Integration Doppelt so viele Flüchtlinge machen Ausbildung im Handwerk

Das deutsche Handwerk bildete im vergangenen Jahr 11.000 Geflüchtete aus - und damit doppelt so viele wie 2016. Eine neue Studie zeigt, wann die Integration der Azubis gelingt.

Auszubildender und Ausbilder in Baden-Württemberg (Archivbild)
DPA

Auszubildender und Ausbilder in Baden-Württemberg (Archivbild)


Die Zahl der Azubis mit Fluchterfahrung hat sich 2017 in handwerklichen Betrieben auf etwa 11.000 mehr als verdoppelt. Das teilte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) am Donnerstag in Berlin mit. Im Vorjahr waren es noch knapp 4600 gewesen.

Wie viele junge Flüchtlinge bundesweit gern eine Ausbildung machen würden, ist statistisch nicht erhoben. Beliebte Ausbildungsberufe im Handwerk sind jedoch - genauso wie bei jungen Deutschen - Kfz-Mechatroniker, Anlagenmechaniker oder Friseur. Die meisten der Auszubildenden mit Fluchtgeschichte kommen nach ZDH-Angaben aus Afghanistan (4307), gefolgt von Syrien (3101) und dem Irak (1124).

Auch bei den betrieblichen und kaufmännischen Ausbildungen im Bereich der Industrie- und Handelskammern war die Zahl der Ausbildungsverträge mit Geflüchteten zuletzt deutlich gestiegen.

Unternehmen fordern sicheren Aufenthaltsstatus

Achim Dercks, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), hatte das vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels begrüßt. Gleichzeitig forderte er die Politik auf, geflüchteten Azubis langfristigere Aufenthaltsgenehmigungen zu ermöglichen, die auch noch zwei Jahre über das Ausbildungsende hinaus gültig seien. Der gesicherte Status sei für Azubis und Unternehmen gleichermaßen wichtig, sagte Dercks.

Im Video: Die Turbo-Integration - Flüchtlinge bei Porsche

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Zusätzliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung von Flüchtlingen benennt eine neue Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Arbeitsagentur. Die "Migrationsstudie 2016" zeigt, dass eine gute Betreuung der Azubis entscheidend ist. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Bewerber mit Fluchthintergrund schaffen häufiger den Sprung in die betriebliche Ausbildung, wenn sie von Mentoren unterstützt werden.
  • Praktika und Probearbeiten sind gute Türöffner für eine Ausbildung und erhöhen die Erfolgschancen.
  • Eine untergeordnete Rolle spielen dagegen Faktoren wie das Geschlecht, die Aufenthaltsdauer in Deutschland oder das Alter.
Details zur "BA/BIBB-Migrationsstudie 2016"
Wer wurde befragt?
Befragt wurden rund 1.400 Ausbildungsstellenbewerber mit Fluchthintergrund und einer Staatsangehörigkeit aus einem nichteuropäischen Asylzugangsland (Afghanistan, Eritrea, Iran, Irak, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien). Die Umfrage wurde von Ende 2016 bis Anfang 2017 durchgeführt. Die Stichprobe wurde vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gezogen. Grundlage war die Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit.
Ist die Umfrage repräsentativ?
Die "BA/BIBB-Migrationsstudie 2016" ist nicht als repräsentativ ausgewiesen, versammelt aber eine hohe Zahl von Erfahrungswerten. Sie ist Teil einer größeren Befragung von insgesamt 4053 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die 2015/2016 Kontakt mit der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit hatten.
Wie wurde befragt?
Die Teilnehmer wurden schriftlich per Fragebogen befragt. Dafür wurde - wegen möglicher sprachlicher Hürden - eine verkürzte und sprachlich vereinfachte Version des Fragebogens benutzt, den deutsche Jugendliche ausfüllten.
Welche Organisationen waren an der Umfrage beteiligt?
Auftraggeber der Umfrage waren die Bundesagentur für Arbeit (BA) und das Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB).

Die Studie zeigt aber auch, dass junge Menschen mit Fluchthintergrund noch mehr Hilfe bei der Orientierung im deutschen Bildungssystem brauchen. Dies gelte sowohl für Flüchtlinge, die bereits einen Ausbildungsplatz haben, als auch für die, die bisher keine betriebliche Ausbildung begonnen haben, schreiben die Autoren.

him/dpa



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