Von Bremerhaven nach Hollywood Student ergattert Job bei Roland Emmerich

Seine Kommilitonen fragten nach Autogrammen, er nach einem Praktikum: Ein 22-Jähriger aus Bremerhaven hat an den visuellen Effekten des neuen "Independence Day"-Films von Roland Emmerich mitgewirkt.

Tim David Müller-Zitzke
DPA

Tim David Müller-Zitzke


Der Himmel verdunkelt sich, der riesige Schatten einer fliegenden Untertasse schiebt sich in Washington D.C. über das Weiße Haus - wenige Sekunden später ist davon nur noch ein gigantischer Feuerball übrig. Diese Szene aus "Independence Day" prägte sich vor 20 Jahren in die Köpfe vieler Kinobesucher ein.

Der Blockbuster spielte seit seinem Start im Jahr 1996 mehr als 817 Millionen Dollar ein. In diesem Sommer erscheint nun der zweite Teil des Science-Fiction-Spektakels von Roland Emmerich - und daran mitgewirkt hat ein 22 Jahre alter Student aus Bremerhaven. Rund sieben Monate war Tim David Müller-Zitzke in Hollywood, um an "Independence Day 2: Wiederkehr" mitzuarbeiten, einem Film mit 200 Millionen Dollar Budget.

An den Job in Hollywood kam der Student durch eine mutige Aktion: Volker Engel, der für die visuellen Effekte des ersten "Independence Day"-Films den Oscar bekam und Co-Produzent des zweiten Teils ist, hielt eine Vorlesung an der Hochschule in Bremerhaven, an der Zitzke Digitale Medienproduktion studiert. Nach dem Vortrag bat ihn der Student nicht um ein Autogramm wie vieler seiner Kommilitonen, sondern fragte, ob er ein Praktikum in dessen Team machen könnte. Engel versprach Zitzke damals nichts, aber sagte ihm, er solle sich doch ruhig mal bewerben. Und das tat er.

Szene aus dem Film "Independence Day 2: Wiederkehr"
DPA/Twentieth Century Fox

Szene aus dem Film "Independence Day 2: Wiederkehr"

Schließlich meldete sich eine Produzentin aus Engels Team zurück - die Bewerbung hatte sie überzeugt. Im Oktober vergangenen Jahres flog Zitzke nach Los Angeles, das Praktikum in Engels Produktionsfirma konnte beginnen. Er war der Jüngste im internationalen Team für visuelle Effekte - und der einzige deutsche Student. "Es war für mich superfaszinierend, an so einem Großprojekt mitzuarbeiten", sagt er.

Zitzke arbeitete sich hoch zum sogenannten VFX Compositor für visuelle Effekte. Seine Aufgabe: reale und virtuelle Bestandteile des Science-Fiction-Films am Computer zu einer Filmsequenz zusammenzufügen, und zwar so, dass dem Zuschauer das Gezeigte so real wie möglich erscheint.

Plötzlich stand Jeff Goldblum hinter ihm

"Einer der eindrucksvollsten Momente war, als ich den Film zusammen mit dem Team und dem Regisseur in einer Vorversion angucken durfte", sagt der 22-Jährige. In einer Szene ist er sogar selbst kurz zu sehen: Die Aliens haben den Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai mit einem Raumschiff ansaugenund lassen ihn in London auf einen belebten Platz fallen. Einer der fliehenden Menschen ist der Student aus Bremerhaven. "Ich bin der Mann im Anzug."

Zu dem Auftritt kam er, als spontan noch Komparsen für die apokalyptische Szene gesucht wurden. Gedreht wurde auf einem Parkplatz. "Die einzelnen Menschen wurden hinterher ausgeschnitten und in die Szene montiert."

Eine der Hauptrollen spielt wieder Jeff Goldblum. Den US-Schauspieler lernte Müller-Zitzke eines Tages auch persönlich kennen, als dieser in seine Abteilung kam, weil er sich für die Erstehung der visuellen Effekte interessierte. "Plötzlich stand er hinter mir und hat mir die Hand geschüttelt", sagt der Student.

Im nächsten Jahr macht Zitzke seinen Bachelor-Abschluss, danach würde er gern nach L.A. zurückkehren. Doch nun freut er sich erst einmal auf den Kinostart am 14. Juli. Dann, so sagt er, wolle er sich den Film sehr viele Male ansehen.

kha/dpa



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
jararaca 13.06.2016
1. Bestens
Der junge Mann hat das hervorragend gemacht. Daran sollten sich die vielen "null Bock" Studenten ein Beispiel nehmen.
aopoi 13.06.2016
2. Ergattert einen Job
Soso. Nun ist ein Praktikum also ein Job. Trotzdem meine besten Wünsche an den Praktikanten. Aber. Es gibt millionen Praktikanten, die sich nichts sehnlicher Wünschen, als einen Job.
jojack 13.06.2016
3.
Zitat von aopoiSoso. Nun ist ein Praktikum also ein Job. Trotzdem meine besten Wünsche an den Praktikanten. Aber. Es gibt millionen Praktikanten, die sich nichts sehnlicher Wünschen, als einen Job.
Zum Glück nicht in Deutschland - dem guten Arbeitsmarkt sei Dank. Wer trotz abgeschlossenem Studium dennoch unbezahlte oder unterbezahlte Dauer-Praktika absolviert, hätte wohl einfach nicht am Bedarf vorbei studieren sollen.
L!nk 13.06.2016
4.
Was hat der junge Mann bei diesem 200 Millionen Dollar - Projekt verdient? Von diesen VFX Compositoren hört man immer, die kriegen nichts, dafür arbeiten sie 16 Std./Tag und schlafen unter ihren Tischen.
aopoi 13.06.2016
5. Da gebe ich Dir recht
Zitat von jojackZum Glück nicht in Deutschland - dem guten Arbeitsmarkt sei Dank. Wer trotz abgeschlossenem Studium dennoch unbezahlte oder unterbezahlte Dauer-Praktika absolviert, hätte wohl einfach nicht am Bedarf vorbei studieren sollen.
In einem Land, wo manchmal Praktikanten besser bezahlt werden als Berufstätige und für normale Berufe mitlerweile ein Studium verlangt wird, kann man nur selber Schuld sein, dass man nicht die Erwartungen erfüllt.
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