Vom Aussterben bedroht Wer will schon noch Schäfer werden?

Die Schäferei gilt als eines der ältesten Gewerbe der Welt, doch die Branche kämpft in vielen Ländern Europas mit Nachwuchssorgen. Die verbliebenen Schäfer suchen neue Nischen - etwa mitten in Paris.

SPIEGEL TV

Der Jahrtausende alte Beruf des Schäfers ist zunehmend zur Berufung geworden. In Europa lässt sich damit kaum noch Geld verdienen. Die Konkurrenz aus Neuseeland bietet Wolle und Fleisch viel billiger an. Viele mitteleuropäische Schäfer geben auf, andere suchen nach neuen Perspektiven, etwa in der Stadtschäferei.

In Paris hat sich vor vier Jahren eine Genossenschaft formiert, "Les Bergers Urbains", zu Deutsch "Städtische Hirten". Mit ihrer Herde ziehen die vier Schäferinnen und Schäfer durch die Metropole und den Stadtrand, lassen die insgesamt 30 Tiere auf öffentlichen Grünflächen oder brachliegenden Flächen zwischen Wohnsiedlungen weiden. Schafe in der Stadt? Eine clevere Idee, denn es gibt immer weniger ländliche Grünflächen, das Ackerland wird intensiv bewirtschaftet und damit für die Schafe unbrauchbar.

Alles begann, ohne dass die Schäfer die Behörden jemals um eine Genehmigung gefragt hätten. "Denn die hätten wir nicht bekommen," sagt Stadtschäferin Pauline Maraninchi. Überhaupt sei es nicht der Ansatz der städtischen Hirten, staatliche Stellen um Erlaubnis zu bitten: "Wir machen einfach das, was wir uns vorgenommen haben."

Eine Schafherde zum Mieten "mieten"

Die "Bergers Urbains" leben von dem Handel mit Schafen und Lammfleisch, und sie beraten die Stadt gegen Geld in landwirtschaftlichen Fragen. Privatleute und Firmen können die Herde "mieten" - zur Pflege von Grünflächen. Ganz sicher kein in erster Linie kommerziell ausgerichtetes Geschäftsmodell, aber eines, das von den Betreibern als nachhaltig und sinnstiftend empfunden wird. Zudem ein Gegenentwurf zur Massentierhaltung.

In Deutschland gab es 1990 noch 3,2 Millionen Schafe, heute sind es nur noch 1,5 Millionen. Die Herde von Schäferin Ruth Häckh besteht aus rund 500 Tieren. Die leidenschaftliche Schäferin treibt ihre Tiere über die Schwäbische Alb treibt - mitunter 20 Kilometer am Tag, bei Wind und Wetter.

Die Schäferin kritisiert die globalisierte Schafzucht. An der Wolle verdient Ruth Häckh fast nichts mehr, sie lebt von den Zuschüssen aus dem Landschaftspflegeprogramm und dem Verkauf des Fleisches. Rechnet sie alle Arbeitsstunden zusammen, kommt sie auf einen Stundenlohn von 4,85 Euro. Einen Mitarbeiter kann sie sich nicht leisten, denn diesem müsste sie Mindestlohn zahlen.

Ihre Schafe schlachtet Häckh selbst, aus Respekt, denn so kann sie die Tiere bis zum Schluss begleiten. Ihr Tag beginnt früh, schon um 10 Uhr isst sie zu Mittag, dann ist sie acht bis neun Stunden unterwegs mit den Schafen. Ein anstrengender Beruf, aber die Erfüllung ihres Lebenstraums.


Mehr erfahren Sie bei ARTE Re, Mittwoch, 31. Mai 2017, 19.40 - 20.10 Uhr



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
matteo51 31.05.2017
1. Wer will schon noch Schäfer werden?
Ich. Aber das weiß ich erst seit ca. 3 Jahren. Vorher war ich in einer anderen Welt, und so ein Beruf war überhaupt nicht auf meinem Schirm. Ich werde in diesem Leben nicht mehr Schäfer, aber im nächsten:) - ich glaube, es braucht eine bestimmte Art von charakterlicher Reife und Gelassenheit für diesen Beruf. Und natürlich Anpack-Fähigkeiten, hands on;).... Bin jetzt zu alt und zu festgefahren, aber wer weiß, was in 10 Jahren ist? Toller Beruf!
Einer unter Mehreren 31.05.2017
2. Wie alt und festgefahren?
also ich bin 53, bin zwar damit alt aber evtl doch noch nicht zu festgefahren... Mit 53 sind die evtl Kinder aus dem Haus, also was hindert Sie?.....
jamguy 01.06.2017
3.
Zitat von matteo51Ich. Aber das weiß ich erst seit ca. 3 Jahren. Vorher war ich in einer anderen Welt, und so ein Beruf war überhaupt nicht auf meinem Schirm. Ich werde in diesem Leben nicht mehr Schäfer, aber im nächsten:) - ich glaube, es braucht eine bestimmte Art von charakterlicher Reife und Gelassenheit für diesen Beruf. Und natürlich Anpack-Fähigkeiten, hands on;).... Bin jetzt zu alt und zu festgefahren, aber wer weiß, was in 10 Jahren ist? Toller Beruf!
Also den Martin Schulz kann ich mir rein optisch absolut lebhaft in der Rolle vorstellen!
Flying Rain 01.06.2017
4.
Naja viele junge Menschen (mich inbegriffen) denken halt heutzutage wohl auch mehr darüber nach was in 10 Jahren ist und dass man von ~6€/h zwar überleben aber halt nicht leben kann. Die einzigen Schäfer die ich kenne sind auch immer gleichzeitig noch Landwirte und können das somit "nebenbei" auf den eigenen Grundstücken machen. Alle zwei sagen sie könnten von den Schafen alleine nicht überleben. Einmal hatte ich einen getroffen der den Job noch mit knapp 40 erlernt hatt aber halt auch in der Industrie entsprechend eingenommen hatt dass er so oder so nicht mehr arbeiten müsste.
fatherted98 01.06.2017
5. tja...
...in Zeiten in denen Wölfe die Herde dezimieren, fragt sich so mancher Schäfer: Wofür denn? Und Nachwuchs....wäre sicher vorhanden wenn der Schäfer auch für die Landschaftspflege etwas bezahlt bekäme.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.