolgreichen Honigproduktion", so Schell. Nur mit ausgewählten Königinnen lassen sich produktive Bienenvölker aufbauen.

"Anfangs hatte ich Angst"

Eilin Bohn, 23, aus Schleswig-Holstein steht kurz vor dem Abschluss zur Imkerin. Während der Prüfung muss sie zeigen, was sie kann: ein Volk einwintern, Honigräume abfegen, Honig schleudern, Honig abfüllen, Rahmen bauen. "Anfangs hatte ich Angst vor den Bienen. Ich musste mich ganz langsam annähern. Mittlerweile macht mir die Arbeit mit den Tieren am meisten Spaß."

Eilin Bohn zeigt den Brutschrankraum des Instituts, in dem unbegattete Königinnen auf ihren Einsatz warten. Bevor die Königinnen ein Volk aufbauen, markiert die Auszubildende sie mit einem Stift, hält sie mit Daumen und Zeigefinger fest und klebt ein buntes Plättchen auf den Rücken. "Eine gezeichnete Königin können wir so im Stock wiedererkennen."

Das Institut ist nicht nur Ausbilder und Forschungseinrichtung sondern auch Wirtschaftsbetrieb. Mit 450 Bienenvölkern produziert und verkauft die Imkerei 18.000 Kilo Honig im Jahr. Zudem profitieren die Celler von der Königinnenzucht. 807 Stück haben sie im vergangenen Jahr an andere Imker abgegeben, damit auch die sich Völker aufbauen können.

Michel Prengemann setzt jetzt schon um, was er in der Ausbildung lernt. Zu Hause züchtet er seit kurzem seine eigenen Bienen und hat sich ein Jungvolk angeschafft. Ein Jahr muss er warten - dann kann er seinen eigenen Honig ernten.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Katja Kasten arbeitet als freie Journalistin in Hamburg.

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